domenica 31 luglio 2011

19060831

ZEHNTER VORTRAG Stuttgart, 31. August 1906


#G095-1964-SE089 - Vor dem Tore der Theosophie
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ZEHNTER VORTRAG
Stuttgart, 31. August 1906
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Als die Erde aus dem Dunkel des Pralayazustandes auftauchte, er­schien sie nicht allein, sondern zunächst wieder vereinigt mit der Sonne und unserem heutigen Monde. Sonne, Mond und Erde waren ein Riesenkörper. Das war das Anfangsstadium unseres Planeten.
Damals bestand die Erde aus einer sehr, sehr dünnen Materie. Es gab keine festen Mineralien, auch kein Wasser, nur diese feine Materie, die wir Äther nennen. Das Ganze war also ein ätherischer, feiner Planet, umgeben von einer Geist-Atmosphäre wie die heutige Erde von einem Luftkreis. In dieser Geist-Atmosphäre war alles enthalten, was heute die Menschenseele bildet. Ihre Seelen, die heute in Ihre Körper hineingesenkt sind, waren alle droben in jener geistigen Atmosphäre. Die Erde war eine große Ätherkugel, viel, viel größer als unsere heutige Erde, umgeben von geistiger Substanz, und in dieser geistigen Substanz waren enthalten die zukünftigen Menschenseelen. Unten in der dünnen Materie der Ätherkugel war etwas Dichteres vorhanden, nämlich Millionen von schalenförmigen Gebilden. Das waren die herauskommenden Menschenkeime des Saturn. Hier wiederholte sich nun, was sich in alten Zeiten auf dem Saturn gebildet hatte. Von einer physischen Fortpflanzung und Vermehrung dieser Menschenkeime konnte natürlich nicht die Rede sein; es gab damals etwas ganz anderes. Die ganze, die Erde umgebende Geist-Atmo­sphäre war, wie unser Luftkreis, mehr oder weniger ein einheitliches Ganzes, nur streckten sich von dieser Geist-Umhüllung geistige Fort­setzungen wie eine Art von Fangarmen herab in die Ätherkugel hinein und hüllten die schaligen Gebilde ein, so daß Sie sich vorzustellen haben, daß sich von oben der Geist heruntersenkte und die einzelnen Körper umhüllte. Diese Fangarme bearbeiteten dieselben und bildeten eine menschliche Form. War das Gebilde fertig, dann zog sich der Fortsatz wieder zurück, streckte sich nach einer anderen Richtung aus und arbeitete wieder an anderen Gebilden. Was hervorgebracht wurde,
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war also direkt von den geistigen Welten hervorgebracht. Ganz im Anfang war unten ein wirrer, durcheinanderwirbelnder Ätherstoff, viel dichter als die einheitliche göttliche Geistessubstanz, die die Arme ausstreckte, um aus dem Chaos Gebilde zu schaffen. Das war die erste Epoche unserer Erde; sie wird in der Genesis der Bibel sehr schön ausgedrückt: «Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, und die Erde war wüst und leer, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.» Der Äther, wie er unten war, wird geheimwissenschaftlich als «Wasser» bezeichnet.
Man hätte damals die Erde nicht sehen können, ebensowenig die schaligen Gebilde; diese waren tönende Menschengebilde, und wenn ein solches entstand, drückte es sich in einem bestimmten Ton aus. Es war noch keine Individualität in den Gebilden; diese war noch ganz in der geistigen Atmosphäre aufgelöst. In diesen Gebilden konnte man sieben Arten nach ihrem Grundton unterscheiden. Diese sieben Grup­pen bildeten die erste menschliche Wurzelrasse.
Nach Millionen von Jahren kam ein großer kosmischer Vorgang:
der ganze mächtige Ätherkörper schnürte sich etwas ein, nahm eine biskuitförmige Gestalt an und blieb eine Zeitlang so. Endlich trennte sich von diesem gemeinsamen Gebilde ein kleiner Teil ab, bestehend aus Erde und Mond. Mit diesem Vorgang war für die Menschheits-entwickelung etwas ganz Besonderes verbunden. Die Menschenkeime waren gegliedert, sie hatten sich differenziert; durch den Austritt der Sonne konnten nun zuerst Gegenstände von außen beleuchtet werden. Alles Sehen beruht darauf, daß die Sonnenstrahlen auf die Gegenstände fallen und zurückgeworfen werden. Als die Sonne jetzt heraustrat, waren Körper vorhanden, die sie bescheinen konnte. Es war also auch die Möglichkeit beleuchteter Gegenstände gegeben und damit das Herausbilden der Sehorgane, denn das Licht ist ja der eigentliche Urheber der Augen. Diesen Gebilden, welche sonst von der gemeinsamen göttlichen Atmosphäre versorgt worden waren, wurde nunmehr die Umgebung sichtbar. Diese Zeit wird in der Genesis dar-gestellt mit den Worten: «Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. Und Gott sah das Licht, daß es gut war, und Gott schied das Licht von der Finsternis.» Das Ganze geriet nun in Drehiing, und
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dadurch entstanden Tag und Nacht. Wenn man als Geheimwissen­schafter die Bibel liest, kann man alles wieder wörtlich nehmen.
Jetzt war ein großer Teil derjenigen geistigen Wesenheiten, welche die Erde umgeben hatten, mit der Sonne fortgegangen. Sie bildeten die geistige Bevölkerung der Sonne und wirkten von der Sonne aus auf die Erde. Die ätherischen Menschengebilde wurden nun aus­gestattet mit einer Astralhülle. Das Ganze, Erde und Mond, war nun umgeben von einer astralen Atmosphäre, die vorher in der geistigen Atmosphäre aufgelöst war. Was früher als Äther die Grundmaterie gebildet hatte, war verdichtet worden zu einzelnen Gebilden, die jetzt als selbständige Ätherkörper die einzelnen physischen Gebilde, die ja auch etwas dichter geworden waren, umgaben.
Der Ätherkörper war nun herausgebildet. In bezug auf den Astral-leib aber war keine Selbständigkeit vorhanden; es gab noch eine ge­meinsame Astralhülle für alle Wesen. Das war der Erdgeist, und der streckte wiederum seine Fangarme herein und umfing jeden einzelnen Menschenvorfahr. Eine neue Fähigkeit trat nun auf. Jetzt konnte ein jedes Menschengebilde ein anderes aus seiner eigenen Substanz her­vorgehen lassen: eine Art Fortpflanzung ohne Befruchtung durch zwei Wesen. Es war also eine Befruchtung, die nicht geschlechtlicher Art war, sondern die von der ganzen Astralatmosphäre ausgeführt wurde. Wenn sich ein Fangarm niederstreckte, so bedeutete das eine Befruchtung des Menschenwesens, das dadurch wieder andere ent-wickeln konnte. Die Menschengebilde waren glockenförmig und hatten oben eine röhrenförmige Öffnung zur Aufnahme der Fang­arme; sie öffneten sich der Sonne. Das war der hyperboräische Ur­mensch; man nennt diese Periode die zweite große Wurzelrasse. Diese Menschengebilde waren vielfach gegliedert. Sie starben nicht; einen Tod in unserem Sinne gab es nicht. Sterben bedeutet das Herausziehen des Bewußtseins aus dem Körper. Damals aber war das Bewußtsein noch nicht differenziert, es war ein allgemeines Bewußtsein für alle Menschen in der Astralhülle. Das Bewußtsein des einzelnen blieb ein Teil des gemeinsamen Bewußtseins, und wenn es sich aus einem Gebilde zurückzog, senkte es sich in ein anderes ohne Unterbrechung. Es war gleichsam, wie wenn von einer Wolke sich vorne ein Stück
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loslöste, das gleich hinten wieder durch ein anderes ersetzt wird Es war nur eine Metamorphose, und es herrschte eine ununterbrochene Kontinuität des Bewußtseins. Das Bewußtsein empfand es nur wie ein Wechseln des Kleides. Und das Ganze lebte in wunderbarer Schön­heit, es schwebte in den herrlichsten Farben, in einem Lichtäther, und verdichtete sich nach und nach.
Neben den Menschenvorfahren gab es aber auch schon Tier- und Pflanzenformen, die seine Genossen sein sollten. Die Pflanzen waren die heute zwerghaft gewordenen, niederen Gewächse. Ebenso waren die Tiere noch nicht in ihrer heutigen Gestalt vorhanden. Es waren leuchtende, den Äther durchwirbelnde Pflanzen und Tiere. Männliche und weibliche Tiere gab es nicht, es war noch alles eingeschlechtig; nur gewisse Tiere fingen gerade an, etwas von der Zweigeschlechtig­keit zu entwickeln. Ein eigentliches Mineralreich hatte sich noch nicht herausgebildet. Dann trat immer mehr eine Verdichtung der Äther-formen ein, so daß auch das Astrale immer mehr hereingezogen wurde.
Nach einer Jahrmillion sahen Erde und Mond ganz anders aus:
Tiere und Pflanzen waren geleeartig, wie Eiweiß, wie gewisse Quallen und Meerpflanzen; und in dieser verdichteten Materie mit Organen befanden sich die Menschenvorfahren. Die Tier- und Pflanzengebilde verdichteten sich nach und nach durch die befruchtende Astralkraft. Dann kam eine wichtige Zeit, wo sich die befruchtenden Wesenheiten in der Astralatmosphäre durch die damals lebenden Naturgebilde manifestierten, so daß Menschen und Tiere die Befruchtungs- und Ernährungssubstanz zugleich durch die umliegende Pflanzenwelt erhielten. Diese sonderte etwas ab, was mit der späteren Milch der Menschen und Tiere Ähnlichkeit hatte. Ein letzter Rest solcher Milch-absondernder Pflanzen ist zum Beispiel der Löwenzahn. So ernährten und befruchteten sich die Menschen damals aus der umgebenden Natur und waren selbstlos. Auf diese Art waren die Menschen vollständige Vegetarier. Sie nahmen nur auf, was die Natur freiwillig hergab. Sie nährten sich von milch- und honigähnlichen Säften. Es war ein wunderbarer Zustand in dieser urfernen Vergangenheit, der sich kaum mit Bildern unserer Sprache beschreiben läßt.
Nun kommt ein äußerst wichtiger Moment: es trennen sich Erde
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und Mond; der kleinere Mond trennt sich von der Erde ab. Jetzt sind es drei Körper: Sonne, Mond und Erde. Dadurch war für die lebenden Wesen etwas außerordentlich Wichtiges gegeben. Der Mond nahm einen großen Teil derjenigen Kräfte mit sich fort, welche die Menschen und Tiergebilde brauchten, um aus sich selbst andere Wesen hervor-gehen zu lassen. In jedem Menschen war jetzt nur noch die Hälfte der Befruchtungskraft, die früher in ihm gewesen war. Die produktive Kraft war halbiert, und dadurch entstand nach und nach die Trennung in zwei Geschlechter. Jetzt mußte der Mensch von einemWesen seinesgleichen befruchtet werden. Diese Zeit war die lemurische Zeit, die dritte Wurzelrasse. In dieser Zeit entstand auch eine größere Verdichtung und Verdickung des Stoffes. Kurz vor der Trennung von Erde und Mond waren dichtere Einlagerungen entstanden, und nach der Trennung bildeten sich in Mensch und Tier knorpelartige Substanzen mit Anlagen zur Knochenverdichtung. In demselben Maße, wie sich die äußere Erdmasse verdichtete und der feste Boden, die feste Erdkruste sich heranbildete, bildete sich im Menschen und im Tier die feste Knochenmasse. Es entstanden allmählich feste mineralische Gebilde. Früher war alles ätherisch gewesen, dann luftartig und flüssig; die Wesen bewegten sich schwebend wie im Wasser, oder fliegend wie in der Luft. Jetzt bildete sich die Erde in ihren Felsen ein festes Gerüste aus wie das Knochengerüst im Innern des Menschen. Knochen- und Felsenbildung gingen miteinander parallel. Die Form der damaligen Menschen ist zu vergleichen mit einer Art Fisch-Vogeltier. Der größte Teil der Erde war noch wässerig, die Temperatur war noch sehr hoch. In diesem wäßrigen Element war noch vieles aufgelöst, was später erst fest geworden ist, zum Beispiel auch jetzige Metalle und andere Stoffe. Darin bewegten sich die Menschen sozusagen in schwimmender, schwebender Bewegung. Die ungeheure Hitze, die damals auf der Erde herrschte, konnten sie gut vertragen; ihr Körper bestand ja noch aus einer Materie, die den geschilderten Verhältnissen entsprach so daß sie darin leben konnten.
Dem Wasser waren kleine Kontinente, inselartige Gebilde eingela­gert, auf denen die Menschen umherwandelten; aber die ganze Erd­masse war durchsetzt von vulkanischer Tätigkeit, die mit ungeheurer
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Vehemenz fortgesetzt Teile der Erde vernichtete, so daß diese fort-während elementaren Zerstörungen und Neubildungen ausgesetzt war.
Die Menschen hatten noch keine Lungen, sie atmeten durch röhren­förmige Kiemenorgane. Sie sehen, der damalige Mensch war schon ein sehr kompliziertes Gebilde: er hatte sich ein Rückgrat eingelagert, erst knorpelartig, dann knochig, und um sich schwebend und schwim­mend fortbewegen zu können, hatte er eine Schwimmblase, etwa wie die heutigen Fische.
Bald, das heißt immerhin nach Jahrmillionen, wurde die Erde fester. Das Wasser trat zurück, sonderte sich ab von den festen Bestandteilen, die Luft kam in ihrer Reinheit heraus, und durch den Einfluß der Luft bildete sich die Schwimmblase zu Lungen um. Der Mensch erhob sich jetzt über das wässerige Element. Das war ein besonders wichtiger und bedeutungsvoller Vorgang. Die Kiemen bildeten sich zu Gehörorganen um. Mit der Ausbildung der Lungen entstand die Fähigkeit des Atmens; dadurch lebte die ganze Menschheit in einem gemeinsamen Element, in der Luft. Die Menschen leben jetzt auf der Erde, und in jedem Menschen ist ein Quantum Luft eingeschlossen. Jeder Mensch nimmt sein Quantum Luft auf, bildet es nach seiner Form um und gibt es wieder heraus. Anfangs war der Mensch also erfüllt mit dem reinen Geiste, später mit dem Astralen, und jetzt mit der Luft. Nun ist der Mensch an dem Punkte angelangt, wo sich die Wärmeatmung in Luftatmung umwandelt. Damit wurde verwertet, was der Mars gebracht hatte: es entstand jetzt warmes Blut. Der Moment ist da, wo das, was früher außerhalb des Menschen gewesen war, in ihn hineindrang: der Geist, der früher ihn umgab, ging in den Menschen hinein. Und wodurch? Durch die Luft. Die Fähigkeit des Atmens bedeutet die Aufnahme des individuellen menschlichen Geistes. Das Ich des Menschen kommt in den Menschen mit der Atemluft hinein. Wenn wir von einem gemeinsamen Ich aller Menschen sprechen, so hat dieses auch einen gemeinsamen Körper: die Luft. Nicht umsonst haben die Alten dieses gemeinschaftliche Ich Atma, das heißt Atmen genannt. Sie wußten genau, daß sie es beim Atmen einziehen und wieder ausstoßen. Wir leben in unserem gemeinschaftlichen Ich, weil wir in
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der allgemeinen Luft leben. Natürlich darf die Schilderung dieses Vorganges wiederum nicht zu wörtlich genommen werden. Das Hineinsenken des individuellen Ichs in den Menschen wird in der theosophischen Literatur beschrieben als das Herabsteigen des Manas, der Manasaputras. Mit jedem Atemzuge nahm ein menschliches Wesen langsam Manas, Buddhi und Atma mehr oder weniger im Keime auf. Die Genesis schildert diesen Moment, und wir können sie dabei wörtlich nehmen: «Und Gott hauchte Adam den Odem des Lebens ein, und er ward eine lebendige Seele.» Das ist die Aufnahme des individuellen Geistes.
Der Mensch hatte nun auch warmes Blut, und dadurch konnte er die Wärme in sich bleibend machen. Damit ist aber noch etwas sehr Wichtiges verbunden.
Auf dem Monde waren auch Wesen vorhanden gewesen, die höher standen als die damalige Menschenwelt. Das waren die Götter, in der christlichen Überlieferung Engel und Erzengel genannt. Sie waren einst auf der Menschenstufe, und so wie wir höher hinaufgekommen sein werden auf dem nächsten Planeten, so sind auch sie im Laufe der Zeiten höher gestiegen. Sie hatten keinen physischen Körper mehr, waren aber noch mit der Erde verbunden. Sie brauchten nicht mehr das, was der Mensch brauchte, sie brauchten aber die Menschen selbst, über die sie regieren konnten.
Als der Mond seine Entwickelung vollendet hatte, blieb von diesen Göttern ein Teil in der Entwickelung zurück, sie blieben sozusagen sitzen. Sie waren noch nicht so weit, wie sie eigentlich hätten kommen sollen. Und so gab es Wesen, die zwischen Göttern und Menschen standen: Halbgötter. Diese Wesen sind für die Erde und die Menschheit ganz besonders wichtig geworden. Sie konnten nicht ganz über die Menschheit und deren Sphäre hinauskommen, sie konnten sich aber auch nicht im Menschen verkörpern. Sie konnten sich nur in einem Teil der Menschennatur verankern, um mit diesem Teil ihre Entwickelung weiterzubringen und zugleich dem Menschen zu helfen. Sie hatten auf dem Monde Feuer geatmet. In dem Feuer, das nun im Menschen dauernd geworden war, im warmen Menschenblut, dem Ursitz der Leidenschaften und Triebe, verankerten sie sich und gaben
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ihm etwas von dem Feuer, das auf dem Monde ihr Element gewesen war. Das sind die Scharen des Luzifer, die luziferischen Wesenheiten. Die Bibel nennt sie die Verführer der Menschen. Sie verführten den Menschen insofern, als sie in seinem Blute lebten und ihn selbständig machten. Wären diese luziferischen Wesenheiten nicht dagewesen, so würden die Menschen alles von den Göttern als Geschenk bekommen haben. Sie wären weise, aber unselbständig, abgeklärt, aber unfrei ge­worden. Dadurch, daß diese Wesenheiten sich in seinem Blute ver­ankerten, wurde der Mensch nicht nur weise, sondern er bekam Feuer, Leidenschaft für die Weisheit und Ideale.
Damit aber war die Möglichkeit des Abirrens gekommen. Die Menschen können sich abwenden von dem Hohen. Der Mensch konnte nun wählen zwischen Gut und Böse. Mit dieser Anlage, mit dieser Möglichkeit des Bösen wurde die lemurische Rasse nach und nach entwickelt. Diese Anlage rief große Umwälzungen in der Erde hervor. Die Erde geriet in Zuckungen und Beben, und so ging Lemu­rien zum großen Teil durch diese Leidenschaften der Menschen zu-grunde.
Die Erde hatte sich wieder verändert, verdichtet. Andere Kontinente waren bereits entstanden. Der wichtigste Kontinent, der sich mittlerweile herausgebildet hatte, war Atlantis zwischen dem heutigen Europa, Afrika und Amerika. Auf diesem Kontinent hatten sich die Nachkommen der lemurischen Rasse ausgebreitet. In vielen Millionen Jahren hatte sie sich sehr verändert und eine Gestalt angenommen, die der heutigen Menschengestalt ähnelte. Dennoch waren diese Menschen von den heutigen sehr verschieden. Die Kopf- und Stimbildung war eine ganz andere, sie war noch viel niedriger; die Ernährungsorgane waren viel mächtiger. Der Ätherkörper des Atlantiers ragte weit über seinen Kopf rings heraus. Im Ätherleib war ein wichtiger Punkt, der mit einem Punkte im physischen Kopf korrespondierte. Die Entwickelung bestand nun darin, daß beide Punkte zusammenrückten, so daß der Punkt des Ätherleibes sich in den Punkt des physischen Körpers hineinschob. In diesem Augenblick, wo beide Punkte zusammenfielen, konnte der Mensch anfangen, Ich zu sich selbst zu sagen. Das Vorderhirn konnte jetzt ein Werkzeug werden für den Geist; es entstand
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das Selbstbewußtsein. Dieser Moment trat zuerst bei den in der Gegend des heutigen Irland wohnenden Atlantiern auf.
Die Atlantier entwickelten sich nach und nach in sieben Unterrassen: Rmoahals, Tlavatli, Urtolteken, Urtaranier, Ursemiten, Urakkadiem und Urmongolen. Bei den Ursemiten geschah die Vereinigung

dem beiden Punkte und entwickelte sich das klare Selbstbewußtsein. Die beiden folgenden Unterrassen, die Urakkadiem und Urmongolen, schossen eigentlich über das Ziel der atlantischen Menschheit hinaus.
Vor dieser Vereinigung der beiden Punkte waren die Seelenkräfte der Atlantier grundverschieden von heute. Die Atlantier hatten einen viel beweglicheren Körper und vor allen Dingen in der allerersten Zeit einen mächtigen, starken Willen. Sie konnten zum Beispiel verlorene Gliedmaßen ergänzen, Pflanzen wachsen machen und so weiter. Dadurch übten sie einen gewaltigen Einfluß auf die Natur aus. Sie hatten mächtig ausgebildete Sinnesorgane; sie konnten Metalle durch das Gefühl unterscheiden, wie wir Gerüche unterscheiden. Dann aber hatten sie in hohem Grade die Gabe des Hellsehens. Sie schliefen in der Nacht nicht wie der heutige Mensch, der höchstens verworrene Träume hat, sondern wie der Hellseher, nur dumpfer. Sie standen nachts im Verkehr mit den Göttern, und was sie da erlebten, das lebte dann fort in den Mythen und Sagen. Sie zwangen die Naturkräfte in ihren Dienst. Ihre Wohnungen waren halbe Naturgebilde und in Fel­sen hineingehauen. Die Atlantier konstruierten Luftschiffe, zu deren Fortbewegung sie nicht anorganische Kraft, wie zum Beispiel die heutige Kohlenkraft, sondern die organische Pflanzentriebkmaft ver­wandten.
Dadurch, daß die oben erwähnten beiden Punkte noch nicht mit­einander verbunden waren, hatten die Atlantier keinen kombinieren­den Verstand. So konnten sie zum Beispiel nicht rechnen. Aber dafür hatten sie eine andere Seelenkraft ganz besonders ausgebildet: das Gedächtnis. Die kombinierende logische Verstandeskraft und das Selbstbewußtsein kamen erst in der fünften Unterrasse, den Ursemiten, hervor.
Durch eine gewaltige Wasserkatastrophe ging Atlantis zugrunde. Dem ganze Kontinent wurde allmählich überflutet und die Volksmassen
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wanderten ostwärts, nach Europa und Asien. Ein Hauptzweig bewegte sich von Irland durch Europa nach Asien. Überall blieben Volksmassen zurück. Geführt wurden sie von einem hohen Ein­geweihten, dem sie ganz und gar vertrauten. Dieser bewirkte dann durch seine Weisheit eine Auslese, er nahm die Besten mit sich und siedelte sie im fernen Asien an einer Stätte an, wo heute die Wüste Gobi liegt. Da wurde dann in völliger Absonderung eine kleine Ko­lonie besonders ausgebildet. Von dieser Kolonie aus gingen dann Kolonisatoren in alle bewohnten Länder und begründeten die Kul­turen der nächsten Wurzelrasse: die indische, die altpersische, die ägyptisch-babylonisch-assyrische, die griechisch-lateinische Kultur. Und dann entstand die germanisch-angelsächsische Kultur.
Wir werden dann morgen sehen, wie die Entwickelung sich weiter gestaltete.
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NEUNTER VORTRAG Stuttgart, 30. August 1906


#G095-1964-SE080 - Vor dem Tore der Theosophie
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NEUNTER VORTRAG
Stuttgart, 30. August 1906
#TX 20110729 22:24 20110730 11:14
Wenn wir uns fragen: Wie hat der Mensch sich seit den urältesten Zeiten bis heute gebildet, wie ist seit Urzeiten der Mensch entstan-den? - dann werden wir uns vor allem an das erinnern müssen, was wir über die Wesenheit des Menschen ausgeführt haben. Der Mensch hat sieben Glieder:
das erste, der physische Leib, ist sozusagen das untergeordnetste Glied, höher und feiner ist dann schon der Ätherleib, noch höher und feiner ist der Astralleib, von dem Ich-Leib sind erst die Anlagen vorhanden. Es wäre aber falsch, daraus den Schluß zu ziehen, daß man den höchsten Leib, den der Mensch heute hat, auch den vollkommensten nennen könnte und daß der physische Leib der unvollkommenste wäre. Es ist gerade das Gegenteil der Fall, der physische Leib ist das vollkommenste Glied der menschlichen Wesenheit. Später einmal werden freilich die höheren Glieder in viel höherem Maße vollkommen sein, aber heute ist in seiner Art der physische Leib der am höchsten entwickelte. Er ist mit unbeschreiblicher Weisheit aufgebaut. Ich habe Ihnen einmal als Beispiel den Bau des Ober-schenkelknochens beschrieben. Jeder einzelne Knochen ist mit seinem kunstvoll gefügten Gebälk in seiner weisen Anordnung so, wie kein Ingenieur heute das Problem lösen könnte, mit der kleinsten Masse die größte Leistung zu erzielen. Und je tiefer man eindringt in den Wunderbau der menschlichen Gestalt, desto bewunderungswürdiger erscheint uns der Aufbau, zum Beispiel der Wunderbau des Gehirns, des Herzens. Das Herz macht keinen Fehler, aber der menschliche Astralleib begeht viele Fehler. Die Triebe und Leidenschaften des Astralleibes stürmen auf den physischen Leib ein und überwältigen ihn. Wenn der Mensch unrichtige Nahrung zu sich nimmt, folgt er wiederum dem Astralleib. Das physische Herz hält den Blutlauf in Ordnung, aber der Astralleib macht unaufhörlich Attacken auf das Herz, weil seine Triebe begehren, was dem Herzen schadet. Kaffee, Tee, Alkohol sind Giftstoffe für das Herz, sie werden ihm oft täglich zugeführt, und das Herz hält dennoch stand. Es ist so dauerhaft
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konstruiert, daß es siebzig, achtzig Jahre allen Stürmen des Astral-leibes trotzt. In der Stufenlage der Leiber ist also der physische Leib der vollkommenste bis in alle Einzelheiten hinein.
Weniger vollkommen ist der Ätherleib, noch weiter zurück in seiner Entwickelung ist der Astralleib, und am wenigsten entwickelt ist der Ich-Leib. Woher kommt das? Das kommt daher, daß der physische Leib die längste Entwickelung durchgemacht hat. Er ist das älteste Glied der menschlichen Wesenheit. Weniger alt ist der Ätherleib, noch jünger ist der Astralleib, und am jüngsten ist der Ich-Leib.
Um diese Entwickelung der Leiber zu verstehen, muß man wissen, daß nicht nur der Mensch wiederholte Verkörperungen durchmacht, sondern daß das Gesetz der Reinkarnation ein allgemeines Weltgesetz ist. Nicht nur der Mensch macht also fortwährend Verkörperungen durch, sondern alle Wesen und alle Planeten sind diesem Gesetze unterworfen. Unsere ganze Erde mit allem, was darauf ist, hat frühere Inkarnationen durchgemacht, von denen uns zunächst drei besonders beschäftigen sollen.
Bevor die Erde zu diesem Planeten geworden ist, war sie ein anderer. Vor uralten Zeiten war unsere Erde ein Planet, den die Geheimwissenschaft Saturn nennt. Vier sich folgende Verkörperungen sind: Saturn, Sonne, Mond, Erde. Wie zwischen zwei menschlichen Verkörperungen eine Kamaloka- und Devachanzeit liegt, so liegt zwischen je zwei Verkörperungen dieser Planeten eine Zeit, in welcher dieselben nicht sichtbar sind und kein äußeres Leben führen. Diese Zeit zwischen den Verkörperungen eines Planeten nannte man stets das Pralaya, und die Zeit, in der er verkörpert ist, Manvantara. Mit den Namen Saturn, Sonne, Mond sind aber nicht die Himmelskörper gemeint, die heute so genannt werden. Das, was Sonne genannt wird, ist nicht unsere heutige Sonne. Unsere heutige Sonne ist ein Fixstern; die alte Sonne war ein Planet, und im Laufe ihrer Verkörperungen hat sie sich aus der Substanz und Wesenheit eines Planeten zu dem Range eines Fixsterns heraufgearbeitet. Ebenso ist das, was der alte Mond genannt wird, nicht der heutige Mond; es war die dritte Verkörperungsstufe der Erde, und so ist es auch mit dem Saturn, der ersten Entwickelungsstufe der Erde.
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Auf dem Planeten Saturn war der Mensch schon vorhanden. Der Saturn leuchtete nicht, aber mit devachanischem Hören hätte man ihn hören können; er tönte. Nachdem er eine Zeitlang dagewesen war, verschwand er nach und nach, wurde eine lange Zeit unsichtbar und leuchtete dann wieder hervor als Sonne. Diese machte dann denselben Prozeß durch und kam als Mond wieder hervor. Zuletzt kam in gleicher Weise die Erde.
Man darf sich aber diese vier Planeten, Saturn, Sonne, Mond, Erde, nicht als vier voneinander getrennte Planeten vorstellen; das wäre ganz falsch. Es sind vier Erscheinungszustände eines und desselben Planeten. Es sind richtige Metamorphosen des einen Planeten, und alle Wesen auf demselben metamorphosieren sich mit ihm. Der Mensch war nie auf einem anderen Planeten, aber die Erde war in verschiedenen Zuständen da.
Als unsere Erde Saturn war, gab es nur die allerersten Keime zu unserem Menschenreich. Was heute als menschlicher Leib so kunstvoll aufgebaut ist, war auf dem Saturn nur Anlage, nichts weiter als allererste Anlage. Es gab kein Mineral, keine Pflanzen, kein Tier. Der Mensch ist der Erstling unserer Schöpfung. Aber der Saturnmensch war wesentlich anders als der heutige Mensch. Er war zum großen Teil ein geistiges Wesen. Man hätte ihn noch nicht mit physischen Augen sehen können. Es gab auch noch keine physischen Augen. Nur ein Wesen mit devachanischem Schauen hätte diesen Menschen wahrnehmen können. Dieses menschliche Gebilde war wie eine Art aurisches Ei und darin ein merkwürdiges schaliges Gebilde in Form einer kleinen Birne, wie zusammengefügte Austernschalen, eine Art von Wirbeln. Der Saturn war ganz durchsetzt von solchen Anfängen physischer Gebilde; es waren gleichsam Ausschwitzungen, die sich aus dem Geistigen verdichteten. Aus diesen Gebilden, die man nur als ganz leise Andeutungen des Späteren hätte ansehen können, hat sich im Laufe der Entwickelung der physische Leib des Menschen ge­bildet. Es war eine Art Urmineral, um das sich noch nicht ein Ätherleib gebildet hatte. Darum kann man sagen: Der Mensch ging durch das Mineralreich hindurch. Doch war das nicht unser heutiges Mineralreich, so zu denken wäre ganz unrichtig. Außer diesem Menschenreich gab es überhaupt kein anderes Reich auf dem Saturn.
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Wie nun der Mensch gewisse Lebensstadien durchmacht, als Kind, Jüngling, Jungfrau, Mann, Frau, Greis, Greisin, so macht auch ein Planet Lebensstadien durch. Ehe der Saturn die in ihm abgelagerten Flocken zeigte, war er ein Arupa-Devachangebilde, dann ein RupaDevachangebilde, nachher ein Astralgebilde. Hierauf verschwinden nach und nach die Flocken, und der Saturn geht diese Stufen wieder zurück ins Dunkel des Pralaya. Solch eine Metamorphose vom Geistigen ins Physische und wieder zurück nennt man in der theosophlschen Literatur eine «Runde» oder einen «Lebenszustand ». Jede Runde zerfällt wieder in sieben Untetabteilungen: Arupa, Rupa, Astral, Physisch, dann wieder Astral, Rupa, Arupa; diese hat man «Globen» genannt:
es sind Formzustände. Man hat es aber nicht mit sieben aufeinanderfolgenden Kugeln zu tun, es ist immer derselbe Planet, der sich verwandelt, und die Wesen machen die Verwandlungen mit durch. Der Saturn hat sieben solcher Runden oder Lebenszustände durchgemacht. In jeder Runde wird das Gebilde vervollkommnet, so daß es erst in der siebenten Runde in seiner Art vollkommen ist. In jeder Runde werden sieben Verwandlungen beziehungsweise Formzustände durchgemacht, mithin hätte der Saturn sieben mal sieben, also neunundvierzig Metamorphosen. Das hat der Saturn durchgemacht, ebenso die Sonne, der Mond, und die Erde macht dasselbe durch, und dann folgen in der Zukunft noch drei andere Planeten: Jupiter, Venus und Vulkan.
Es sind also sieben Planeten mit je sieben mal sieben Zuständen, also geheimwissenschaftlich geschrieben 777. In der Geheimschrift bedeutet die Sieben an der Einerstelle die Globen, an der Zehnerstelle die Runden, an der Hunderterstelle die Planeten. Diese Zahlen müssen miteinander multipliziert werden. Mithin hat unser Planetensystem 7 mal 7 mal 7 oder 343 Verwandlungen durchzumachen.
In der «Geheimlebre» von H. P. B. finden wir eine merkwürdige Stelle. Die «Geheimiehre» ist zu einem großen Teil des Inhalts von einer der höchsten geistigen Individualitäten inspiriert worden. Aber die großen Eingeweihten haben sich immer sehr vorsichtig ausgedrückt, sie haben nur angedeutet.
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Vor allen Dingen lassen sie die Menschen selbst immer etwas arbeiten. So ist diese Stelle voller Rätsel; H.P. B. wußte das. Es steht da nichts von aufeinanderfolgen den Inkarnationen, der Lehrer sagte nur: Lernt das Rätsel von 777. Er wollte, daß man lernen sollte, daß dies 343 sind. In der «Geheim-lehre» steht zwar die Aufgabe, aber nicht die Lösung; die ist erst in Jüngster Zeit gefunden worden.
Der erste Keimzustand des Menschen war also auf dem in urferner Zeit sich entwickelnden Saturn. Dieser verschwand dann ins Pralaya und trat aus demselben wieder hervor als Sonne, und mit ihr trat aus dem Dunkel des Pralaya auch der Mensch wieder hervor, der alte Bewohner des Weltalls. Aber mittlerweile hatte der Mensch die Kraft bekommen, etwas aus sich herauszusondern, wie die Schnecke ihr Haus. Er konnte schalenförmige Gebilde heraussondern als schwebende Gestalten und behielt die feineren Stoffe in sich zurück, um sich höher zu entwickeln. So bildete der Mensch das Mineralreich aus sich heraus; aber diese Mineralien waren eine Art lebender Mineralien. Der Mensch entwickelte sich nun auf der Sonne so, daß der Ätherleib hinzutrat, wie bei den heutigen Pflanzen. Er machte also auf der Sonne das Pflanzenreich durch, und wir haben nun auf der Sonne zwei Reiche, das Mineralreich und das Pflanzenreich; das letztere war der Mensch. Aber diese Pflanzenformen waren ganz verschieden von unseren heutigen.
Wer in die tieferen Beziehungen eindringt, betrachtet die Pflanze als einen umgekehrten Menschen. Sie hat unten die Wurzel, dann nach oben den Stengel, Blätter, Staubgefäße und Stempel; die Stempel enthalten die weiblichen, die Staubgefäße die männlichen Befruchtungsorgane. In naiver Unschuld streckt die Pflanze die Befruchtungs-Organe der Sonne entgegen, denn die Sonne ist die Anregung der Befruchtungskraft. Die Wurzel ist in Wahrheit das Haupt der Pflanze, welche die Befruchtungsorgane in den Weltenraum hinausstreckt und deren Kopf von dem Innern des Erdzentrums angezogen wird. Der Mensch ist umgekehrt, er hat das Haupt oben und die Organe, die die Pflanze zur Sonne hinaufstreckt, unten. Das Tier steht in der Mitte, es hat den Leib horizontal. Wird die Pflanze halb gedreht, so ergibt sich die Stellung des Tieres, wird sie ganz umgedreht, die des Menschen.
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Das hat die alte Geheimwissenschaft in einem uralten Symbol aus­gedrückt, im Kreuz, und hat gesagt, wie Plato es nach den alten Mysterien ausdrückt: Die Weltenseele ist ans Kreuz des Weltenleibes geschlagen. Das heißt, die Weltenseele ist in allem enthalten, aber sie muß sich hinaufarbeiten durch diese drei Stufen hindurch; sie macht ihre Reise am Kreuz des Weltenleibes durch.
Auf der Sonne war der Mensch als Pflanzenwesen, also genau um­gekehrt wie der heutige Mensch. Er lebte ja in der Sonne, er gehörte zum Leib der Sonne. Die Sonne war ein Lichtkörper, sie bestand aus Lichtäther; der Mensch war noch Pflanze und mit seinem Kopfe zum Mittelpunkt der Sonne gerichtet. Als dann später die Sonne heraustrat, mußte die Menschenpflanze sich umdrehen, sie blieb der Sonne treu.
In der ersten Runde ist die Sonne nur eine Wiederholung der Saturnzeit; erst bei der zweiten Runde beginnt die weitere Entwickelung des Menschen. Als die Sonne sich dann in den sieben Runden so weit entwickelt hatte, wie sie konnte, verschwand sie im Dunkel des Pralaya und kam erst wieder hervor als Mond.
Die erste Mondenrunde war wiederum nur eine Wiederholung des Saturndaseins in etwas anderer Gestalt. Die zweite Mondenrunde brachte auch noch nichts Neues, sie war eine Wiederholung des Lebens auf der Sonne. In der dritten Mondenrunde erst kam etwas Neues hinzu: Der Mensch bekam den Astralleib zu seinen zwei früheren Leibern. Da ist er in seiner äußeren Gestalt dem Tier von heute zu vergleichen: er hat drei Leiber. Damals ist er angekommen auf der Stufe des Tierreiches. Der Mensch erhob sich zum Pflanzenreich durch Abstoßung des Mineralreiches, er erhebt sich nun zum Tierreich durch Abstoßung des Pflanzenreichs. So stehen nun zwei Reiche neben ihm. Dann stößt er wieder einen kleineren Teil von sich ab, sondert ihn von sich aus und geht höher hinauf.
In dieser dritten Mondenrunde geht nun auch ein wichtiger kosmi­scher Prozeß vor sich: Sonne und Mond trennen sich. Es entstehen zwei Körper; der Mond spaltet sich von der Sonne ab. Im Anfang der zweiten Mondenrunde ist die Sonne noch unverändert da, dann zeigt sich eine kleine Einschnürung unten an dem Sonnenkörper, er schnürt sich ab, und in der dritten Mondenrunde sind zwei Körper nebeneinander.
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Die Sonne hat die edleren Teile behalten, sie schickt von außen ihre Strahlen auf den Mond und gibt ihm und allen Wesen darauf das Nötige. Das ist das Avancement der Sonne, sie ist jetzt Fixstern geworden, und sie beschäftigt sich nicht mehr selbst mit den drei Reichen, sondern gibt nur ab, was sie zu geben hat. Sie beherbergt höhere Wesen, die sich jetzt entwickeln können, nachdem die Sonne die niederen Teile ausgesondert hat. In der vierten Mondenrunde vervollkommnet sich das alles, und in der fünften gehen dann die zwei Körper wieder ineinander über und verschwinden darauf als Eines im Pralaya.
Der alte Mond hatte damals noch kein festes Mineralreich; er war eine Kugel, die statt einer festen Erdkruste etwas wie eine lebende, innerlich wachsende Torfmoormasse hatte. Diese lebende Grund-masse war durchsetzt von holaartigen Gebilden. Daraus erwuchs das damalige Pflanzenreich, Pflanzen, die eigentlich Pflanzentiere waren. Sie hatten Empfindungen und würden einen Druck schmerzlich empfunden haben. Und der Mensch im damaligen Tierreich war nicht wie das heutige Tier, sondern stand zwischen Mensch und Tier. Er war höherstehend als das heutige Tier und konnte in viel planvollerer Weise seine Triebe ausführen. Er stand aber niedriger als der heutige Mensch, denn er konnte noch nicht zu sich Ich sagen. Er hatte noch nicht den Ich-Leib.
Diese drei Reiche lebten auf dem lebendigen Mondenkörper. Wichtig ist, daß diese Mondmenschen nicht so geatmet haben wie der heutige Mensch. Sie atmeten nicht Luft, sondern Feuer ein und aus. Mit dem Feuereinatmen durchdrangen sie sich mit Wärme; beim Ausatmen gaben sie die Wärme wieder von sich und wurden kalt. Die heutige innere Blutwärme hatte der Mensch auf dem Mond als Atmungswärme. Viele alte hellsehende Maler symbolisierten das in dem feueratmenden Drachen; sie haben eben gewußt, daß es in uralten Zeiten solche Mondwesen gegeben hat, die Feuer atmeten.
Nach dem Verschwinden im Pralaya kam der Mond dann als Erde wieder hervor. In der ersten Erdenrunde wiederholt sich das ganze
#SE095-087 11:51
Saturndasein, in der zweiten das Sonnen- und in der dritten das Mondendasein. Während der dritten Runde wiederholte sich auch die Abspaltung von Sonne und Mond. Aber beim Zurückgang in dieser Runde nach der anderen Seite waren sie wieder ein Körper.
In der vierten Erdenrunde tritt im Aufstieg nochmals Sonne und Mond als ein Körper mit allen Wesen hervor, und die Erde fängt an, sich herauszubilden. Nun geschieht ein hochwichtiger Vorgang: die Erde hat im Entstehen eine Begegnung mit dem Planeten Mars. Die zwei Planeten durchdringen einander, die Erde geht durch den Mars hindurch. Damals hatte der Mars einen Stoff, den die Erde nicht besaß: das Eisen. Dieses Eisen ließ der Mars in dampfförmigem Zustand in der Erde zurück. Wäre dies nicht geschehen, wäre die Erde alleingeblieben mit dem, was früher schon vorhanden war, dann hätten es die Menschen wohl bis zum Tierreich, wie es damals vorhanden war, gebracht; sie hätten Wärme atmen, aber niemals warmes Blut haben können. Hätte der Mars der Erde nicht das Eisen eingelagert, dann hätten die Menschen kein warmes Blut bekommen, denn im Blute ist Eisen enthalten. So sagt die Geheimwissenschaft:
Die Erde verdankt bei ihrer Entwickelung dem Mars so viel, daß man sie in der ersten Hälfte ihres Seins Mars nennt. Für die zweite Hälfte hat eine ebenso wichtige Bedeutung der Merkur. Die Erde trat in alter Zeit in Beziehung zum Merkur und ist bis heute mit ihm zusammen. Darum sagt man in der Geheimwissenschaft statt Erde: Mars und Merkur.
Auf dieses Stadium folgen in der Zukunft noch drei Stadien:
Jupiter, Venus, Vulkan. Diese sieben Erdstadien, wie sie die Geheim-wissenschaft angibt, haben sich erhalten in den Namen der Wochentage, die allerdings in der deutschen Sprache ziemlich verstümmelt sind:
Saturn, Saturday, Samedi, Samstag, Sabato
Sonne, Sunday, Sonntag, Domenica
Mond, Monday, Lundi, Montag, Lunedì
Mars, Mardi, oder Ziu – Tuesday, Dienstag, Martedì
Merkur, Mercredi, Wednesday, Mittwoch, Mercoledì
Jupiter, Jeudi, Tor, Donar, Thursday, Donnerstag, Giovedì
Venus, Vendredi, Freya, Friday, Freitag, Venerdì
#SE095-088 12:12
So haben Sie in den Namen der Wochentage die geheimwissenschaftliche Lehre von dem Durchgang der Erde durch diese verschiedenen Perioden: eine wunderbare Chronik, die es dem Menschen ermöglicht, sich diese Wahrheiten immer wieder zu vergegenwärtigen. Wir werden im Verlaufe der nächsten Tage dann immer mehr sehen, wie die Theosophie uns erst wieder zum Verständnis bringt, was unsere Urväter einst einfach im Namen ausgedrückt haben, und wie das Alltäglichste mit dem Allertiefsten zusammenhängt.
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venerdì 29 luglio 2011

19060829

ACHTER VORTRAG Stuttgart, 29. August 1906


#G095-1964-SE070 - Vor dem Tore der Theosophie
#TI
ACHTER VORTRAG
Stuttgart, 29. August 1906
#TX 20110728 23:18
Wir fahren weiter fort in der Behandlung karmischer Einzelfragen gegenüber dem menschlichen Leben.
Eine weitere Frage ist: Welche Anschauung hat die Geheimlehre von der Entstehung des Gewissens? - Das Gewissen zeigt sich dem Menschen unserer Kulturstufe als eine Art innerer Stimme, die ihm anzeigt, was er tun oder lassen soll.
Wie ist eine solche innere Stimme entstanden?
Es ist von Interesse, zu erforschen, ob es denn überhaupt in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit immer so etwas ge­geben hat wie das, was man heute Gewissen nennt. Da finden wir, daß es in sehr frühen Volkszuständen kein Wort für diesen Begriff gegeben hat. In der griechischen Literatur taucht es erst verhältnismäßig sehr spät auf, so daß die älteren Griechen das Wort noch nicht in ihrer Sprache hatten. Und ebenso haben andere Völker in den Anfängen ihrer Kultur kein Wort dafür gehabt. Daraus können wir schließen, daß in einem mehr oder weniger bewußten Zustand dieses Gewissen erst nach und nach bekanntgeworden ist. So ist es auch. Das Gewissen ist erst entstanden, es hat sich herausgebildet, und sogar erst ziemlich spät in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit. Wir werden später sehen, was unsere Vorfahren anstelle des Gewissens hatten.
Wie bildete sich nach und nach das Gewissen? Ein Beispiel: Darwin traf einmal auf seinen Reisen mit einem Menschenfresser zusammen und versuchte unter andern ihm klarzumachen, daß es doch nicht gut sei, einen andern Menschen aufzufressen. Der Wilde aber sagte: Um zu entscheiden, ob es gut oder schlecht sei, einen Menschen zu fressen, müsse man ihn doch erst gefressen haben! - Der Wilde hatte Gut und Böse noch nicht nach moralischen Begriffen beurteilt, son­dern nach der von ihm empfundenen Annehmlichkeit. Er war ein zurückgebliebener Mensch aus einem alten, alten Kulturzustand, in dem wir alle einmal waren.
#SE095-071
18:04
Wie kam ein solcher Mensch nun zu einer Unterscheidung von Gut und Böse? Dadurch, daß er die Menschenfresserei so lange betrieben, bis er selbst einmal in die Lage kam, gefressen zu werden. In diesem Moment machte er die Erfahrung, daß ihn dasselbe treffen konnte. Er merkte also durch die Erfahrung, daß da etwas nicht ganz in Ordnung sei, und die Frucht dieser Erfahrung blieb ihm im Kamaloka und Devachan. Bei der nächsten Inkarnation brachte er ein ganz dunkles Gefühl mit, daß sein Tun nicht stimme, nach weiteren Inkarnationen wurde dies Gefühl bestimmter, er achtete auf die Empfindungen anderer, und es bildete sich so nach und nach ein gewisses Zurückhalten aus. Nach verschiedenen weiteren Inkarnationen hatte sich dies dunkle Gefühl verdichtet und der Gedanke herausgebildet: Das darf man nicht tun. - Ebenso hat ein Wilder im Anfang der Kultur alles ohne Unterschied gegessen; da bekam er Magenschmerzen, und nach und nach machte er die Erfahrung, daß er manches essen konnte und manches nicht. So verdichtete sich allmählich die Erfahrung und wurde zur Stimme des Gewissens.
Was ist also das Gewissen? Das Ergebnis von Erfahrungen durch die verschiedenen Inkarnationen. Im Grunde ist alles Wissen, das höchste wie das niedrigste, überhaupt das Ergebnis von Erfahrungen; es ist auf dem Wege des Probierens, der Erfahrung entstanden.
Eine interessante Tatsache gehört hierher: Erst seit Aristoteles gibt es eine Wissenschaft der Logik, der Lehre vom Denken. Daraus muß man schließen, daß das richtige Denken auch erst entstanden ist. Und so ist es auch: das Denken mußte sich erst entwickeln, und das richtige Denken, die Logik, ist auch erst im Laufe der Zeit aus Grund-beobachtungen des falschen Denkens entstanden. Das Wissen ist etwas, was sich die Menschen in vielen Inkarnationen erworben haben. Nach langem Probieren gelangte die Menschheit zu einem Schatz des Wissens. Da sieht man die Wichtigkeit des Karmagesetzes; wir haben hier auch etwas, was sich als bleibende Angewöhnung und Neigung aus der Erfahrung heraus bildet. Solch eine Neigung wie das Gewissen haftet auch am Ätherleib: indem der Astralleib sich so und so oft überzeugt hat, daß dieses oder jenes nicht geht, bildet sich diese Neigung im Ätherleib als eine bleibende Eigenschaft aus.
#SE095-072
18:38
Ein anderer interessanter karmischer Zusammenhang Ist zwischen einem gewohnheitsmäßig egoistischen Verhalten und einem liebe­vollen sympathischen Mitleben mit anderen. Es gibt verhärtete Ge­wohnheitsegoisten - nicht bloß in bezug auf den Erwerbs sinn - und altruistisch liebevoll Mitfühlende. Beides hängt am Ätherleib und kommt sogar im physischen Leib zum Ausdruck. Personen, die in einem Leben gewohnheitsmäßig egoistisch handeln, altern früh im nächsten Leben, schrumpfen früh zusammen; das lange Jung- und Frischbleiben dagegen rührt von einem liebevollen, hingebungsvollen Vorleben her. Somit kann man auch den physischen Leib bewußt vor­bereiten für das nächste Leben.
Nun wird Ihnen eine Frage auf der Seele liegen, wenn Sie sich erinnern, was ich gestern gesagt habe: Wie ist es denn mit den Dingen, die der physische Körper sich selbst erringt? Seine Taten werden sein künftiges Schicksal; aber die Krankheiten, die er in diesem Leben durchgemacht hat, was wird daraus?
Die Antwort auf diese Frage, so seltsam sie klingen mag, ist keine Spekulation, keine Theorie, sie basiert auf Erfahrungen der Geheim-wissenschaft und lehrt die Mission der Krankheit. Fabre d'Olivet, der Erforscher der Genesis in ihrem Anfang, hat einmal ein sehr schönes Bild gebraucht. Er vergleicht das, was als Schicksal sich herausbildet, mit einem Naturvorgang; er sagt: Die wertvolle Perle entsteht durch eine Krankheit; sie ist ein Exsudat der Perlmuschel, so daß das Leben in diesem Fall erkranken muß, um etwas Wertvolles hervorzubringen. So kommen die Krankheiten des physischen Körpers in einem Leben als physische Schönheit im nächsten Leben wieder zum Vorschein, so daß entweder der eigene Körper durch die Krankheit, die er getragen hat, gehoben wird an Schönheit und im nächsten Leben schön an äußerer Gestalt wird, oder er wird für die Krankheit, die er mit seiner Umgebung durch Infektion getragen hat, belohnt durch die Schönheit seiner Umgebung. Schönheit entwickelt sich also karmisch aus Leiden, Schmerzen, Entbehrungen und Krankheiten. Das ist ein frappierender Zusammenhang, aber er besteht tatsächlich. Sogar der Schönheitssinn wird auf diese Weise herausgebildet. Kein Schönes ist in der Welt ohne Leiden und Schmerzen und Krankheiten.
#SE095-073
18:48
Ganz Ähnliches tritt uns in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit im allgemeinen entgegen. Sie werden daraus ersehen, wie wunderbar eigentlich die karmischen Zusammenhänge im Leben sind, und wie die Fragen nach dem Bösen, nach Krankheit und Schmerz gar nicht zu beantworten sind, ohne die großen inneren Zusammenhänge der Menschheitsentwickelung zu kennen.
Die Evolutionslinie geht zurück in ganz alte, alte Zeiten. Da waren noch ganz andere Verhältnisse, die Erde war eine ganz andere. Die höheren Tiere waren noch nicht vorhanden. Es gab eine Zeit, wo überhaupt noch keine Fische, Amphibien, Vögel, Säugetiere be­standen, nur Tiere, die niedriger sind als die Fische. Der Mensch war da, jedoch in ganz anderer Gestalt. Sein physischer Leib war noch sehr unvollkommen; höher war der geistige Leib. Er war noch in einem weichen, ätherischen Leib, und die Seele arbeitete selbst von außen an diesem physischen Leib. Der Mensch hatte noch alle anderen Wesen in sich. Nachher entwickelte sich der Mensch höher hinauf und ließ die Fischform zurück, die er in sich hatte. Das waren mächtige, phantastisch aussehende Geschöpfe, unähnlich unseren heutigen Fischen. Wieder entwickelte sich der Mensch höher hinauf und sonderte die Vögel aus sich heraus. Dann gingen die Reptilien und Amphibien aus dem Menschen heraus, groteske Wesen wie die Saurier, Fischeidechsen, die eigentlich nur Nachzügler der früher zurückgebliebenen, noch menschenunähnlicheren Wesen waren. Dann noch später setzte der Mensch die Säugetiere heraus. Zuletzt stieß er die Affen ab und ging selbst höher hinauf
Der Mensch war also von Anfang an Mensch, nicht Affe, und sonderte das ganze Tierreich aus sich heraus, um selbst vollkommener zu werden; gleichsam wie wenn man aus einer mit Farbe gemischten Flüssigkeit die Farbstoffe nach und nach heraussondert und das klare Wasser zurückbehält. Alte Naturforscher, wie Paracelsus und Oken, haben dies in schöner Weise ausgesprochen: Wenn der Mensch hinaus sieht auf die Tierwelt, muß er sich sagen: das habe ich selbst in mir getragen und abgesondert aus meinem Wesen.
So hatte der Mensch in sich, was er später außer sich hatte. Und so hat der Mensch auch heute noch etwas in sich, was er später außer
#SE095-074
18:58
sich haben wird, nämlich sein Karma, die beiden Posten Gut und Böse. So wahr es ist, daß der Mensch das Tiergeschlecht aus sich herausgesetzt hat, ebenso wahr ist es, daß er das Böse und das Gute in die Welt hinaussetzen wird. Das Gute wird eine von Natur gute Men­schenrasse ergeben, das Böse eine abgesonderte böse Menschenrasse. Das steht auch in der Apokalypse; das darf nur nicht mißverstanden werden. Nun muß man aber auch unterscheiden zwischen Seelen-entwickelung und Rassenentwickelung. Eine Seele kann inkarniert sein in einer Rasse, die herunterkommt; aber wenn diese Seele sich nicht selbst böse macht, braucht sie sich nicht wieder in einer zurück-sinkenden Rasse zu inkarnieren; sie verkörpert sich wieder in einer höhersteigenden Rasse. Für die heruntersteigenden Rassen strömen von anderen Seiten Seelen genug zur Inkarnation herbei.
Aber was innen ist, muß nach außen, und der Mensch wird immer höher steigen, wenn sein Karma sich ausgewirkt hat. Damit hängt etwas außerordentlich Interessantes zusammen. Im Hinblick auf diese Entwickelung der Menschheit sind nämlich schon vor Jahrhunderten Geheimorden gegründet worden, die sich die denkbar höchsten Auf­gaben gestellt haben. Ein solcher Orden ist der Manichäerorden. Die Wissenschaft weiß nichts Rechtes über ihn. Man meint, die Manichäer hätten die Lehre aufgestellt, daß es von Natur aus ein Gutes und ein Böses gäbe, die miteinander im Kampfe liegen; das sei so von der Schöpfung her bestimmt gewesen. Das ist ein zum Unsinn verzerrter Schimmer der wirklichen Aufgabe dieses Ordens. Die einzelnen Glieder dieses Ordens werden in ganz besonderer Weise für ihre große Aufgabe erzogen. Dieser Orden weiß, daß es Menschen geben wird, die im Karma kein Böses mehr haben werden, und daß es auch eine von Natur aus böse Rasse geben wird, bei der alles Böse noch in höherem Grade vorhanden sein wird als bei den wildesten Tieren, denn sie werden Böses tun bewußt, raffiniert, mit einem hoch ausgebildeten Verstande. Der Manichäerorden belehrt nun jetzt schon seine Mitglieder in solcher Weise, daß sie Umwandler des Bösen werden in späteren Geschlechtern. Das ungeheuer Schwierige dieser Aufgabe liegt darin, daß in jenen bösen Menschenrassen nicht etwa wie bei einem bösen Kinde neben dem Bösen noch Gutes ist, das sich
#SE095-075
21:58
durch Beispiel und Lehre höher entwickeln läßt. Jene von Natur aus ganz: Bösen radikal umzugestalten, das lernt das Mitglied des Maril­chäerordens heute schon. Und dieses dann umgeschmolzene Böse wird nach gelungener Arbeit ein ganz besonders Gutes. Ein Zustand der Heiligkeit wird der sittliche Zustand auf Erden sein, und die Kraft der Umwandlung wird den Zustand der Heiligkeit bewirken. Aber das kann nicht anders erzielt werden, als wenn erst dieses Böse sich bildet; und in der Kraft nun, die angewandt werden muß, um dieses Böse zu überwinden, entwickelt sich die Kraft zur höchsten Heiligkeit. Der Acker muß gedüngt werden mit dem ekelerregenden Dünger, der Dünger muß zuerst gleichsam in den Acker hinein­wachsen als Ferment. So braucht die Menschheit den Dünger des Bösen, um den Zustand der höchsten Heiligkeit zu erreichen. Das ist die Mission des Bösen. Stark wird der Mensch, wenn er seine Muskeln anstrengen muß; ebenso muß das Gute, wenn es sich zur Heiligkeit steigern soll, erst das ihm entgegengesetzte Böse überwinden. Das Böse hat die Aufgabe, die Menschheit höher zu bringen.
Solche Dinge lassen uns hineinschauen in das Geheimnis des Lebens. Später dann, wenn der Mensch das Böse überwunden hat, kann er darangehen, die heruntergestoßenen Geschöpfe, auf deren Kosten er sich entwickelt hat, zu erlösen. Das ist der Sinn der Entwickelung.
Etwas noch Schwierigeres ist das Folgende. Ein Schneckenhaus, eine Muschelschäle sind abgesondert aus der lebendigen Substanz des Tieres selbst. Was als Haus die Schnecke umgibt, war ursprünglich in ihr; es ist ihr eigener Leib in verdichteter Form. Die Theosophie sagt:
Wir sind eine Einheit mit allem, was uns umgibt. - Das ist so zu ver­stehen, daß der Mensch einst alles in sich gehabt hat. In der Tat ist die Erdkruste entständen dadurch, daß der Mensch sie einst auskristalli­siert hat; und wie die Schnecke ihr Haus, so hat der Mensch auch alle anderen Wesen und Reiche,
Mineral-, Pflanzen- und Tierreich in sich gehabt und kann zu allen sagen: Die Substanzen waren in mir, ich habe die Bestandteile herauskristallisiert. - So blickt er nun auf etwas außer sich selbst, und jetzt bekommt es einen greifbaren Sinn, wenn er, indem er sie schaut, sagt: Das alles bin ich selbst.
#SE095-076
22:01
Noch subtiler ist eine zweite Idee. Stellen Sie sich jenen alten Menschheitszustand vor, in dem noch nichts aus dem Menschen her­ausgesondert war. Der Mensch war da und hatte auch Vorstellungen; aber er hatte sie nicht objektiv dadurch, daß die äußeren Dinge einen Eindruck machten, sondern rein subjektiv. Alles kam aus ihm selbst heraus. Der Traum ist noch ein Erbstück aus jener Zeit, wo der Mensch die ganze Welt gleichsam aus sich herausgesponnen hat. Dann setzte er die Welt sich selbst entgegen. Wir haben die Dinge selbst gemacht und schauen unsere eigenen Produkte, unser eigenes, fest-gewordenes Wesen in den anderen Geschöpfen.
Kant spricht von etwas, was der Mensch nicht erkennen könne, von einem (
Alles das wurde gesägt, um Ihnen zu zeigen, daß man, wenn man nur eine Seite der Dinge betrachtet, niemals zu einem wirklichen Ver­ständnis kommen kann. Man muß sich klar darüber sein, daß alles, was uns in einem gewissen Zustände erscheint, in früheren Zeiten ganz anders war, und nur, wenn man die Gegenwart und die Ver­gangenheit miteinander vergleicht, kommt man da zu einem Ver­ständnis. Und so auch, wenn man nur die sinnliche Welt betrachtet:
Niemals wird man verstehen, warum es überhaupt Krankheit gibt, oder was die Mission des Bösen ist, wenn man sich auf die sinnliche Betrachtung beschränkt. Alle solchen Zusammenhänge haben einen tiefen Sinn. Diese ganze Entwickelung durch Abspaltung, die ich Ihnen geschildert habe, hat sich vollzogen, weil der Mensch ein inner­liches Wesen werden sollte; er mußte das alles aus sich heraus setzen, um sich selbst schauen zu können. So verstehen wir die Mission der Krankheit, die Mission des Bösen und die Mission der Außenwelt. Das sind große Zusammenhänge, wie sie die Betrachtung des Karma­gesetzes ergibt.
Wir wollen nun noch einige karmische Einzelfragen behandeln, die häufig gestellt werden.
Welches ist der karmische Zusammenhang, daß viele Menschen schon so jung sterben, zum Beispiel schon als Kinder?
#SE095-077
22:04
Fälle, die der Geheimwissenschaft bekannt sind, lehren das Folgende. Man konnte zum Beispiel ein Kind, das früh gestorben ist, in Be­ziehung auf das Vorleben untersuchen, und da zeigte sich, daß es in seinem früheren Leben recht gut veranlagt wär und diese Anlagen auch gut benutzt hatte. Es war ein recht fähiges Mitglied der mensch­lichen Gesellschaft geworden, aber es war etwas schwachsichtig. Durch diese schwächen Augen und das weniger genaue Ansehen-Können bekamen alle seine Erfahrungen einen besonderen Anstrich. Es fehlte dadurch überall an einer Kleinigkeit, um die es hätte besser sein können; der Mensch blieb immer etwas zurück wegen der schwa­chen Augen. Er hätte ganz Außerordentliches leisten können, wenn er gute Sehorgane gehabt hätte. Er starb und wurde dann ganz kurze Zeit danach wieder inkarniert mit gesunden Augen, lebte aber nur wenige Wochen. Dadurch aber hatten die Wesensglieder erfahren, wie man gesunde Augen bekommt, und der Mensch hatte ein Stückchen Leben bekommen, um zu erwerben, was ihm noch gefehlt hatte, gleichsam eine Korrektur des vorhergehenden Lebens. Der Schmerz der Eltern wird natürlich karmisch ausgeglichen, aber sie mußten das Werkzeug für diese Korrektur sein.
Was ist der karmische Zusammenhang bei totgeborenen Kindern? Bei einer Totgeburt hat sich der Astralleib zwar schon mit dem phy­sischen Leib verbunden, auch die zwei unteren Leiber sind in Ord­nung, aber der Astralleib des Menschenkeimes zieht sich wieder zu­rück, so daß der Mensch tot zur Welt kommt.
Warum aber zieht sich der Astralleib zurück? Das hängt so zusammen: Gewisse Glieder der höheren Menschennatur hängen mit gewissen physischen Organen zusammen. Kein Wesen zum Beispiel kann ohne Zellen einen Ätherleib haben. Der Stein hat keinen Ätherleib, weil er keine Gefäße oder Zellen zur Aufnahme des Ätherleibes hat wie die Pflanze. Ebenso ist der Astralleib an ein Nervensystem gebunden. Die Pflanze hat keinen Astralleib, eben weil sie kein Nervensystem hat. Sobald eine Pflanze von einem Astralleib durchzogen würde, könnte sie nicht mehr physisch wie eine Pflanze aussehen, sie müßte mit einem Nervensystem versehen sein, wie der Stein mit Zellen begabt würde, wenn er von einem Ätherleib durchzogen würde.
#SE095-078
22:09
Soll nun der Ich-Leib nach und nach Platz greifen, dann muß inner­halb des physischen Körpers warmes rotes Blut vorhanden sein. Alle Tiere, die rotes Blut haben, sind in einer Zeit aus dem Menschen her­ausgesondert worden, in der sich für den Menschen der Ich-Zustand vorbereitet hat. Daraus erkennen wir, daß die physischen Organe in Ordnung sein mussen, wenn die höheren Leiber Wohnsitz in ihnen nehmen sollen. Wichtig ist nun, zu berücksichtigen, daß der physische Körper ausgestaltet wird in seiner Form durch rein physische Ver­erbung. Nun kann die Zusammensetzung der Säfte eine unrichtige sein, während die Eltern sonst geistig und seelisch gut zueinander pas­sen. Dann kommt kein ordentlicher physischer Leib zustande; da be­kommt der Menschenkeim einen physischen Leib, in dem die höheren Leiber ihren Wohnsitz nicht errichten können. Zum Beispiel der Ätherleib verbindet sich mit dem physischen Leib, nun soll sich der Astralleib des physischen Leibes bemächtigen. Da findet er kein ge­eignetes Werkzeug, kein ordentlicher Organismus steht ihm zur Ver­fügung, und der Astralleib muß sich wieder zurückziehen. So bleibt der physische Leib zurück, der dann tot geboren wird. Mithin wird eine Totgeburt bewirkt durch eine physisch schlechte Säftemischung, die kein geeignetes Werkzeug für den geistig-seelischen Menschen-keim geliefert hat, und somit ist dies auch ein karmischer Zusammen­hang. Der physische Leib gedeiht nur soweit, als höhere Wesens-glieder in ihm wohnen können.
Wie kommen nun karmische Ausgleiche zustande? Wenn jemand einer anderen Person etwas zugefügt hat, so muß das zwischen ihnen karmisch wieder ausgeglichen werden. Dazu aber müssen die betref­fenden Personen gleichzeitig verkörpert sein. Wie geschieht das? Was bringt die Menschen zusammen, welche Kräfte bewirken das?
Die Technik des Karma ist folgende: Das Böse ist geschehen, der Mensch hat es erlitten; der andere geht ein in Kamaloka, muß aber vorher im Tableau diesen Fall sehen. Da schmerzt dieses dem andern zugefügte Leid ihn nicht, aber in der Kamalokazeit kommt er beim Rückerleben auch wieder an diesen Fall, und jetzt muß er diesen Schmerz des andern durchmachen; in dem andern Selbst muß er ihn durchmachen. Da kommt also der Gefühlsinhalt hinzu; der prägt sich
#SE095-079
22:12
wie ein Stempel in den Astralleib ein. Er nimmt etwas von dem Schmerz als Ausbeute mit, es bleibt davon eine Kraft in ihm als Ergebnis dessen, was er in dem anderen Menschen erlebt hatte. So wird ein anderes Leid oder eine Freude, die er durchleben muß, wieder eine Kraft, so daß er eine große Menge von Kräften mitnimmt ins Devachan.
Kommt er nun zurück zu einer neuen Verkörperung, so ist dies die zusammenziehende Kraft, durch die alle Menschen zusammengeführt werden, die einmal etwas miteinander erlebt haben. Sie haben während der Kamalokazeit des einen ineinander gelebt und sich diese Kräfte einverleibt. Somit können in einem physischen Menschen eventuell drei oder mehr Kamaloka-Menschen sein, um ihren Fall auszuleben.
Ein Beispiel soll uns auch das klarmachen. Ein in der Geheim-wissenschaft bekannter Fall sagt folgendes: Ein Mensch wurde von fünf Richtern zum Tode verurteilt. Was war da geschehen? Dieser eine hatte im vorigen Leben eben diese fünf getötet, und die karmischen Kräfte hatten diese sechs Menschen zusammengeführt zum karmischen Ausgleich. Daraus entsteht nun aber nicht etwa eine nie endende karmische Kette, sondern andere karmische Beziehungen ändern den weiteren Verlauf.
Sie sehen, geheimnisvoll arbeiten die geistigen Kräfte, um das komplizierte Menschengebilde und das Leben des Menschen zustande zu bringen. Manche wichtige, große Gesichtspunkte werden uns noch klar werden, wenn wir in den nächsten Tagen die ganze Entwickelung der Erde und des Menschen betrachten werden.
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