venerdì 1 luglio 2011

19060702

POPULÄRER OKKULTISMUS Fünfter Vortrag, Leipzig, 2. Juli 1906


#G094-1979-SE147 - Kosmogonie
#TI
POPULÄRER OKKULTISMUS
Fünfter Vortrag, Leipzig, 2. Juli 1906
#TX 20110701 23:50
Wir mußten zuvor die höheren Welten im allgemeinen kennenlernen, um heute klar herausarbeiten zu können, was Wiederverkörperung und Karma ist. Man versteht unter Wiederverkörperung den Durch­gang des Menschengeistes durch verschiedene Erdenleben. Dieses Ge­setz der Wiederverkörperung ist im Grunde genommen dasselbe, das sich auch in der übrigen Natur findet. Nehmen Sie eine einfache Sub­stanz, zum Beispiel Kochsalz. Das «verkörpert» sich, kristallisiert sich immer von neuem in Würfeln. Wir können da von einer Wieder-verkörperung der Form sprechen. Ähnlich können wir dieses Gesetz in der Pflanzenwelt beobachten. Die Blumen vergehen, aber ihre M­ten bleiben bestehen, sie zeigen sich im nächsten Jahr wiederum als gleichgeartete Blumen. Hier liegt eine Wiederverkörperung der Arten vor. Dasselbe findet sich im Tierreich.
Beim Menschen spricht man nicht von der Art, sondern von der Individualität. Da erhält sich nicht die Art durch Entstehen und Ver­gehen hindurch, sondern die Individualität, der eigentliche Wesens-kern des Menschen. Dieser erscheint in einer immer neuen Persönlich­keit. Die jeweilige Persönlichkeit ist nur der Ausdruck der ewigen Individualität. Nicht immer herrschte auf Erden die Reinkarnation, und sie dauert auch in die Zukunft hinein nicht ewig, sondern hat eine bestimmte Dauer.
Hat nun die Wiederholung der Erdenleben einen Wert, eine Be­deutung? Man muß sich nur klar darüber sein, was Reinkarnation und Karma eigentlich sind. Dieses Gesetz ist eng verknüpft mit dem
#SE094-148 23:52
ganzen Entwickelungsprozeß der Menschheit auf der Erde. Sehen wir zurück in das alte Griechenland: Wie waren damals die Verhältnisse so anders, und wie gründlich hat sich die ganze äußere Art des Le­bens in diesen zwei Jahrtausenden geändert! Im allgemeinen ist das Antlitz der Erde, der gesamten Kultur jedesmal gänzlich verändert, wenn der Mensch seine nächste Wiederverkörperung durchmacht. Immer dann tritt eine neue Inkarnation für den Menschen ein, wenn dieser etwas Neues auf der Erde zu vollbringen hat. In zwölfmal 2600 Jahren absolviert die Sonne einen vollen Kreislauf um den gan­zen Tierkreis. Die alten Völker haben noch den Zusammenhang ge­kannt, der zwischen dem menschlichen Leben und diesem Gang der Sonne durch die zwölf Sternbilder besteht. In uralten Zeiten wurde in Persien das Bild der Zwillinge verehrt; es folgte eine Zeit, in wel­cher man den Stier verehrte. Diese Verehrung fand ihren historischen Ausdruck im Mithras- und Apiskult. Danach kam die Zeit, wo man das Lamm, den Widder verehrte. Je 2600 Jahre fallen auf jedes dieser Bilder. Man rechnet durchschnittlich, daß zwei Inkarnationen in die­sen Zeitraum von 2600 Jahren fallen; eine davon ist weiblich, die andere männlich.
Was wir uns in einem Leben als Wissen und Erkenntnis angeeignet haben, das kommt im nächsten Leben als Fähigkeiten heraus
. Karma ist das Gesetz von Ursache und Wirkung in den verschiedenen Le­bensläufen. Für die physische Welt wird das Gesetz von Ursache und Wirkung allgemein anerkannt, nicht aber für das geistige Leben. Und doch sollte man ebenso nach den verschiedenen Ursachen der Lebens­verhältnisse der Menschen fragen. Karma ist das große Gesetz der Weltengerechtigkeit. Aber man darf Karma nicht fatalistisch verste­hen. Es brauchen nicht alle Ereignisse Folgen aus der Vergangenheit zu sein. Es kommen auch neue Dinge an den Menschen heran, die dann im späteren Leben ihren Ausgleich finden. Man kann die Wir­kung des Karmagesetzes mit der Technik des Kaufmanns vergleichen, der ein Kontobuch führt. Die Vertreter des Bekenntnis-Christen­tums wenden gegen das Karmagesetz ein, der Tod Jesu sei ein stell­vertretendes Sühnopfer gewesen - die Theosophie aber lehre Selbsterlösung und Sündenausgleich durch Karma, darauf könne die christliche Religion nicht eingehen.
#SE094-149 01:05
Aber dieser Einwand beruht auf einem Mißverständnis. Ebenso ist es ein Mißverständnis, wenn eingewen­det wird: wenn also jemand in Not ist, dann darf ich ihm nicht hel­fen, denn ich darf in sein Karma nicht eingreifen. Nehmen Sie an, ein Mensch gelangt an den Punkt, wo er sich selbst nicht mehr helfen kann. Dann helfen Sie ihm, und durch diese Hilfe verbessern Sie sein Schicksal. Oder Sie können zwölf Menschen helfen, dann sind Ihnen zwölf Dankbarkeit schuldig. Diesen Zwölfen wird es nicht ein­fallen, zu sagen, der kann uns gar nicht helfen, Karma erfordert, daß wir uns selbst helfen. Aber die Hilfe, die ein anderer leistet, schreibt sich in das Karma ein und wird später ausgeglichen. So kann ein mächtiger, großer Geist nicht bloß einem Menschen oder tausend helfen, sondern der ganzen Menschheit in dem Augenblick, wo sie es braucht. Darin bestand die Tat des Christus Jesus auf Erden. Sie ist eine Hilfe für alle Menschen und schrieb sich ein in das Karma aller Menschen und ist eine Wirkung für alle Menschen. Indem die Gei­steswissenschaft solches lehrt, ist sie die beste Dienerin des Christen­tums. Sie vermittelt das wahre Verständnis des Christentums. Sie hat aufklärende Arbeit zu leisten, damit der Weg gefunden werde.

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