giovedì 4 agosto 2011

19060904

VIERZEHNTER VORTRAG Stuttgart, 4. September 1906


#G095-1964-SE131 - Vor dem Tore der Theosophie
#TI
VIERZEHNTER VORTRAG
Stuttgart, 4. September 1906
#TX 20110802 20:40 14:30
Wir haben gestern die verschiedenen Gebiete charakterisiert, durch die der Schüler der orientalischen und der christlichen Schulung zu höheren Erkenntnissen gelangt; nun will ich Ihnen heute in ähnlicher Weise die Stufen beschreiben, durch welche die rosenkreuzerische Schulung aufsteigt.
Man darf sich nicht vorstellen, daß diese Rosenkreuzer-Schulung den beiden anderen widerspricht. Sie besteht ungefähr seit dem 14. Jahrhundert, und zwar mußte sie damals eingeführt werden, weil die Menschheit noch eine andere Form der Schulung brauchte. In den Kreisen der Eingeweihten sah man voraus, daß Menschen kommen würden, die durch das sich allmählich entwickelnde Wissen im Glau­ben beirrt werden würden. Deshalb mußte eine Form geschaffen wer­den für diejenigen, die in den Zwiespalt von Glauben und Wissen ge­raten. Im Mittelalter waren die größten Gelehrten auch zugleich die gläubigsten und frömmsten Menschen; aber auch noch lange Zeit später war für die in der Naturwissenschaft Fortgeschrittenen durch­aus kein Widerspruch denkbar zwischen Glauben und Wissen. Man sagt, durch das Kopernikanische System sei der Glaube erschüttert worden, aber durchaus unberechtigterweise: hatte doch Kopernikus sein Buch dem Papst gewidmet! Erst in der allerletzten Zeit ist dieser Zwiespalt nach und nach gekommen. Das sahen die Meister der Weis­heit voraus, und daher mußte für diejenigen, die durch die Wissen­schaft vom Glauben abgebracht worden waren, ein neuer Weg ge­funden werden. Für diejenigen Menschen, die sich viel mit der Wissenschaft befassen, ist es nötig, diesen Rosenkreuzer-Weg zu gehen, um ein Eingeweihter zu werden, denn die Rosenkreuzer-Methode zeigt, daß das höchste Wissen des Weltlichen mit dem höchsten Wissen der übersinnlichen geistigen Wahrheiten durchaus zusammen bestehen kann; und gerade durch die Rosenkreuzer- Methode kann derjenige, der sonst durch eine scheinbare Wissenschaft vom christlichen Glauben abgefallen wäre, diesen erst recht erkennen. Jeder kann durch
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diese Methode die Wahrheit des Christentums erst recht und mit tie­ferem Verständnis verstehen. Die Wahrheit ist eine einzige, doch kann man zu ihr auf verschiedenen Wegen gelangen, geradeso wie die verschiedenen Wege am Fuße des Berges auseinandergehen, am Gipfel jedoch alle zusammenlaufen.
Das Wesen der Rosenkreuzer-Schulung kann bezeichnet werden mit den Worten: wahre Selbsterkenntnis. Dazu muß man zwei Dinge unterscheiden, und man muß sie als Rosenkreuzer-Schüler nicht bloß theoretisch unterscheiden, sondern auch praktisch, das heißt, sie ins praktische Leben einführen. Es gibt zwei Arten von Selbsterkenntnis. Die niedere Selbsterkenntnis, die der Rosenkteuzer-Schüler Selbstbespiegelung nennt, durch sie soll man das niedere Selbst überwinden; und die höhere, durch Selbstentäußerung geborene Selbsterkenntnis.
Was ist nun niedere Selbsterkenntnis? Das ist die Erkenntnis unseres alltäglichen Selbst, dessen, was wir schon sind, was wir in uns tragen, wie man sagt, ein Hineinschauen in das eigene Seelenleben. Man muß sich aber klarmachen, daß man dadurch nicht zum höheren Selbst kommen kann, denn wenn der Mensch sich selbst anschaut, findet er nur, was er ist; aber gerade darüber soll er ja hinauswachsen, um dieses Selbst des gewöhnlichen Lebens zu überwinden. Aber wie? Die meisten Menschen sind überzeugt, daß ihre Eigenschaften die allerbesten sind, und wer diese nicht auch hat, ist ihnen unsympathisch. Wer über diese Meinung hinaus ist, nicht nur in der Theorie, sondern im Gefühl, der ist schon auf dem Wege zu einer wahren Selbsterkenntnis. Hinaus kommt man über diese Selbstbespiegelung durch eine besondere Methode, die immer angewandt werden kann, wenn man einmal fünf Minuten Zeit findet. Man muß von folgendem Satz ausgehen: Alle Eigenschaften sind einseitig; du mußt erkennen, worin deine Eigenschaften einseitig sind, und mußt sie zu harmonisieren suchen. - Es ist dies ein Satz, der vielleicht nicht in der Theorie, wohl aber in der Praxis der geeignetste ist. Wer fleißig ist, muß sich prüfen, ob er es nicht an einer falschen Stelle ist. Flinkheit (Agilità) ist auch einseitig, ich muß sie ergänzen durch eine sorgfältige Bedachtsamkeit. Jede Eigenschaft hat ihren Gegenpol; den muß man sich aneignen und dann die konträren
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Eigenschaften zu harmonisieren suchen, zum Beispiel: Eile mit Weile, flink sein und doch bedächtig, bedächtig sein und doch nicht träge. Dann fängt man an, über sich hinauszuarbeiten. Das gehört nicht zur Meditation, das muß man sich daneben erringen.
Dieses Harmonisieren besteht namentlich im Aufmerken auf kleine Züge. Wer zum Beispiel die Eigenschaft hat, andere nicht ausreden zu lassen, der muß sorgfältig darauf achten und einmal sechs Wochen sich vornehmen: Jetzt schweigst du überhaupt dem andern gegenüber, so lange es möglich ist. - Dann gewöhne man sich, nicht zu laut und nicht zü leise zu sprechen. Solche Dinge, die der Mensch gewöhnlich gar nicht bedenkt, gehören zu dieser intimen Selbstentwickelung des Innern, und auf je unbedeutendere Eigenschaften man eingeht, desto besser ist es. Wenn man es gar dazu bringt, sich nicht nur bestimmte moralische, intellektuelle oder Gefühlseigenschaften anzueignen, sondern irgendeine äußere Gewohnheit abzugewöhnen, so ist das insbesondere wirksam. Es handelt sich weniger um eine Erforschung des Inneren im gewöhnlichen Sinne als vielmehr um eine Vervollkommnung der Eigenschaften, die man noch nicht genügend ausgebildet hat, und um eine Ergänzung des Vorhandenen durch eine entgegengesetzte Eigenschaft. Selbsterkenntnis gehört zu den allerschwersten Dingen für den Menschen, und gerade diejenigen, die sich am besten zu kennen glauben, täuschen sich am leichtesten. Sie denken zu viel an ihr eigenes Selbst. Das fortwährende Hinstarren auf sich selbst und das fortwährende Hinsagen des Wortes «ich»: Ich denke, ich glaube, ich halte das für richtig - das sollte man sich schon in der Redeweise abgewöhnen. Vor allen Dingen muß man sich die Idee abgewöhnen, als wenn auf die eigene Meinung mehr ankäme als auf die Meinung anderer Menschen. Nehmen wir zum Beispiel an, es ist einer ein sehr gescheiter (intelligente) Mensch. Wenn er nun seine Gescheitheit in einer Gesellschaft von Menschen anbringt, die auf einer viel tieferen Stufe stehen, so ist sie sehr deplaciert: er bringt sie ja nur um seinetwillen an. Er sollte aber aus dem Geiste der anderen heraus wirken. Insbesondere Agitatoren verletzen diese Regel sehr leicht.
Dazu muß ferner das kommen, was man im okkulten Sinne Geduld nennt. Die meisten, die etwas erreichen wollen, können nicht warten,
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weil sie glauben, sie seien schon reif, alles zu empfangen. Diese Geduld fließt aus einer strengen Selbsterziehung. Auch das hängt mit der niederen Selbsterkenntnis zusammen.
Die höhere Selbsterkenntnis beginnt erst dann, wenn wir anfangen zu sagen: In dem, was unser alltägliches Ich ist, liegt gar nicht unser höheres Selbst. In der ganzen Welt draußen ist es, oben bei den Ster­nen, bei der Sonne und dem Mond, im Stein, im Tier: überall ist das­selbe Wesen, das in uns ist. - Wenn einer sagt: Ich will mein höheres Selbst pflegen und mich zurückziehen, ich will nichts wissen von allem Materiellen, - dann verkennt er vollständig, daß gerade das Selbst überall draußen ist, und daß sein eigenes höheres Selbst nur ein kleiner Teil ist von diesem großen Selbst draußen. Gewisse «geistige» Heil-weisen machen diesen Fehler, der sehr verhängnisvoll werden kann; sie bringen dem Kranken die Vorstellung bei, es gäbe nichts Materielles, und so gäbe es auch keine Krankheiten. Das beruht auf einer falschen Selbsterkenntnis und ist, wie schon bemerkt, sehr gefährlich. Während sich eine solche Heilweise mit einem christlichen Namen bezeichnet, ist sie eigentlich antichristlich.
Das Christentum ist eine Anschauung, die in allem eine Offenbarung des Göttlichen sieht. In jedem Materiellen haben wir eine Illusion, wenn wir es nicht als einen Ausdruck des Göttlichen ansehen. Ver­leugnen wir die Außenwelt, so verleugnen wir das Göttliche; negieren wir die Materie, in der sich Gott offenbart hat, dann negieren wir Gott. Es handelt sich nicht darum, in sich hineinzuschauen, sondern wir müssen das große Selbst zu erkennen suchen, das in uns hineinleuchtet. Das niedere Selbst sagt: Ich stehe da und friere. - Das höhere Selbst dagegen sagt: Ich bin auch die Kälte, denn ich lebe als das einige Selbst in der Kälte und mache mich selbst kalt. - Das niedere Selbst sagt: Ich bin da, ich bin im Auge, das die Sonne sieht. - Das höhere Selbst dagegen sagt: Ich bin in der Sonne und sehe im Sonnenstrahl in deine Augen hinein.
Wirklich herausgehen aus sich selbst, heißt Selbstentäußerung. Daher geht die Rosenkreuzer-Schulung darauf aus, das niedere Selbst herauszubringen aus dem Menschen. In der theosophischen Bewegung ist anfangs der allerschlimmste Fehler gemacht worden dadurch, daß
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man sagte: Man muß absehen vom Äußeren und in sich hinein­schauen. - Das ist eine große Illusion. Man findet nur sein niederes Selbst, das vierte Prinzip, das niedere Ich, das sich einbildet, ein Gött­liches zu sein, das aber gar kein Göttliches ist. Man muß aus sich her­aus, um das Göttliche zu erkennen. « Erkenne dich selbst » heißt zu-gleich «überwinde dich selbst».
Die Gebiete, um die es sich handelt, sind folgende, und wieder müssen sie Hand in Hand gehen mit den bereits erwähnten sechs Eigenschaften:
1.      Gedankenkontrolle,
2.      Initiative des Handelns,
3.      Gelassenheit,
4.      Unbefangenheit oder Positivität,
5.      Glaube, inneres Gleichgewicht
Die Schulung selbst besteht in folgendem:
1. Studium. Ohne Studium kommt der jetzige Europäer nicht dazu, sich selbst zu erkennen. Er muß versuchen, erst die Gedanken der ganzen Menschheit in sich hervorzubringen. Er muß mit dem Welten-system denken lernen. Er muß sich sagen: Wenn andere das gedacht haben, so muß es doch menschlich sein, und ich will einmal probieren, wie es sich damit leben läßt. - Man braucht darauf ja nicht wie auf ein Dogma zu schwören, aber man muß es kennenlernen durch Studium. Der Schüler muß die Entwickelung der Sonnen und Planeten, der Erde und der Menschheit kennenlernen. Diese Gedanken, die uns für das Studium überliefert werden, reinigen unseren Geist. An den strengen Gedankenlinien ranken wir uns hinauf dazu, selbst streng logische Gedanken zu bilden. Dieses Studium reinigt auch wiederum unsere Gedanken, so daß wir streng logisch denken lernen. Wenn wir zum Beispiel ein sehr schweres Buch studieren, so kommt es weniger darauf an, den Inhalt zu begreifen, als darauf, daß wir auf die Gedankenbahnen des Verfassers eingehen und mitdenken lernen. Deshalb darf man auch kein Buch zu schwer finden; das hieße bloß, man ist zu bequem zu denken. Die besten Bücher sind gerade diejenigen, die man immer und immer wieder zur Hand nehmen muß, die man nicht gleich versteht, die man Satz für Satz studieren muß. Beim Studium kommt es nicht so sehr auf das Was als auf das Wie an. Durch die großen Wahrheiten, wie zum Beispiel die Planetengesetze, schaffen wir uns große Denklinien an, und das ist das Wesentliche an der Sache. Auch darin steckt viel Egoismus, wenn jemand sagt: Ich will mehr
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moralische Lehren haben und keine über Planetensysteme. - Richtige Weisheit bewirkt ein moralisches Leben.
2. Das zweite, worauf es ankommt, ist das Erwerben von Imagination oder imaginativer Erkenntnis. Was ist sie und wie erlangt man sie? Auf folgende Weise gelangt man dazu: Man geht durch die Welt und beobachtet sie streng nach dem Goetheschen Grundsatz « Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis». Denn Goethe war ein Rosenkreuzer, und er kann uns in das seelische Leben einführen. Jedes Ding muß in mehrfacher Beziehung ein Gleichnis werden. Nehmen wir an, ich gehe an einer Herbstzeitlose vorbei: sie ist durch Form und Farbe für mich ein Sinnbild der Trauer. Eine andere Blume, der Windling, ist ein Sinnbild der Hilfsbedürftigkeit, wieder eine andere Blume, die rot in die Höhe sprießt, kann mir ein Zeichen sein für Munterkeit (allegria) und so weiter. Ein Tier mit bunten Farben kann ein Gleichnis sein für die Koketterie. Oft liegen in den Namen schon die Gleichnisse aus-gedrückt, zum Beispiel Trauerweide, Vergißmeinnicht und so weiter. Je mehr man in dieser Weise nachdenkt, daß die äußeren Dinge Sinn­bilder werden für das Moralische, desto leichter kann man zu dieser imaginativen Erkenntnis aufsteigen. Auch bei den Menschen findet man solche Gleichnisse. So kann man zum Beispiel an dem Gang eines Menschen sein Temperament studieren.
Beobachten Sie nur einmal
1.      den schleppenden (pigro), langsamen Schritt des Melancholikers,
2.      den festen, bestimmten Schritt des Cholerikers,
3.      den leichten, mehr auf den Fußspitzen ruhenden Schritt des Sanguinikers.
Hat man das eine Weile getrieben, dann geht man über zu den Übungen der eigentlichen Imagination. Man hält sich zum Beispiel eine natürliche Pflanze vor, sieht sie recht an, vertieft sich ganz hinein in sie, holt das Innere seiner Seele heraus und legt es sozusagen in die Pflanze hinein, wie es auch in meinem Werk «Wie erlangt man Er­kenntnisse der höheren Welten?» beschrieben ist. Das bringt die Imagination herauf. Dadurch gelangt man zum astralen Schauen. Man bemerkt dann tatsächlich nach einiger Zeit, wie eine kleine Flamme aus der Pflanze hervorgeht; es ist die astrale Bedeutung dessen, was wächst. Ein anderes Beispiel: Man legt ein Samenkorn vor sich hin und sieht dann die ganze Pflanze, wie sie in der Wirklichkeit erst später
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sein wird, vor sich erscheinen. Das sind Übungen für die Imagination; dadurch umgeben sich die Dinge mit dem, was astral darin ist.
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4. Rhythmisierung des Lebens und des Atems. Sie spielt keine so große Rolle wie bei den Orientalen, aber sie gehört auch zur Schulung, und der Rosenkreuzer weiß, daß schon durch das Meditieren die Verbesserung der Atemluft eintritt.
5. Das Entsprechen von Mikrokosmos und Makrokosmos. Es ist das der Zusammenhang zwischen der großen und der kleinen Welt oder zwischen dem Menschen und der Welt draußen.
Der Mensch ist allmählich entstanden, seine einzelnen Wesensglieder haben sich im Laufe der Evolution gebildet.  Nun gibt es keine Möglichkeit, daß gewisse Organe entstehen in einem Wesen, das zum Beispiel keinen Astralleib hat, so daß also gewisse Organe, die der Mensch hat, nicht auf der Sonne entstehen konnten, auch nicht in der
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Anlage. Ein solches Organ ist zum Beispiel die Leber. Bei einem Wesen, das nur einen Ätherleib hat, gibt es keine Anlage zur Leber. Zwar ist die Leber nicht ohne den Atherkörper möglich, sie wird aber erst vom Astralleib geschaffen. Ebenso kann niemals ein Wesen war-mes Blut haben, das nicht zu der Zeit entstanden ist, wo es sich zum Ich hinüberbildete. Zwar haben die höheren Tiere auch warmes Blut, aber diese haben sich vom Menschen abgespalten, als er sich eben zum Ich hinüberbildete. So kann man sagen: Die Leber entspricht dem Astralleib, das Blut dem Ich. So entspricht jedes Organ des menschlichen Leibes, auch das kleinste, einem seiner Wesensglieder. Und wenn der Mensch nun seine Aufmerksamkeit objektiv auf sich selbst richtet, wie auf eine Sache, wenn er sich zum Beispiel auf den Punkt an der Nasenwurzel konzentriert und damit ein bestimmtes Wort verbindet, das der okkulte Lehrer ihm gibt, so wird er zu dem, was diesem Punkte entspricht, hingeführt, und er lernt es kennen. So wird der Mensch, der sich auf diesen Punkt unter bestimmter Anleitung konzentriert, die Natur des Ich kennenlernen. Eine andere, sehr viel spätere Übung richtet sich auf das Innere des Auges; dadurch lernt man die innere Natur des Lichtes und der Sonne kennen. Die Natur des Astralen lernt man dadurch kennen, daß man sich mit bestimmten Worten auf die Leber konzentriert.
Das ist die richtige Selbstentwickelung, wenn man durch jedes Organ, auf das man seine Aufmerksamkeit richtet, aus sich herausgeführt wird. Diese Methode ist besonders in neuerer Zeit wirksam geworden, weil die Menschheit so materiell geworden ist. So kommt man durch das Materielle zum Verursacher, zum Schöpferischen des Materiellen.
6. Das Verweilen oder Sich-Versenken in den Makrokosmos. Das ist dasselbe, was als Dhyanam beschrieben wurde, die geistige Kon­templation. Sie geschieht folgendermaßen: Man versenkt sich in das Organ der Kontemplation, zum Beispiel in das Innere des Auges. Wenn man sich darauf eine Weile konzentriert hat, läßt man die Vor­stellung des äußeren Organs fallen, so daß man nur noch an das denkt, worauf das Auge hingewiesen hat: auf das Licht. Dadurch kommt man zum Schöpfer des Organs und hinaus in den Makrokosmos.
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Dann fühlt man, wie der Körper immer größer wird, so groß wie die ganze Erde, ja, er wächst sogar über die Erde hinaus und alle Dinge sind in ihm. Der Mensch lebt dann in allen Dingen darinnen.
7. Der siebente Zustand entspricht dem orientallschen Samadhi; man nennt ihn hier Gottseligkeit, weil man jetzt auch aufhört, an diese letzte Vorstellung zu denken. Aber man behält die Kraft des Denkens:
Der Inhalt des Denkens hört auf, aber die Tätigkeit des Denkens bleibt. Dadurch ruht man in der göttlich-geistigen Welt.
Diese Stufen der Rosenkreuzer-Schulung sind mehr innere Stufen und erfodern eine subtile Pflege des höheren Seelenlebens. In unserem materiellen Zeitalter ist die weitverbreitete Oberflächlichkeit ein starkes Hindernis für die nötige Verinnerlichung des gesamten Innen-lebens; sie muß überwunden werden. Diese Schulung ist auf den Europäer zugeschnitten, sie erfordert eine gewisse seelische Energie, sie ist aber nicht schwer. Jeder kann sie ausführen, der nur ernstlich will. Doch gilt auch hier der Goethesche Satz: «Zwar ist es leicht, doch ist das Leichte schwer
Meine lieben Freunde! So sind wir nun auf die verschiedenen Me­thoden der Schulung eingegangen; und nun will ich damit die Vor­träge schließen, daß ich Ihnen noch einen Einblick gebe in den Zu­sammenhang zwischen dem Menschen und der ganzen Erde, damit Sie sehen, wie der Mensch zusammenhängt mit alledem, was sonst auf der Erde vor sich geht.
Ich habe Ihnen die Entwickelung des Menschen geschildert, wie er ein eigenes, inneres Wesen werden kann. Die Menschheit als Ganzes wird ja alles das im Verlaufe der Entwickelung erreichen, was jeder einzelne durch eine okkulte Schulung für sich erreichen kann. Was geht nun mit der Erde vor, während sich so Mensch und Menschheit entwickeln? Denn für den Okkultisten ist die Erde nicht dasjenige, was sie für den gewöhnlichen Geologen oder Naturforscher ist, der darin gleichsam nur einen großen leblosen Ball sieht, der innen nicht viel anders ausschaut als außen, höchstens daß die Stoffe im Innern
flüssig sind. Es ist ziemlich unverständlich, wie dieser tote Ball allerlei Wesen hervorbringen soll.
Wir wissen, daß unsere Erde ganz bestimmte Erscheinungen zeigt,
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die in das Schicksal vieler Wesen tief hineinspielen; doch das wird von der heutigen Naturwissenschaft als außer Zusammenhang mit diesem Schicksal stehend betrachtet. So wird zum Beispiel durch Erdbeben und Vulkanausbrüche in das Schicksal von Hunderten und Tausenden eingegriffen.
1.      Hat des Menschen Wille darauf einen Einfluß oder ist es Zufall?
2.      Gibt es tote Gesetze, die blind wüten, oder ist ein Zusammenhang zwischen diesen Ereignissen und dem Willen des Menschen?
3.      Wie steht es mit dem Menschen, der bei einem Erdbeben zugrunde geht?
4.      Was sagt der Okkultist über das Innere der Erde?
Die Geheimwissenschaft aller Zeiten sagt über das Innere der Erde das Folgende: Wir haben uns die Erde zu denken, bestehend aus einer Reihe von Schichten, die aber nicht genau voneinander abgegrenzt sind wie bei einer Zwiebel, sondern sanft ineinander übergehen. Die oberste Schicht, die mineralische Masse, verhält sich zum Innern wie die Schale zum ganzen Ei. Diese oberste Schicht nennt man die mine­ralische Erde. Unterhalb derselben zeigt sich etwas, was sich mit keiner Substanz der Erde vergleichen läßt, man nennt es die flüssige Erde. Es ist aber nicht eigentlich eine Flüssigkeit gemeint, denn unsere Flüssigkeiten sind ja auch mineralisch; diese Schicht hat besondere Eigenschaften. Diese Substanz beginnt nämlich hier geistige Eigenschaften zu haben, darin bestehend, daß sie, als Substanz mit etwas Lebendem zusammengebracht, dieses Leben sofort heraustreiben und vernichten würde. Der Okkultist kann diese Schicht durch eine reine Konzentrationsarbeit untersuchen.
Die Luft-Erde: Das ist eine die Empfindung vernichtende Substanz; wird sie zum Beispiel mit einem Schmerz zusammengebracht, so verwandelt sie ihn in Lust, und umgekehrt. Es wird sozusagen die Empfindung in der Art, wie sie besteht, ausgelöscht, so wie die zweite Schicht das Leben auslöscht.
Die Wasser- oder Form-Erde: Diese Schicht besteht aus einer Sub­stanz, die aus jedem Ding materiell das macht, was im Devachan geistig geschieht. Dort haben wir die Negativbilder zu den physischen Dingen. Hier würde zum Beispiel ein Salzwürfel vernichtet werden, das Negativ aber entstehen. Die Form wird sozusagen in das Gegen­teil verwandelt, alle Eigenschaften begeben sich in die Umgebung .
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Der Raum selbst, den der Gegenstand einnahm, ist leer. Die Frucht-Erde: Diese Substanz ist voll von strotzendet Wachstumsenergie. Jedes Teilchen derselben wächst sofort weiter wie ein Schwamm, wird immer größer und kann nur zusammengehalten werden von den oberen Schichten. Sie dient den Formen der vorhergehenden Schicht als dahinterstehendes Leben.
Die Feuer-Erde: Diese Substanz hat als solche Empfindung und Wille. Sie empfindet Schmerz; sie würde schreien, wenn sie getreten würde. Sie besteht sozusagen ganz und gar aus Leidenschaften.
Der Erdenspiegel, Erdreflektor: Diese Schicht hat ihren Namen daher, daß ihre Substanz, wenn man sich darauf konzentriert, alle Eigen­schaften der Erde ins Gegenteil verwandelt. Wenn man alles Darüber-liegende nicht sehen will sondern direkt im Geist auf diese Schicht heruntersieht und sich dann zum Beispiel etwas Grünes vorlegt, so erscheint das Grüne rot . jede Farbe erscheint in ihrer Komplementär-farbe. Es entsteht eine polarische Spiegelung, eine Widerspiegelung ins Gegenteil. Das Traurige würde von dieser Substanz in Freude ver­wandelt.
Der Zersplitterer: Konzentriert man sich mit entwickelter Kraft darauf, so zeigt sich einem etwas ganz Merkwürdiges. Es erscheint nämlich zum Beispiel eine dazwischengehaltene Pflanze zahllos ver­vielfältigt, ebenso alles andere. Aber das Wesentliche ist, daß diese Schicht auch die moralischen Eigenschaften zersplittert. Sie ist schuld, durch die Kraft, die sie auf die Oberfläche der Erde ausstrahlt, daß es überhaupt auf der Erde Streit und Disharmonie gibt. Die Menschen müssen zusammenwirken in Harmonie, um die zersplitternde Kraft dieser Schicht zu überwinden. Dazu wurde diese Kraft in die Erde hineingelegt, damit die Menschen die Harmonie selbst entwickeln können. Alles Böse wird substantiell hier vorbereitet und organisiert. Streitsüchtige Menschen sind so organisiert, daß diese Schicht einen besonderen Einfluß auf sie hat. Alle, die aus dem Okkultismus heraus geschrieben haben, wußten das. Dante beschreibt diese Schicht in seiner «Göttlichen Komödie» als Kains-Schlucht. Der Streit zwischen den beiden Brüdern Kain und Abel kommt von daher. Diese Schicht hat substantiell das Böse in die Welt gebracht.
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Der Erdkern: Das ist substantiell dasjenige, durch dessen Einfluß auf der Welt schwarze Magie entsteht. Von hier geht die Kraft des geistig Bösen aus.
Aus dem Obigen können wir entnehmen, daß der Mensch einen Bezug hat zu all diesen Schichten, denn sie strahlen fortwährend ihre Kraft aus. Die Menschen stehen unter dem Einfluß dieser Schichten und müssen fortwährend die Kräfte derselben überwinden. Wenn einmal die Menschen auf der Erde selbst Leben ausstrahlen werden, wenn sie Lebenförderndes ausatmen werden, dann überwinden sie die Feuer-Erde. Wenn sie den Schmerz geistig überwinden durch Ge­lassenheit, dann überwinden sie die Luft-Erde, und so weiter. Wenn die Eintracht siegt, wird der Zersplitterer besiegt. Wenn die weiße Magie siegt, gibt es kein Böses mehr in der Welt. So bedeutet also die Evolution des Menschen eine Umgestaltung des Erdinnern. Im An­fang war der Erdkörper so, daß er alles hemmte, was sich entwickelte. Zuletzt wird die ganze Erde, durch die Kraft der Menschheit um­gewandelt, eine vergeistigte Erde sein. Der Mensch teilt so sein Wesen der Erde mit.
Nun kann der Fall eintreten, daß die substantielle Leidenschaft der Feuer-Erde rebellisch wird. Durch die Leidenschaften der Menschen angeregt, dringt sie durch die Frucht-Erde hindurch, zwängt sich dann durch die Kanäle in die oberen Schichten und fließt sogar in die feste Erde hinein, erschüttert diese und bewirkt ein Erdbeben. Stößt diese Leidenschaft der Feuerschicht innere Erdensubstanz aus, dann ent­steht ein Vulkan. Das hat sehr viel zu tun mit dem Menschen. In der lemurischen Rasse war die obere Schicht noch sehr weich, und die Feuerschicht lag noch weit oben. Nun besteht eine Verwandtschaft zwischen der menschlichen Leidenschaft und der Leidenschafts-substanz dieser Schicht. Wenn der Mensch also sehr böse ist, so ver­stärkt er diese Leidenschaft. Das geschah am Ende der lemurischen Zeit. Da machte der Lemurier durch seine Leidenschaft die Feuer-Erde rebellischer und richtete den ganzen lemurischen Kontinent auf diese Weise zugrunde. Nirgendwo anders kann er die wahre Ursache zu diesem Untergang finden als in dem, was er selbst aus der Erde herauf-gezogen hat. Heute sind die Schichten dichter und fester geworden,
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aber noch immer stehen die menschlichen Leidenschaften mit der Leidenschafts schicht der inneren Erde im Zusammenhang; immer noch bewirkt eine Ansammlung böser Leidenschaften und Kräfte Erdbeben und Vulkanausbrüche.
Wie der Mensch mit seinem Schicksal und Willen zusammenhängt mit dem, was da geschieht, das können wir an zwei Beispielen, die wirklich okkult untersucht worden sind, ersehen. Man hat nämlich gefunden, daß solche, die bei einem Erdbeben zugrunde gingen, in der nächsten Inkarnation spirituelle, geistgläubige Menschen geworden sind. Sie waren so weit gewesen, daß es nur noch dieses einen Schlages bedurfte, um ihnen die Vergänglichkeit des Irdischen zu zeigen. Das wirkte im Devachan so sehr nach, daß sie als Frucht für das nächste Leben lernten, daß das Materielle das Hinfällige, der Geist aber das Überwindende ist. Nicht alle haben das eingesehen, doch viele leben heute auf diese Weise als Menschen, die irgendwelchen spirituellen, theosophischen Bewegungen angehören.
Bei dem anderen Beispiel wurden die Geburten untersucht, die in eine erdbebenreiche Zeit fielen. Man fand dabei heraus, daß alle diejenigen Menschen, die nicht gerade räumlich, aber zeitlich in der Umgebung eines Erdbebens geboren wurden, merkwürdigerweise ganz materialistisch gesinnte Menschen geworden sind. Das Erdbeben war nicht die Ursache, sondern es waren die vielen materialistisch gesinn­ten Seelen, die, reif zur Geburt, sich durch ihren astralen Willen in die physische Welt hineinarbeiteten und die Kräfte der Feuerschicht ent­fesselten, welche dann bei ihrer Geburt die Erde erschütterten.
So hängt der Wille des Menschen mit dem, was auf der Erde vorgeht, zusammen. Der Mensch verwandelt mit sich zugleich seinen Wohnplatz. Mit seiner eigenen Vergeistigung vergeistigt er die Erde. Er wird dereinst, auf einem nächsten Planeten, diese Erde durch seine eigene Schaffenskraft veredelt haben. In jedem Augenblick, wo wir denken und fühlen, arbeiten wir mit an dem großen Gebäude der Erde. Die Führer der Menschheit schauen hinein in solche Zusammenhänge und suchen der Menschheit solche Kräfte zuzuführen, welche im Sinne der Entwickelung wirken. Eine der letzten dieser Bewegungen ist die theosophische. Sie soll harmonisierend und ausgleichend wirken
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bis in die tiefsten Untergründe der menschlichen Seele hinein. Wer noch immer die Meinung über die Liebe stellt, das Rechthabenwollen über den Frieden, der hat die theosophische Idee noch nicht ganz be­griffen. Die Gesinnung der Liebe muß bis in die Meinung hinein wirken. Wer in einer okkulten Entwickelung begriffen ist, der lernt das naturnotwendig, sonst kommt er nicht weiter. Er verzichtet über­haupt auf eine eigene Meinung und will nur ein Werkzeug sein der objektiven Wahrheit, die von den Geistern kommt und die Welt durchströmt als die eine große Wahrheit, und je mehr man sich selbst entäußert und das Sprachrohr wird für die eine große Wahrheit und seine eigene Meinung nicht mehr in Betracht zieht, desto mehr übt man die wahre theosophische Gesinnung. Das ist heute außerordentlich schwer. Aber die theosophische Lehre ist selbst eine Friedensstifterin. Wenn wir zusammenkommen, um in der Lehre zu leben, so stiftet sie Frieden. Wenn wir aber hineinbringen, was draußen ist, dann bringt man Zwietracht hinein, und das müßte eigentlich eine Unmöglichkeit sein.
So muß die theosophische Weltanschauung übergehen in ein Gefühl, in etwas, was ich nennen möchte eine geistige Luft, in der die Theoso­phie lebt. Sie müssen den Willen haben zum Verständnis, dann schwebt die Theosophie wie ein einheitlicher Geist über den Ver­sammlungen, und dann wirkt sie auch hinaus in die Welt.
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