| #G097-1968-SE161 - Das Christliche Mysterium #TI DER VERSTAND ALS GABE LUZIFERS UND SEINE KÜNFTIGE UMWANDLUNG IN EIN NEUES HELLSEHEN Stuttgart, 29. April 1906 #TX 20111127 17:44 Heute wollen wir von den Funktionen reden, die man gewissen geistigen Wesenheiten zuschreibt, die man luziferische nennt. Wir werden da auf merkwürdige Zusammenhänge stoßen, die sie mit der Menschheit haben. Zum Ausgangspunkt nehmen wir die Tatsache, daß die Wissenschaft vom Denken, von der Überlegung, nicht weiter als achthundert bis neunhundert Jahre vor Christus zurückgeht. Wer die Geschichte der Philosophie studiert, weiß, daß dieselbe mit Thales beginnt, der um 600 vor Christus lebte und einmal eine Sonnenfinsternis nach naturwissenschaftlichen Beobachtungen voraussagte, was damals noch etwas Außergewöhnliches war. Die Philosophie der abendländischen Logik haben wir erst seit Aristoteles. Vorher gab es keine Lehre über das Denken, denn das Denken selber, der abstrakte Verstand dämmerte erst 600 bis 800 vor Christus herauf Keime dazu waren natürlich schon in der atlantischen Rasse enthalten. Wir haben allerdings schon eine Astronomie bei den Chaldäern, den alten Ägyptern und andern Orientalen, doch stammte diese aus den tieferen Anlagen des Hellsehens. Ein halbes Jahrtausend vor Christus kommt also erst der Verstand herauf, und diese Tatsache hängt mit der Abänderung aller Verwandtschafts- und Eheformen zusammen. Diese waren ganz andere als heutzutage. Noch bei wilden Völkern Amerikas hat die Wissenschaft konstatiert, daß die Verwandtschaft von Vettern und Cousinen eine viel kompliziertere ist als bei uns. Die Irokesen zum Beispiel nennen Vettern und Cousinen väterlicherseits Geschwister, mütterlicherseits jedoch nicht, aus dem Grunde, weil die gleichaltrigen Männer einer Familie alle gleichaltrigen Frauen zu Frauen haben konnten, man also innerhalb einer Familie wohl die Mutter eines Kindes genau kannte, aber nicht den Vater. Die Irokesen haben noch heutzutage diese verwandtschaftlichen Beziehungen und Bezeichnungen. Nur der Okkultismus kann die richtige Erklärung für diese Verhältnisse geben. #SE097-162 17:50 800 bis 900 vor Christus haben wir Tatsachen zu verzeichnen, die darauf deuten, daß nunmehr aus der Verwandtschaftsehe die Fernehe wurde. Früher war ein Oberhaupt der Familie der Vater des Stammes. Noch bei den Germanen finden wir in viel späteren Zeiten diese Einrichtungen, während in Afrika und in den Ländern um das Mittelmeer herum schon zur Fernehe übergegangen wird. Im Mittelalter finden wir in den deutschen Sagen, zum Beispiel im Gudrunlied, diesen Übergang zur Fernehe verherrlicht. Tacitus spricht in seiner « Germania» noch von den deutschen Stämmen mit einem Ahnherrn. Dieser Gebrauch wird später gebrochen, und im Gudrunlied ziehen die Könige in ferne Länder, um ihre Frauen zu suchen. In der Siegfriedsage haben wir eine Schilderung davon, wie sich die neue Ordnung auflehnt gegen die Blutsverwandtschaftsehe: Siegmund und Sieglinde, deren Ehe von Frigga verworfen wird. Wotan ist der Begründer der Fernehe. Bei den verschiedenen Völkern ist die Fernehe zu verschiedenen Zeiten eingeführt worden, aber es existiert ein eigenartiger Zusammenhang zwischen dem Übergang zur Fernehe und der Ausbildung des Verstandes. Es ist ein okkulter Satz, daß die Fernehe auf einen Teil des Ätherkörpers tötend wirkt: das Vorderhirn wird belebt, während das alte Heilsehen abgetötet wird, das durch Blutsverwandtschaftsehen wächst. Die verstandesmäßige Erfassung der Dinge erwacht. Heute ist die Menschheit der Fernehe angepaßt, wie sie es früher der Verwandtschaftsehe war. Die Verwandtenehe wirkt heute schädigend auf die geistige Tätigkeit der Kinder, besonders auf das Sinnesorgan, das mit der Verstandesentwickelung zusammenhängt, das Auge. Daher gibt es so viele Blinde in Verwandtenehen. Nur durch die Fernehe wird das Gehirn verbessert. Diese physiologische Tatsache steht in engem Zusammenhang mit der Menschheitsentwickelung. Sie war notwendig, um das Erscheinen des Christentums vorzubereiten. Hätte dieses unter andern Bedingungen entstehen können? Es bringt die Liebe der Seele zur Seele, das Wirken von Seele auf Seele. Die Blutsverwandtschaftsliebe musste erst über-wunden werden. Die Völker werden überhaupt erst reif für das Christentum werden, wenn sie die Verwandtschaftsliebe überwunden haben. Die alten Eingeweihten Ägyptens stammten immer aus der #SE097-163 17:55 gleichen Familie innerhalb langer Generationen. Die ältere Weisheit war intuitiver Art, was um so deutlicher hervortritt, je weiter man die Menschheit zurückverfolgt. Das verstandesmäßige Überlegen hängt mit der Grundlage des Christentums zusammen. Wie war nun das Verhältnis der Götter zu den Menschen? Die Menschen werden im Verlaufe ihrer Entwickelung Götter sein, und die Götter haben eine Art Menschheitsentwickelung durchgemacht, anders als die unsrige, auf andern Planeten, aber immerhin etwas Ähnliches. Die Höherstehenden entwickeln sich fort auf der Grundlage der niederen: Mensch und Tier leben von der Pflanze, diese vom Mineral. Nie könnten die Götter sein, wenn die Menschen nicht wären. Es besteht das gleiche Verhältnis zwischen ihnen. Was brauchen nun die Götter von uns? Sie nähren sich von unserer Liebe. Die Zweiteilung der Geschlechter tritt ein. Die wirkliche Bedeutung von Nektar und Ambrosia, der Nahrung der Götter, ist die Liebe des Mannes und der Frau. Es ist dies der Ausdruck einer okkulten Tatsache. Zwischen Göttern und Menschen stehen nun Wesenheiten, die ihre Entwickelung nicht zu gleicher Zeit mit den Göttern vollendet haben, die sozusagen in der Schule der Evolution sitzengeblieben sind, den Menschen aber weit voraus sind. Es sind die luziferischen Wesenheiten. Sie sind die Anfacher der höheren geistigen Selbständigkeit beim Menschen. Sie erzogen ihn zum Aufruhr gegen die Götter, sie bildeten jenen Teil in ihm aus, der die Götter nicht nährt. In der Paradiesessage erscheint deshalb Luzifer als Schlange, und die Strafe Jehovas ist: «Mit Schmerzen sollst du Kinder gebären.» Die Scharen des Luzifer wirkten weiter an der Verstandeserziehung. Was sie nicht erreicht hatten, holten sie nach, als die Fernehe entstand. Nicht mehr das unfreie Blut bewirkt Liebe, sondern von außen durch Übereinstimmung der Seelen kommt sie. Wenn wir dies erwägen, wird uns auch Jehovas Walten klar: Er ordnet durch richtige Gesetze die Blutsverwandtschaft. Das alte Gesetz schafft unter den Menschen Ordnung. Luzifer wurde achthundert bis neunhundert Jahre vor Christus frei, und die innere Kraft der Seele beginnt sich zu entfalten. Christus ist der Repräsentant der neuen Ordnung. Das äußere Gesetz #SE097-164 17:58 wurde auf dem Sinai gegeben, das innere Gesetz, die Gnade, ist denen gegeben, die befreit durch Christus sind. So ist der Fortschritt der Menschheit: immer mehr mußte sich im Menschen das luziferische Prinzip entwickeln. Die äußere Wissenschaft soll durch die Theosophie frei werden: Wissenschaft vertieft zur Weisheit. Der Name Luzifer deutet das Prinzip der Selbständigkeit an, deshalb nannte Madame Blavatsky ihre erste Zeitschrift so und deshalb heißt die unsere so, um dieses Prinzip zu dokumentieren. Mehr und mehr werden sich die Unterschiede zwischen Menschen und Völkern abschleifen und der zweite Satz der Prinzipien der Theosophischen Gesellschaft in Kraft treten: den Kern einer Menschenbruderschaft zu bilden. Die Liebe der Blutsverwandtschaft wird immer mehr überwunden werden, und man wird mehr die seelischen Zusammenhänge suchen. Aus den größten Fernen werden sich die Seelen zusammenfinden. Die Weiterentwickelung und Umwandlung des Verstandes wird uns in der Zukunft ein neues Heilsehen bringen. Das Überwinden der Geschlechtsliebe bedeutet zunächst Vereinsamung. Der Chela muß entwurzelt werden - die große Überwindung aller Verwandtschaftsgefühle, das ist die Funktion des luziferischen Prinzips. 18:00 |
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