sabato 10 dicembre 2011

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NATURWISSENSCHAFT UND GEISTESFORSCHUNG Berlin, 12. Dezember 1912

ÖIffentliche Vorträge - GA 62 Ergebnisse der Geistesforschung

#G062-1969-SE185 - Ergebnisse der Geistesforschung
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NATURWISSENSCHAFT UND
GEISTESFORSCHUNG
Berlin, 12. Dezember 1912
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Unter den Vorwürfen, welche man in der Gegenwart gegen Geisteswissenschaft und Geistesforschung erhebt, ist wohl einer der bedeutendsten derjenige, daß diese Geisteswissen­schaft oder Geistesforschung im Gegensatz stünde zu den gut gesicherten Ergebnissen der Naturwissenschaft, jener Naturwissenschaft, welche geradezu, und mit vollem Recht, der Stolz unseres gegenwärtigen Geisteslebens, ja, unseres ganzen gegenwärtigen Kulturlebens genannt wird. Sollte dieser Vorwurf begründet sein, daß Geisteswissenschaft und Geistesforschung sich gegen diese gesicherten Ergebnisse der Naturwissenschaft in einen Gegensatz zu stellen beabsich­tigten, so - man kann dies wohl sagen - stünde es wahrlich schlecht um diese Geistesforschung. Nicht nur um ihre Mög­lichkeit, den Zugang zum Verständnis und zum Herzen des Gegenwartsmenschen zu finden, sondern es stünde wohl schlecht um ihre Berechtigung überhaupt. Deshalb darf wohl zu alledem, was in den bisherigen Vorträgen über das Verhältnis von Geistesforschung zur Naturwissenschaft gesagt worden ist, heute noch diese besondere episodische Betrachtung eingefügt werden über die Beziehung von Gei­stesforschung zur Naturwissenschaft, bevor eben das nächste Mal eine im eminenten Sinne nur der Geisteswissenschaft zugängliche Gestalt betrachtet werden soll: die Gestalt
Jakob Böhmes.
Geistesforschung, so wie sie hier in diesen Betrachtungen
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gemeint ist, stellt sich ohne Zweifel als etwas dar, was sich gegenüber den Denkgewohnheiten und den geistigen Be­strebungen unserer Gegenwart vielfach als etwas Neues aus­nimmt, als etwas, das aus diesen gewohnten Denkarten, aus den Vorstellungsweisen des gegenwärtigen Geisteslebens her­ausfällt. Und die Frage liegt ja nahe:
Wie kommt es, daß ge­rade in einer Zeit, in welcher der gebildete Mensch, der sich für Geistesfragen überhaupt interessiert, alle Hoffnung auf das setzt, was dieNaturwissenschaft geben kann-wie kommt es, daß in einer solchen Zeit sich diese Geisteswissenschaft Geltung verschaffen will, daß sie sich mitten hineinstellt in den Triumphzug des naturwissenschaftlichen Denkens?
Es wird sich vielleicht diese Frage am leichtesten beant­worten lassen, wenn man ein wenig Ausschau hält nach dem Geistesleben im letzten Drittel oder vielleicht in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Das ist ja die Zeit, in welcher nicht nur glanzvoll, Sieg auf Sieg emlebend, die naturwissenschaftliche Forschung zu ihrer Höhe aufgestiegen ist, sondern es ist auch die Zeit, in welcher die Hoffnungen immer größer und größer wurden, daß auch alle möglichen Auskünfte über die Bedeutung dessen, was man Geist und Geistesleben nennen kann, von Seiten der Naturwissenschaft her kommen müßten. Wer mit vollem Bewußtsein das Geistesleben im letzten Drittel des neun­zehnten Jahrhunderts mitgemacht hat, oder sagen wir, wer in der Lage war, die großen Hoffnungen dieses Geistes­lebens des neunzehnten Jahrhunderts auf sich wirken zu lassen, zum Beispiel in den achtziger Jahren des neuzehnten Jahrhunderts, der konnte damals bemerken, wie aus allen Gebieten naturwissenschaftlicher Forschung die Fragen nur so herankamen, jene Fragen, welche alles menschliche Den­ken geradezu auf eine neue, mit dem Alten brechende Basis schienen stellen zu müssen.
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Es soll nur auf eines aufmerksam gemacht werden. In den siebziger, achtziger Jahren konnte der für das Geistes­leben sich Interessierende die Bekanntschaft mit dem machen, was damals auf naturwissenschaftlichem Felde mehr oder weniger neu war, zum Beispiel mit der mechanischen Wärme-theorie. Der im naturwissenschaftlichen Erkennen Drinnen-stehende sah damals in so etwas wie der mechanischen Wärmetheorie eine ungeheure Errungenschaft des mensch­lichen Geistes. Vielleicht aber interessiert uns der Stand­punkt eines solchen weniger als der Standpunkt eines Men­schen, dem es vor allem um die geistige Erkenntnisfrage zu tun war.
Was sah ein solcher?
Ein solcher hatte vielleicht bemerken können, daß unter den mancherlei Sinneseindrücken, welche auf den Menschen beim Gebrauch seiner Sinne einstürmen, die Empfindung dessen sei, was man eben als Wärme oder, sagen wir, als Wärme und Kälte bezeichnet. Wie die Farbe, wie das Licht und wie der Ton,
so ist ja auch Wärme zunächst ein Sinnes-eindruck. Der Mensch fühlt durch seine Sinne, wie die Welt um ihn herum sich in einem gewissen Wärmezustande be­findet, und er nimmt diese Wärme zunächst wahr als einen Eindruck auf seine Empfindung. In dieser Zeit, von der eben gesprochen worden ist, betrachtete man es als eine durch die damaligen Forschungen emwiesene Tatsache, daß das, was der Mensch die Wärme nennt, wovon er glaubt, daß es so, wie es sich in seinem Empfinden ausnimmt, draußen im Raume ausgebreitet ist, die Körper durchdringt und auf die Wesen wirkt, daß dieses objektiv draußen in der Natur nichts anderes sei als Bewegung der kleinsten Körperteile. Also man konnte sich sagen: Wenn du die Hand in laues Wasser steckst und einen gewissen Wärme-zustand wahrnimmst, so ist diese Empfindung eines Wärme-zustandes nur Schein. Was dir da als der unmittelbare Eindruck
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erscheint, ist nur Schein, ist nur eine Wirkung auf deinen Organismus, die durch irgendetwas hervorgerufen wird, was draußen ist. Das ist nur eine Bewegungsart im kleinen; die Bewegung nimmst du nicht wahr. Die kleinsten Teile des Wassers sind in Regsamkeit, aber nicht die Reg­samkeit, nicht die Bewegung nimmst du wahr, vielmehr weil die Bewegung so schnell verläuft, nimmst du sie nicht als solche wahr, sondern sie macht auf dich den Eindruck dem Wärme. - Als damals Bücher erschienen wie zum Beispiel «
Die Wärme, betrachtet als eine Art von Bewegung», galt das als eine große Errungenschaft der Zeit, und wir damals jüngeren Leute hatten zu studieren, wie sich die kleinsten molekularen Teile in einer Flüssigkeit, in einem Gase be­wegen, in ihrer Regsamkeit gegen die Wände stoßen, in ihrem Innern aneinanderstoßen, und man war sich klar, daß das, was da innere Regsamkeit ist, in der Empfindung den Schein dessen errege, was man die Wärme nennt.
Von da ging dann überhaupt eine gewisse Denkgewohn­heit aus, eine gewisse Art, die Naturerscheinungen zu be­trachten, und ich selbst erinnere mich noch, wie damals, als ich ein kleinem Junge war, mein Schuldirektor, begeistert von dieser naturwissenschaftlichen Errungenschaft seiner Zeit, alle Naturkräfte als solche, von der Schwere ange­fangen bis zur Wärme und den chemischen und magnetischen Kräften und so weiter, nur als einen Schein betrachtete und das Wahre in jenen Bewegungen, in jenen feinen Bewe­gungszuständen im Innern der Körper sah. Die Schwere, die Falikraft, die Gravitation zum Beispiel sah jener Schul­direktor -
Heinrich Schramm hieß er - nur als eine Be­wegung der kleinsten Teile der Körper an. Innerhalb einer solchen Naturbetrachtung war wirklich etwas, was einen dahin bringen konnte, zu sagen: So ist ja alles «Wirkliche» nur der, sagen wir, ins Unendliche ausgedehnte Raum, die
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in diesem Raume befindliche, in kleinste Teile gegliederte Materie und die Bewegungen dieser Materie! Und es konnte wohl die Hoffnung entstehen, daß man, wie man zum Bei­spiel Wärme, Elektrizität, Magnetismus und Licht als eine feine Regsamkeit kleinster Teilchen der Materie erklären könne, so auch einst würde die Denktätigkeit, die Seelen­tätigkeit erklären können als eine feine Regsamkeit jener Materie, welche den menschlichen oder tierischen Leib zu­sammensetzt.
Es kamen dann mancherlei Phasen in der Entwicklung naturwissenschaftlich-theoretischer Denkweise. Während man in den achtziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts zum Beispiel das Licht und die ganze Farbenwelt, wenn man Physiker war, als eine Art von Schein aufzufassen hatte und unendlich komplizierte, feine Regungen und Be­wegungen innerhalb der Materie und des Athers zu studie­ren hatte, stellte sich dann im Verlaufe der achtziger Jahre ein, daß man an diesen feinen Regsamkeiten irre wurde und sich mehr darauf beschränkte, die Erscheinungen, die Tatsachen, wie sie sich darbieten, selber ins Auge zu fassen, durch die Rechnung auszudrücken, sie zu beschreiben, und nicht so sehr zu spekulieren über das, was ja doch nichtwahr­nehmbar sein soll, sondern nur allem zugrunde liegen soll:
über die feineren Regsamkeiten der Materie und des Äthers. Das war mehr auf physikalischem Gebiete.
Es war auf physikalischem Gebiete so, daß man keine rechte Möglichkeit sah, aus der Denkgewohnheit herauszu­kommen, die sich eben ergab, wenn man diese feinen Reg­samkeiten der Materie im Verhältnis zu irgendetwas be­trachtete, was möglich machen sollte, den Geist in seinem Unmittelbaren zu erfassen. Es hielt einen sozusagen aus der Naturwissenschaft heraus etwas zurück, den Geist in einer solchen Weise zu betrachten, wie das in den letzten Vorträgen
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hier geltend gemacht worden ist. Dazu kamen noch ganz andere Dinge. Wer damals in der naturwissenschaft­lichen Entwicklung drinnen stand, hatte es nicht nur mit dem eben Charakterisierten zu tun, sondern auch mit dem Niederschlage alles dessen, was zum Beispiel die großen Ent­deckungen
Schleidens und Schwanns in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ergeben hatten, durch welche die kleinsten Teile, die Zellen, innerhalb des pflanzlichen und tierischen Organismus gefunden waren. Dadurch war zwar nicht die Wirklichkeit der Atome und Moleküle nach­gewiesen, aber es waren die organischen Formen auf kleinste Bausteine zurückgeführt, auf die Zellen, die in ihren Formen nur dem Mikroskop zugänglich waren. Dann war vorhan­den der Niederschlag dessen, was sich an den Namen Darwin knüpft, und man stand weiter unter dem Eindrucke der großen Tat Ernst Haeckels, der im Gange der sechzigerJahre die Theorie Darwins auch auf den Menschen ausgedehnt hatte.
So hatte man eine naturwissenschaftliche Betrachtungsart vor sich, welche beim Einfachsten in der pflanzlichen und tierischen Welt anfing und betrachtete, wie von den un­vollkommenen bis zu den vollkommeneren Wesen und bis herauf zum Menschen die einzelnen Organe selber in der Art sich immer vollkommener und vollkommener ergaben, daß man den Hervorgang der einzelnen Organe, welche komplizierter waren, aus den einfacheren durch Verglei­chung sozusagen feststellen konnte. Ein ungeheures Mate­rial an Kenntnissen wurde gesammelt. Die Breite und die Weite dieses Materials war wirklich so groß, daß zum Bei­spiel in den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts einer der bedeutendsten vergleichenden Anatomen der Ge­genwart,
Carl Gegenbaur, in seiner «Vergleichenden Ana­tomie» (1878) sagen konnte, es sei gerade in den letzten
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Jahrzehnten eine Unsumme von einzelnen Kenntnissen ge­sammelt worden, welche zeigen, wie verwandt die Lebe­wesen in Bezug auf ihre Organe sind, und man müsse auf die Möglichkeit warten - so meinte
Gegenbaur -, die Kennt­nisse zu «Erkenntnissen» zu erheben; und er versprach sich von der darwinistischen Methode, daß es möglich sein würde, zu zeigen, was die Vergleichung der Organe höchster Lebe­wesen mit denen weniger vollkommener Wesen unwider­legbar ergeben werde, daß auch eine im physischen Sinne so zu nennende Abstammung der vollkommenen Lebewesen von den unvollkommenen bestehe. So sah man gleichsam die Kette sich schließen in der Entwickelung von den un­vollkommenen Lebewesen bis hin zu den vollkommenemen, ja, bis herauf zum Menschen, und man konnte sich sagen, durch eine Amt Summierung demjenigen Kräfte und Tätig­keiten, die schon unten bei den einfachsten Lebewesen wal­ten, ja, sogar schon durch eine Summierung der Kräfte und Tätigkeiten in der leblosen Natur selber entstehe zuletzt das komplizierteste Wesen, das wir kennen, der mensch­liche Leibesbau.
Ungeheure Hoffnungen knüpften sich an dieses natur­wissenschaftliche Ideal. Wirklich stand es damals so, daß man schwer unterscheiden konnte zwischen dem, was natur­wissenschaftliche Tatsachen waren und dem, was man zu den Tatsachen hinzudachte, hinzuspekulierte, denn ein Un­terschied war für jeden, der gründlich dachte, zwischen den Tatsachen und den Theorien ja doch vorhanden. Der Unter­schied war nämlich vorhanden, daß man sich sagen konnte:
Wenn man so vorsichtig, so subtil zu Werke ginge, wie etwa Darwin selber, besonders in seinen früheren Jahren, zu Werke gegangen war, dann fand man ein ungeheures Material an gegenseitigen Beziehungen, an gegenseitigen Vergleichspunkten zwischen den einzelnen Lebewesen, von
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den unvollkommenen des Tier- und Pflanzenmeiches bis herauf zum Menschen. Aber es sei doch ein Unterschied
- konnte man sich sagen - zwischen dem, was sich so als Tatsache dem Ähnlichkeit des äußeren Baues, auch als Tat­sache der Ähnlichkeit der inneren Vorgänge ergab, und dem, was man doch nur erdenken konnte: der Hypothese, der Annahme der Abstammung der vollkommenen Lebe­wesen von den unvollkommenen, denn diese Abstammung konnte man nach den bis jetzt bekannten Tatsachen nicht verfolgen. Man hatte die Summe der Lebewesen vor sich, vollkommenere und wenigem vollkommene. Die Abstam­mung als solche aber blieb für den, der gründlich denken konnte, doch immer nur eine Hypothese, wenn er auf natur-wissenschaftlichem Boden stehen bleiben wollte. Aber das Material war imponierend.
Was sich so aus der naturwissenschaftlichen Forschung ergab, drang tief in die Seelen ein, manchmal erschütternd durch das Großartige der Einblicke, die man gewinnen konnte. Dazu kam manches andere. Es muß beim heutigen orientierenden Vortrage auf manches einzelne hingewiesen werden. So muß hingewiesen werden auf die gewaltige Entdeckung, wie sie zum Beispiel
Helmholtz auf dem Ge­biete der Lichterscheinungen und der Wirkungen des Lichtes auf das menschliche Organ des Auges gemacht hatte, wie sie ebenfalls Helmholtz gemacht hatte in Bezug auf Klang-und Tonerscheinungen und die Wirkung von Klang und Ton auf das menschliche Ohr, auf das menschliche Gehör-organ. Dadurch war man bekanntgeworden mit dem früher ja geheimnisvoll gebliebenen Sehvorgange. Man lernte auch erkennen, was zum Beispiel im Ohre vorging, was für ein komplizierter Wunderbau, man möchte sagen, ein klavier­artiger Apparat im Ohre sich befindet. An Stelle von man­chem, was früher bloß Ausgedachtes schien, trat jetzt die
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genauere Erkenntnis des Baues der Organe des Menschen. Man konnte sich sagen: Was draußen nur Bewegung, Reg­samkeit ist, das wird wie umgewandelt - eine solche Um­wandlung ergab sich ja, wie wir eben gesehen haben, ganz wesentlich aus der mechanischen Wärmetheorie - durch das, was nun an Wunderbarem in den Organen aufgeklärt wurde in Bezug auf das, was in den Seelen an Wahrnehmungen lebt. Und das innere Seelenleben baut sich ja zuletzt aus dem auf, was unsere Organe aus den Wirksamkeiten der Materie und des Raumes heraus gestalten.
Vielfach kann man eigentlich den ganzen geistigen Vor­gang, der sich damals in den Seelen abspielte, so bezeichnen, daß man sagen kann: Betäubt wurden die Seelen durch alles, was da im großen und im einzelnen gefunden worden ist. Man mußte sich sagen: Von alledem wußte eine frühere Zeit nichts. Es kamen einem manche Traditionen, welche über das menschliche Seelenleben vorhanden waren, jetzt hinfällig vor, wo man erst anfing, die Wirkung der Materie und ihrem Bewegungen auf den menschlichen Organismus zu studieren, im wahren Sinne des Wortes naturwissen­schaftlich zu studieren.
Für den Geisteswissenschaftler war das Ganze, sagen wir, weniger wichtig wegen der Einzelheiten, als deshalb, weil man sich gestehen mußte: Um in die weiten Perspek­tiven, welche da in eine Welt des rein Tatsächlichen hinein eröffnet werden, hineinzukommen, dazu gehört etwas, was man bei den alten Betrachtungen des Seelenlebens oder des Geisteslebens zunächst nicht vorhanden glaubt. In vielen Seelen, welche das alles im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts mitlebten, stieg etwa die folgende Empfin­dung auf. Da konnten sich die Seelen sagen: Gewiß, alte Zeiten haben manches zu denken gewagt über die großen Fragen, zum Beispiel über den Wechsel von Schlaf und
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Wachen, über die Frage nach der Unsterblichkeit dem Men­schenseele, über die Fragen von Tod und Leben, über den Ursprung des Daseins und so weiter. Aber wenn man ver­gleicht die ganze methodische Amt des Denkens, die ganze Art, wie geistig geforscht worden ist in jenen alten Zeiten, aus denen solche Traditionen von Seelenforschungen her-aufragen, sie vergleicht mit der strengen, gewissenhaften Art modernen naturwissenschaftlichen Forschens, dann steht das, was uns von jenen alten Zeiten überkommen ist, eben einfach zurück hinter dem strengen und gewissenhaften Me­thode heutiger naturwissenschaftlicher Forschung. Wenn auch dem Geistesforscher von den Resultaten der Natur­forschung nicht betroffen war, wenn er sich vielleicht auch gar nicht hinreißen ließ von den Resultaten, das eine wirkte gewaltig auch auf den Geistesforscher: die Strenge des naturwissenschaftlichen Denkens, die Gewissenhaftig­keit, der ungeheure Wahrheitssinn naturwissenschaftlichen Denkens.
Gegenüber einer solchen Tatsache mußte sich in dem­jenigen, der es überhaupt mit Wissenschaft zu tun haben wollte, gleichgültig ob mit Naturwissenschaft oder Geistes­wissenschaft, der Trieb herausbilden, der etwa dahin charak­terisiert werden kann: Wissenschaft im ernstesten Sinne des Wortes, die tonangebend sein kann für das Geistesleben der Gegenwart, kann ihm Heil überhaupt nur in jenem strengen Denken, in jenem wahrhaft gewissenhaften For­schen suchen, wie man es an der Naturwissenschaft lernen kann. Ein solchem Trieb verwandelt sich allmählich, und mußte sich auch in dem geisteswissenschaftlichen Forscher verwandeln, in eine Art von wissenschaftlichem Gewissen. Man konnte sich sagen: Gewiß, wie zu allen Zeiten, so hat auch in der neueren Zeit die Seele den Drang und den Trieb, ihre eigene Natur und Wesenheit kennenzulernen,
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kennenzulernen vor allen Dingen die Vorgänge, welche über Geburt und Tod hinausreichen. Aber Eindruck machen auf die Kultur unserer Zeit kann für denjenigen, der klar und unbefangen schaut, nur das, was nach dem Muster naturwissenschaftlicher Denkweise vor die Zeit hintritt. Man sah gewiß manches über allerlei seelische Fragen -man möchte heute schon sagen - auf dem geistigen Markte erscheinen. Man sah vieles, was wahrhaftig recht fern stand und steht von gewissenhafter, an der Naturwissenschaft herangebildetem Denkmethode; aber man konnte sich sagen:
Solche Dinge mögen durch die Leichtfertigkeit, durch die Bequemlichkeit des zeitgenössischen Denkens manchmal da oder dort eine Weile Eindruck machen, von irgendeiner Dauer kann ein solcher Eindruck nicht sein, denn selbst die Bequemsten werden sich zuletzt fragen:
Was kann das an der Naturwissenschaft herangebildete gewissenhafte Den­ken zu demjenigen sagen, was über die geistige Welt an­geblich erforscht ist?
So stellte sich denn auch für die Seelenforschem das Be­dürfnis ein, ganz nach dem Muster der Naturwissenschaft zu forschen. Man möchte sagen eine Art Idealbild, das nur nicht zu Ende gekommen ist, ist
die Psychologie, die Seelenlehre des auch hier schon erwähnten Franz Brentano, die auf viele Bände berechnet gewesen ist. Von allen diesen Bänden ist aber nur ein einziger erschienen, der erste, im Frühjahr 1874. Und obwohl versprochen war, daß der nächste Band schon im Herbste desselben Jahres erscheinen sollte, ist er doch bis heute nicht erschienen.
Brentano ging nicht nach dem Muster demjenigen Seelen-forscher vor, von denen das letztemal gesagt worden ist, daß sie ganz ausschließen die großen Fragen zum Beispiel nach dem Wesen des Wechsels von Schlaf und Wachen, die Frage nach der Unsterblichkeit dem Menschenseele und
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dergleichen, sondern er wollte alle diese Fragen ganz nach dem Muster dem strengen naturwissenschaftlichen Methodik behandeln. Er scheiterte.
Und warum scheiterte er? Franz Brentano konnte sich nie entschließen, denjenigen Weg zu gehen, der sich gerade dadurch als der für die Gegenwart notwendige gezeigt hat, daß ein solchem Geist wie Brentano gescheitert ist, nachdem er ihn nicht hat gehen wollen. Die­ser Weg ist in den verflossenen Vorträgen und besonders das letztemal charakterisiert worden. Von diesem Wege wurde gezeigt, wie er allein geeignet ist, uns in die höheren Gebiete, in die geistigen Gebiete des Daseins hineinzuführen, in das, was auch über Geburt und Tod hinausreicht. Franz Brentano konnte sich nicht entschließen, diesen Weg zu gehen. Daß man ihn gehen muß, wenn man an ein Ende, an ein Ziel kommen will, das hat er förmlich dadurch nega­tiv bewiesen, daß seine Seelenlehre beim ersten Bande ge­blieben ist, der noch nichts zu tun hat mit all den eben genannten großen Fragen, daß er noch nicht herankommen konnte an die großen Fragen, wie er es wollte.
Ich versuchte, Ihnen ein Bild zu geben von dem geistigen Leben der achtziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts, in das hineinversetzt war, wer damals seinen Weg in die geistigen Gebiete hinein suchte. Wenn man alles, was jetzt genannt worden ist, auf sich wirken ließ, so konnte man nicht so ohne weiteres mit den damals auftauchenden, zu­nächst sporadischen Erzeugnissen der aufkeimenden Geistes­wissenschaft gehen. Ich will da nur zunächst aufmerksam machen, wie nicht nur mitten in die naturwissenschaftliche Forschung selber, sondern auch in die naturwissenschaftliche Erziehung der Zeit ein Werk hineinfiel etwa wie der «
Eso­terische Buddhismus» von A. P. Sinnett.
Ich will jetzt nicht die Titelfrage besprechen, daß hier Buddhismus nichts zu tun hat mit dem Buddha und dem
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Buddhismus, wie er als religiöses Bekenntnis gemeint ist, sondern bemerken, daß mit diesem Buche, welches in deut­schen Gegenden in den achtziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts bekannt wurde, zunächst gegeben war eine Übersicht der Welterscheinungen, des großen Ganges der kosmischen Ereignisse und auch der Fragen, welche sich an das Wesen des Menschen anknüpfen, wie auch an die Be­ziehungen über ein Leben, das über Geburt und Tod hin­ausgeht. Was in diesem Buche mitgeteilt war, konnte zu­nächst frappierend wirken. Denn wer den Blick auf geistige Dinge hinwendete, konnte als solcher mit manchem, was da in dem Sinnettschen «
Esoterischen Buddhismus» stand, in gewisser Beziehung sich einverstanden erklären. Manches widersprach durchaus nicht dem, was man denken konnte und denken durfte, auch wenn man streng auf naturwissen­schaftlichem Boden stand. Aber eines widersprach der da­maligen naturwissenschaftlichen Erziehung, eines machte, daß man dieses Buch zwar als eine interessante Zeiterschei­nung nehmen konnte, sich aber unmöglich so ohne weiteres mit ihm einverstanden erklären konnte: daß dieses Buch in der ganzen Art der Darstellung, in der Zusammenfassung der Dinge und in der Art, wie diese Dinge zum Beispiel aus ihren Quellen hervorgeholt wurden, in nichts gerecht­fertigt dastand vor der strengen naturwissenschaftlichen Erziehung und Wahrhaftigkeit, und daß ein naturwissen­schaftlich Erzogener, wenn er noch so sehr mit den einzelnen Ergebnissen und Mitteilungen dieses Buches einverstanden war, sich doch von der ganzen Art der Darstellung abge­stoßen fühlen mußte.
Ebenso ging es mit manchem anderen Werke, das auf diesem Gebiete erschien. Es ging sogar so mit dem Buche der mit einem gewissen Recht berühmten
H. P. Blavatsky' das dann am Ende der achtziger, am Anfang der neunziger
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Jahre erschien: «
Die Geheimlehre». Wer es mit diesen Din­gen zu tun hatte, konnte sich sagen: Ein tiefgmündiges Wis­sen und Erkennen über geistige Dinge findet sich in diesem Buche, aber die ganze Art dem Darstellung ist so chaotisch, so untermischt mit naturwissenschaftlichem Dilettantismus, der sich namentlich in der Bekämpfung naturwissenschaft­lichem Theorien und Hypothesen dartut, daß der natur­wissenschaftlich Erzogene mit diesem Buche durchaus nicht mitgehen kann.
So stellte sich gleichsam zweierlei heraus: Für einen, der Herz und Sinn hatte für den Bestand einer geistigen Welt, gab es auf dem einen Seite die naturwissenschaftliche Denk­art, die ganze naturwissenschaftliche Vorstellungsweise. An dem konnte er seine wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit heranerziehen, an der konnte er sich freimachen von allem Dilettantismus, wenn er sich ernstlich darauf einließ. An dem konnte er aber auch lernen, wie man streng forscht über das Tatsächliche, und wie man durch solches Forschen über das Tatsächliche zu gesicherten Ergebnissen gelangt, die real ins Leben eingreifen, die begründend sind nicht nur für eine Theorie, sondern für die Tatsachen des Lebens. Auf der anderen Seite aber konnte sich ein solcher sagen: Da, wo man aber aus der Naturwissenschaft selber auch etwas für eine geistige Interpretation der Lebenserscheinungen zu gewinnen sucht, da, wo die Naturwissenschaft gerade durch sich selber dies versucht, läßt sich wenig aus ihr heraus­pressen für das Geistige, um so weniger, je strenger sie auf dem Gebiete des Tatsächlichen vorgeht. - Daher war wohl für einen solchen, der so zur Sache stand, Veranlassung vorhanden, ein wenig zurückzublicken auf die Entwick­lungsgeschichte der Menschheit. Da konnte er erfahren, daß, selbst wenn man von geisteswissenschaftlicher Forschung absieht, in den verschiedenen geistigen Urkunden der Völ­ker
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und der Epochen etwas aufgesammelt ist, etwas rein äußerlich dokumentarisch daliegt, das einen grandiosen gei­stigen Wissenskern in sich schließt, was, wenn man es ge­nauem ansieht, nicht leicht zu nehmen ist, sondern je mehr man sich in dieses Aufgesammelte vertieft, desto mehr bietet es des Einleuchtenden über das geistige Leben, selbst wenn man nicht herankann an die Art und Weise, wie es dar­gestellt ist, oder auch an die Art und Weise, wie es gefun­den sein muß nach dieser Art der Darstellung.
Nur für den, welcher oberflächlich zu Werke geht, kann etwa das, was da alte ägyptische oder chaldäische Weisheit enthält, nur eine Summe von menschlicher Träumerei sein. Wer tiefer darauf eingeht, wird nicht Träumereien finden, sondern wird tatsächlich ersehen, wie Einleuchtendes über die Natur des Geistes und seine Wirksamkeit in diesen Dingen in mancherlei für die heutige Zeit grotesk aus-schauenden Formen enthalten ist. Und ebenso, wie bei der ägyptischen oder der chaldäischen Weisheit, stellt sich dies insbesondere für die alte indische Weisheit heraus, soweit sie überliefert ist. Freilich wird man so etwas wie die in­dische Weisheit mit dem grandiosen bedeutsamen Eindrucke, den sie auf jeden machen muß, nicht etwa ansehen dürfen mit dem Auge eines modernen Philosophen, wie zum Bei­spiel
Deußen, sondern man wird sich unbefangen hinein-versetzen müssen in das von innen aus Einleuchtende in Bezug auf gewisse geistige Zusammenhänge. Aber eines kann auffallen: aus der Art und Weise, wie das Ganze dargestellt ist, zeigt sich, daß ein geistiges Wissen jener Art, wie es uns da entgegentritt, nicht auf dieselbe Weise und nicht durch eine solche Methode gewonnen ist wie unsere heutigen Forschungsmethoden sind, durch welche die Naturwissenschaft von Triumph zu Triumph schreitet. Wenn man nur genug Unbefangenheit hat, um auf der
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einen Seite die Naturwissenschaft sicher anzuerkennen und um auf der anderen Seite sich auf das einzulassen, wie aus den alten Zeiten eine geistige Errungenschaft und ein gei­stiges Wirken herübertönen, dann wird man schon das Überwältigende an lichtvollen Einsichten in das geistige Leben auf sich wirken lassen können und wird auch zu­gleich ersehen, wie so ganz anders die Methoden gewesen sein müssen, mit denen jene geisteswissenschaftlichen Er­kenntnisse in uralten Zeiten gewonnen worden sind.
Nun zeigt uns gerade wieder die Geistesforschung selbst, wie ganz anders das gewonnen ist, was wir im rechten Sinne zum Beispiel uralt-indische Weisheit nennen können, die bis tief in das Wesen der Dinge eindringende Erkennt­nisse uns anzeigt. Da finden wir, daß jene Weisheit nicht durch die äußere Beobachtung gewonnen ist, nicht durch jenes Denken, das wir heute als naturwissenschaftliches bezeichnen, sondern auf eine ähnliche Art von seelischer Selbsterkenntnis, wie wir sie auch hier für die modernen Zeiten charakterisieren konnten. Yoga-Methoden, Selbst­erziehungs-Methoden der Seele wurden angewendet. Die führten die Seele dahin, nicht nurmehr bloß so zu schauen und wahrzunehmen und zu erkennen, wie man im gewöhn­lichen alltäglichen Leben wahrnimmt und erkennt, sondern in sich aufgehen zu fühlen höhere Erkenntniskräfte, welche hineinschauen können in die geistigen Welten, die sich um uns herum eröffnen, wenn wir nur für sie in uns die Or­gane erschließen. Aber für das Dasein innerhalb des physi­schen Lebens ist alles, was uns als Seelenbetätigungen ent­gegentritt, doch in einer gewissen Weise an das Instrument des physischen Leibes gebunden. Und nun zeigt uns eine geistige Forschung, wie das alte indische Forschen in anderer Weise selbst an das Instrument des physischen Leibes ge­bunden war als unser heutiges Forschen, wie es in der Naturwissenschaft
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gang und gäbe ist. Die Naturwissenschaft forscht heute durch die Sinne und durch den Verstand, der an das Instrument des Gehirnes gebunden ist.
Wozu brachte die Yoga-Methode den Menschen? Wozu sie ihn brachte, kann hier nur kurz angedeutet werden, weil wir uns nur über die Beziehungen von Naturwissenschaft und Geistes­wissenschaft orientieren wollen.
Yoga-Methode brachte den Menschen dazu, zunächst bis zu einem gewissen Grade das Denkinstrument des Ge­hirnes auszuschalten, sogar alles das auszuschalten, was das übrige höhere Nervensystem vermittelt. Zum Instrumente jenes streng innerlichen Schauens in den Yoga-Methoden wurde gerade derjenige Teil des menschlichen Nerven­systems gemacht, der uns heute in der Naturwissenschaft wie ein untergeordneter Teil erscheint, der aber im engsten Sinne an die Verrichtungen des menschlichen Organismus selber gebunden ist, das, was wir mit dem Sonnengeflecht und mit dem sympathischen Nervensystem bezeichnen. Wie unser heutiges naturwissenschaftliches Forschen an das höhere Nervensystem gebunden ist, so waren jene alten Erleuch­tungsmethoden an dasjenige Nervensystem gebunden, das wir heute sogar in einem gewissen Sinne als ein niedriges betrachten. Aber weil dieses untergeordnete Nervensystem an die Daseinskräfte und an die Lebenskräfte gebunden ist und innig mit dem zusammenhängt, wodurch der Mensch selber in das göttlich-geistige Dasein eingetaucht ist, weil es also mit den Quellen des Menschendaseins zusammen­hängt, so erkannte man mit Hilfe dieses Instrumentes nicht nur das Hereinleuchten des Geistigen in den menschlichen Organismus; sondern wie man mit dem Auge hineinschaut in die Lichteswelten, so schaute man mit dem Instrument des sympathischen Nervensystems in die Geisteswelten hin­ein, erblickte in ihnen konkrete Tatsachen und Wesenheiten.
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Wer zu verstehen vermag, wie ein so in seine eigenen Tiefen, selbst dem Instrumente nach, eindringender Mensch sich zum Universum zu stellen vermag, der versteht auch, wie jene uralte orientalische Weisheit zu uns herüber ge­kommen ist. Wenn wir die alten Weistümer verfolgen, so finden wir sie überall entdeckt, an die Oberfläche des menschlichen Denkens kommen durch alte Forschungs­methoden, durch alte Yoga-Methoden. Bei den verschieden­sten Völkern finden wir die verschiedensten Weistümer, und wir dringen, wenn wir uns nur mit ihnen abgeben, immer mehr und mehr in ihre Tiefen ein und erkennen, wie die Menschen zu ihnen gekommen sind in jenen Zeiten, in denen sie von dem heutigen physischen Astronomie, Anatomie, Physiologie und so weiter verhältnismäßig wenig gewußt haben. Wie es eigentlich im physischen Leibe des Menschen aussieht, hatte man in der alten indischen Weisheit nicht gewußt, so wie man es heute weiß; aber man hat sich in eine Betätigung des Organismus versetzen können durch Anwendung des tieferliegenden Nervensystems. Und so war es auch bei anderen Völkern.
Nun kann man, indem man sozusagen den Blick schwei­fen läßt über alles, was bis ins sechste Jahrhundert der vor-christlichen Zeitrechnung hinein als solche alte Weistümer wirksam war, hemaufdringen bis eben, zum Beispiel, in die alten griechischen Zeiten hinein. Da finden wir, von allem übrigen abgesehen, einen überragenden Denker, einen Den­ker, der ebenso oft nach dem Guten wie nach dem Bösen hin mißverstanden worden ist:
Aristoteles, der nur wenige Jahrhunderte vor der Begründung des Christentums tätig war. Merkwürdig erscheint er uns noch heute. Wenn wir ihn so durchnehmen, dann finden wir bei ihm zuerst auf vielen Gebieten etwas von dem, was man heute Natur­wissenschaft nennt. Denn in den alten Weistümern ist Naturwissenschaft
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im heutigen Sinne nicht vorhanden. Zu dem, was Aristoteles zum Naturwissenschaft geliefert hat, haben sich noch im neunzehnten Jahrhundert Leute, die streng auf dem Boden und nur auf dem Boden der Naturwissen­schaft stehen wollen, im allerlobendsten Sinne ausgespro­chen. So finden wir also bei Aristoteles die Ausgangspunkte dessen, was auch heute naturwissenschaftliches Forschen ge­nannt werden kann. Daneben finden wir bei ihm eine aus­gebildete Lehre von der menschlichen Seele.
Nicht auf die Einzelheiten seiner Seelenlehre soll ein­gegangen werden, sondern es soll nur darauf aufmerksam gemacht werden, wie sich die Lehre von der menschlichen Seele bei Aristoteles stellt zu dem, was aus älteren Zeiten über die menschliche Seele und ihren Zusammenhang mit den großen geistigen Welten herüberleuchtet. Man versteht nur, was
Aristoteles über die Seele geschrieben hat, wenn man sich klar ist, daß das alles bei ihm gegeben ist als Über­lieferung alten, uralten, auf die eben gekennzeichnete Art gewonnenen Denkens. Aristoteles ist nicht mehr bekannt mit den Forschungsmethoden der alten Zeiten; die liegen ihm ferner. Was er aber sagen konnte über die Gliederung, über die Einteilung der menschlichen Seele, über den Unter­schied von dem, was von der menschlichen Seele nur an den physischen Leib gebunden ist und so auch an den Tod, von dem, was nach dem Durchschreiten des Todes an einem gei­stigen Leben in der Ewigkeit teilnimmt, was Aristoteles über dieses alles zu sagen vermag, das ist wie ein Überkommenes aus alten Zeiten, das er dem Inhalte nach kennt, das er so bekommen hat, daß er sagen konnte: es leuchtet meinem Verstande ein. Aber die einzelnen Glieder kennt er nur mehr, was er zum Beispiel da die vegetative Seele, die Geist-seele und so weiter nennt. Wie die einzelnen Glieder mit der geistigen Welt zusammenhängen, das weiß er nicht mehr.
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Er kann die einzelnen Teile aufzählen, dem Verstande nach beschreiben und klassifizieren, kann sie auch für den Ver­stand einleuchtend machen, aber er kann nicht mehr zeigen, wie diese menschlichen Seelenteile mit der geistigen Welt zusammenhängen.
Aristoteles Art ging dann auf die späteren Zeiten über. Die Naturwissenschaft wurde immer ausgebildeter. Es gab ja natürlich den mittelalterlichen Tiefstand und die neue Morgenröte der Naturwissenschaft im Beginne der neuen Zeit, aber wenn man davon absieht, kann man sagen, die Naturwissenschaft wurde immer ausgebildeter und ausge­bildeter.
Worauf beruht nun des Menschen Verhältnis zur Natur­wissenschaft und zu den Gegenständen der Naturwissen­schaft? Denken wir uns, wenn dem Mensch mit seinen Sinnen allein wäre, wenn er nicht seine Sinne öffnen, gleichsam an­gliedern könnte an die Reiche der Natur, die um uns herum ausgegossen sind, was wäre dann das einzelne menschliche Leben ohne die Eingliederung in die Natur? Betrachten wir die Sache ganz elementar. Wir könnten unsere Augen, wenn wir sie nicht mit der Natur in Verbindung setzen könnten, vielleicht drücken und würden dadurch etwas haben können, was wie ein Aufglänzen der innerlichen Lichterscheinung wäre. Aber vergleichen Sie das armselige innere Leben in der ganzen physischen Welt, welches der Mensch nur durch sich selber haben könnte, wenn er sich nicht mit den Reichen der Natur in Verbindung setzen könnte. Vergleichen Sie es mit dem reichen Leben, das sich eröffnet, wenn der Mensch seine Augen und die übrigen Sinnesorgane den Reichen der Natur und ihren Eindrücken öffnet. Wir sind Menschen, indem wir nicht nur in uns leben, sondern die Organe den Reichen der Natur eröffnen, die um uns ausgegossen sind, und indem wir mit diesen Reichen in Wechselwirkung stehen.
#SE062-205
16:55
Wüßten wir nur das, was das Auge, was die übrigen Sinnes­organe für sich erzeugen können, wie arm an Inhalt wären wir als Menschen hier in der physischen Welt! Damit ist zu vergleichen, was das Seelenleben allmählich wurde in den Zeiten, in welchen die Naturwissenschaft gerade her­aufkam und von Triumph zu Triumph führte.
In Bezug auf das Seelenleben wurde sozusagen das, was
Aristoteles gegeben hatte, fortgesetzt. Man beschäftigte sich nur mit der Betrachtung der Seelenerscheinungen selber. Das aber ist so, wie wenn man die Sinne nur in sich selber tätig sein ließe - und bis herauf in unsere Zeit macht es die offizielle Seelenwissenschaft so. Bis in unsere Zeit ist nichts anderes Inhalt der offiziellen Seelenwissenschaft als das, was sich vergleichen läßt mit der bloßen Innentätigkeit unserer Sinnesorgane oder unseres Gehirnes, wenn die Ge­danken des Gehirnes nicht in die Weltenweiten hinaus gerichtet sind. Aber wir haben schon in den verflossenen Vorträgen gesehen, wie durch die Methoden der Geistes­wissenschaft, und das war auch bei der alten Geisteswissen­schaft der Fall, die Seele nach oben hin an geistige Reiche angegliedert wird, die ebenso konkret und innerlich ge­staltet sind, wie in der physischen Welt die Reiche um uns herum, an die die Sinnesorgane angegliedert sind.
Diese geistigen Reiche, diese ganz konkreten geistigen Tatsachen und Wesenheiten waren für eine gewisse Zeit, welche gerade das äußere naturwissenschaftliche Forschen heranreifen lassen sollte, nicht zugänglich, und so verarmte die Erkenntnis des Seelenlebens immer mehr, weil der gei­stige Ausblick nach den konkreten Bestätigungen dem gei­stigen Weh fehlte. Die Seele erforschte man allenfalls noch in ihrem Innenleben, wie es noch in den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts
Franz Brentano getan hat, wie Sie sich aus seiner «Psychologie» überzeugen können.
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16:57
Aber seine Erforschung ist so, wie wenn man das Auge nur in Bezug auf das erforschen würde, was es durch sich selbst kann, und nicht in Bezug auf das, was es vermag, wenn es hinausgerichtet ist auf die Tatsachen dem Natur.
Nun darf man sagen: Gerade durch das immer genauere Hinblicken auch auf die physischen Vorgänge des Menschen wurde der Blick abgelenkt von den geistigen Welten, mit denen die Seele zusammenhängt. - Die Seele hängt ja auf der einen Seite mit diesen geistigen Welten zusammen, welche sie aufnehmen, wenn sie durch die Pforte des Todes ge­schritten ist, oder wenn sie durch den Schlaf in eine andere Welt eintritt. Aber die Seele hängt mit der physischen Welt durch ihre Organe zusammen, durch das gesamte Nerven­system und durch den gesamten Blutumlauf. Dadurch, daß die Naturwissenschaft in ihren Methoden immer bedeut­samer geworden ist, wurde der Blick des Menschen auf jenen Zusammenhang der Seele hingelenkt, der sich ergibt zwi­schen dem Seele und den physischen Zusammenhängen. Die Ergebnisse der Naturwissenschaft waren in diesem Beziehung so grandios, daß es die Menschen ganz erfüllte, zum Bei­spiel das, wie sich die Seele auslebt in ihren Zusammen­hängen mit dem Blutkreislauf und so weiter. Jeder neue Triumph der Naturwissenschaft war in einer gewissen Weise dem Hinlenken des Blickes der Seele auf den Zusammen­hang mit der geistigen Welt abträglich.
Noch etwas anderes gilt sogar. Wer eine Uhr kennen­lernen will, wird sie in ihrem ganzen Organismus schlecht kennenlernen, wenn er sagt: Da sehe ich, wie die Zeiger der Uhr vorrücken, da wird vielleicht ein kleinem Dämon dar­innen sitzen, welcher die Zeiger vorwärts bewegt. - Wenn ein Mensch, der so etwas sagt, sich noch so erhaben fühlte über den, welcher bloß den Mechanismus der Uhr studiert, so würde man ihn auslachen, denn die Uhr lernt nur kennen,
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16:58
wer ihren Mechanismus wirklich studiert. Und ein anderes wieder ist es, zu dem Mechanismus der Uhr das Geistesleben des Uhrmachers oder desjenigen kennenzu­lernen, der die Uhr erfunden hat. Beide Wege kann man gehen: den mechanischen Gang des Uhrwerkes untersuchen und den menschlichen Gedankengang kennenlernen, dem zur Erfindung der Uhr geführt hat. Unsinnig aber wäre es, wenn jemand auf irgendwelche Dämonen schließen wollte, die das ganze Uhrwerk in Bewegung bringen.
Das ging nun dem Menschheit allmählich für die Mensch­heitsforschung verloren, was bei der Uhr entsprechen würde dem Verfolgen des geistvollen Mechanismus bis in die Ge­danken des Erfinders hinein. Denn der Menschenseele würde es entsprechen, die Gedanken bis zu den Wesenheiten der geistigen Welt zu verfolgen. Dafür ging sie in der Natur­forschung im Triumph von Tatsache zu Tatsache, also zu dem, was dem «Uhrwerk» entspricht. Und man kann eine interessante Bemerkung machen: es gehen nämlich gleich­zeitig die Erkenntnisse, die noch von alten Zeiten her über-liefert sind, der Menschheit gewöhnlich in denjenigen Epo­chen verloren, in denen eine betreffende Erkenntnis genau naturwissenschaftlich untersucht werden kann. Merkwürdig:
am Ende des sechzehnten, am Anfange des siebzehnten Jahr­hunderts sehen wir, wie noch dem Philosoph
Cartesius eine gewisse Vorstellung davon hat, daß ein Geistähnliches beim Menschen vom Herzen nach dem Kopfe, nach dem Haupt des Menschen wirkt. Cartesius spricht noch von gewissen Lebensgeistern, die nicht physischem Natur sind, sondern deren Kräfte zwischen Herz und Kopf spielen. Dann sehen wir, wie eine solche Erkenntnis immer mehr und mehr im Geistesleben der Menschheit verschwindet.
Wer sich fragt, warum das so ist, kann folgende Antwort bekommen. Da sehen wir, geschichtlich gleichzeitig mit diesem
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17:00 PAUSA 17:05
Vemschwinden der Erkenntnis geistiger Vorgänge, welche sich auf das Herz beziehen, die Erkenntnis des physischen Organismus des Herzens und des Blutumlaufes heraufkom­men. Am Anfange des siebzehnten Jahrhunderts sehen wir zuerst, wie der englische Arzt Harvey seine Entdeckung des Blutumlaufes veröffentlicht, und wie
Marcello Malpighi in Bologna zuerst als Anatom an dem Blutkreislauf des Frosches zeigt, wie kunstvoll dem ganze Blutumlauf ist. So wurde der Blick hingelenkt auf den Sinnesvorgang. Das Wissen um die geistigen Tatsachen wurde sozusagen hin­untergedrängt durch die genaue Erkenntnis des Sinnesvor­ganges. Während es für die Naturwissenschaft einen Triumph bedeutet, daß der 1624 geborene Francesco Redi den Satz aufstellt, der mit vielen Behauptungen der früheren Zeit in Widerspruch stand, «alles Lebendige stammt aus Leben­digem», während dieser Satz ein Triumph ist, können wir sagen: Indem die Menschheit dahin kam, das Organische als solches bis auf den Keim zurückzuführen, bis auf das physisch Unbestimmte des organischen Keimes, kam ihr abhanden, wie das Geistige selber, unabhängig von dem organischen Keime, in die Entwickelung eingreift. Es ging der Menschheit das Verständnis für den geistigen Keim ver­loren. So war es Stück für Stück. Je mehr die Naturwissen­schaft erobernd heraufzog, desto mehr ging der Blick für die geistige Welt verloren.
Solche Dinge sind nicht irgendwelche Zufälligkeiten, sind auch nicht etwas, was man tadeln oder kritisieren darf, son­dern es sind notwendige Entwickelungsvorgänge der ganzen Menschheitsgestaltung. So muß es sein. Oftmals, während das eine heraufgeht und sich nach der Höhe entwickelt, geht das andere hinunter. Was wir heute gerade an der Naturwissenschaft bewundern, ja, für notwendig erkennen, das stellt sich uns, wenn wir wirkliche Kenner der naturwissenschaftlichen
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Entwickelung sind, so dar, daß wir sagen: Die Geisteswissenschaft hat nicht die geringste Veranlassung, die Naturwissenschaft, wenn sich diese in ihren Grenzen näh, irgendwie zu bekämpfen, hat auch nicht Veranlassung, über die Einseitigkeit der Naturwissenschaft zu klagen. Denn nur dadurch, daß man nicht allerlei Spekulationen in die naturwissenschaftliche Forschung eingemischt hat, sondern den Blick ruhig auf die physisch-sinnlichen Vorgänge hin-gewendet hat, sind die großen Errungenschaften der Natur­wissenschaft bis heute zustande gekommen. Ja, man kann gerade in der Morgenröte des neueren Geisteslebens ver­folgen, wie nur durch den Widerstand gegen den Aristote­lismus, auch wieder gegen das inhaltlich Berechtigte des Aristotelismus, solche Geister wie
Galilei oder Giordano Bruno zu ihren Erfolgen gekommen sind, indem sie ab­lehnten, irgendetwas anderes in ihre Forschungen einzu­mischen, als was sich vor ihren Sinnen ausbreitete und lehr­reich genug war.
Heute muß der geisteswissenschaftliche Forscher dem naturwissenschaftlichen Forscher so gegenüberstehen, daß er sagt: Je mehr die naturwissenschaftliche Forschung selber reingehalten wird von allem Spekulieren und allem Philo­sophieren, je mehr man den Blick rein hinwendet auf die Tatsachen und nicht allerlei geistige Essenzen erfindet, son­dern nur nimmt, was man rein tatsächlich erforschen kann, desto besser ist es für die Naturwissenschaft. Gerade der geisteswissenschaftliche Forscher möchte eintreten für die Reinerhaltung der naturwissenschaftlichen Tatsachen von allem naturwissenschaftlich oder geisteswissenschaftlich er-spekulierten Gerede. Deshalb kann man heute auf der einen Seite gerade geisteswissenschaftlicher Forscher sein und auf der anderen Seite eintreten für die Echtheit und Begründet­heit der naturwissenschaftlichen Forschung. Und es ist nur
#SE062-210
17:19
ein Vorurteil, wenn man glaubt, daß sich der Geistesfor­scher gegen die Naturwissenschaft zu wenden habe.
Etwas anderes ist es, wenn es sich um zahlreiche, schon an die Geisteswissenschaft herandringende Theorien han­delt, die man aus naturwissenschaftlichen Theorien ableiten möchte. Da betritt der naturwissenschaftliche Forscher selber die Bahn der Geisteswissenschaft, auf der er sich in den meisten Fällen nur sehr wenig auskennt. Aber eines bleibt denn doch, auch für die Geisteswissenschaft und Geistesforschung, von dem naturwissenschaftlichen Erkenntnis: das ist die schon vorhin charakterisierte gewissenhafte Methode, der gewissenhafte Wahrheitssinn, von dem wir öfter in den verflossenen Vorträgen sprachen und ihn auch charakteri­sierten, das Stehenbleiben bei den Tatsachen.
Wie ergeben sich diese Tatsachen? Wir haben es gesehen:
Dadurch, daß sich gewisse Kräfte in der menschlichen Seele erschließen, die von dieser Seele aus ebenso den Zusammen­hang mit den höheren Weiten ergeben, wie die Sinne den Zusammenhang mit der physischen Welt ergeben. Wie die Sinne die Tatsachen der physischen Welt ergmünden und diese stehenlassen sollen, sie nicht durch Spekulationen ver­derben sollen, so handelt es sich darum, nicht über die Er­gebnisse der hellsichtigen Beobachtung zu philosophieren und zu spekulieren, sondern sich auch hier auf den strengen Standpunkt der Tatsachen zu stellen. Dann steht man zwar ganz strenge auf dem Standpunkte der Geisteswissenschaft, aber ganz ähnlich auf ihrem Gebiete, wie man in Bezug auf die Naturwissenschaft auf deren Boden sicher steht. Das ist die Art von Geisteswissenschaft, wie sie hier vertreten ist.
Das ist es, um was es sich auch allein bei einer Geistesforschung handeln kann, die sich verantwortlich fühlt ge­genüber den geistigen Bedürfnissen unserer Zeit. Und das stellt sich auch bei strenger naturwissenschaftlicher For­schung
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17:20
gegenüber den Tatsachen, welche der Geisteswissen­schaft vorliegen, sofort ein, wenn die Naturwissenschaft, sich selbst verstehend, an ihre Grenze gelangt.
Da ergeben sich wieder, mein aus den Tatsachen heraus, ganz merkwürdige Resultate. Ich möchte da nur an das erinnern, was sich ergibt, wenn wir die Anschauungen des großen Natumforschers Du Bois-Reymond nehmen, wie er sie in seinen Reden ausgesprochen hat. Die bedeutendste Rede war vielleicht die über die «Grenzen des Naturerkennens», die er auf der fünfundvierzigsten Versamm­lung Deutscher Naturforscher und Ärzte in Leipzig am
14. August 1872 gehalten hat. Darin findet sich eine Stelle
- und ich weiß noch, welchen tiefen Eindruck beim ersten Auftreten diesem Rede diese Stelle damals auf mich als ganz jungen Menschen gemacht hat -, eine Stelle, die etwa sagt:
Wenn wir den Menschen vor uns haben in seinem tagwachen Leben, so kann die Naturwissenschaft nichts darüber aus­sagen, wie sich aus der Regsamkeit seinem kleinsten Gehirn-teile Empfindung, Vorstellung, Wunsch, Leidenschaft oder Affekt ergibt. «Welche denkbare Verbindung besteht zwi­schen bestimmten Bewegungen bestimmter Atome in mei­nem Gehirn einerseits, andererseits den für mich ursprüng­lichen, nicht weitem definierbaren, nicht wegzuleugnenden
Tatsachen: , und der ebenso unmittelbar daraus fließenden Gewißheit: - Es ist eben durchaus und für immer unbegreiflich, daß es einer Anzahl von Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Stick­stoff-, Sauerstoff- usw. Atomen nicht sollte gleichgültig sein, wie sie liegen und sich bewegen, wie sie lagen und sich be­wegten, wie sie liegen und sich bewegen werden.»
Das Seelenleben im wachen Zustande des Menschen auf naturwissenschaftliche Weise zu begreifen, hielt
Du Bois­ - Reymond
#SE062-212
17:23
für unmöglich. Daher sagte er: Wenn wir den schlafenden Menschen vor uns haben, in welchem das Leben der Empfindungen, der Vorstellungen, Wünsche, Affekte, Leidenschaften ausgelöscht ist, dann können wir den schla­fenden Menschen naturwissenschaftlich erklären; dann haben wir etwas vor uns, was wir nennen können eine Regsam­keit, eine innere organische Tätigkeit. Sogleich aber, wenn mit dem Aufwachen in diesen Organismus Leben einschlägt, Empfindung, Wunsch, Vorstellung und so weiter, wird das anders. Dann läßt sich naturwissenschaftlich dieses Leben, dieser Seeleninhalt nicht aus dem erklären, was der Naturwissenschaftler erkennen kann. Der schlafende Mensch, meint
Du Bois-Reymond, sei naturwissenschaftlich begreifbar, der wachende nicht.
Das auf der einen Seite. Lesen Sie auf der anderen Seite die neueren Abhandlungen über das Wesen des Schlafes:
Sie werden überall eingestanden finden, daß die Natur­wissenschaft sozusagen über die Gründe des Schlafes nichts zu sagen weiß, daß sie nichts über den schlafenden Men­schen zu sagen weiß, der nach Du Bois-Reymond doch er­gründbar sein sollte. Wir sehen so auf der einen Seite Hin­weise auf den glänzenden Gang der Naturwissenschaft, die aber dann ihre Grenze in dem eingesteht, daß der wachende Mensch mit seinem Seelenleben naturwissenschaftlich nicht durchschaubar sei. Auf der anderen Seite aber haben wir, wie in unseren Tagen, das Geständnis, daß
der Schlaf des Menschen bis heute nicht erklärbar ist. Warum nicht? Des­halb nicht, weil dem Schlaf in diejenigen Gebiete gehört, wo der Geist in das gewöhnliche Leben hereinspielt, weil wir den Schlaf nicht erklären können, wenn wir nicht das Wachen erklären können.
Ich habe in einem der ersten Vorträge dieses Winter-halbjahres darauf hingewiesen, wie man allenfalls natur- wissenschaftlich
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17:36
einen Mechanismus ersinnen kann, der selbsttätig, automatisch nach einer gewissen Zeit den Drang hervorruft, das Bewußtsein und die Sinnestätigkeit auszu­schalten, um die Ermüdung fortzuschaffen. Aber wie gesagt, wenn man sich darauf beschränken will, daß der Schlaf durch eine Art von selbständigen Vorgängen des Organis­mus herbeigeführt wird, die wie automatische vor sich gehen, dann hat man keine Erklärung bei jenem Rentier, der nicht gearbeitet hat und doch seinen Nachmittagsschlaf hält, und wir haben auch keine Erklärung für den Schlaf bei dem kleinen Kinde, das am meisten schläft. Dagegen habe ich darauf aufmerksam gemacht, daß dem Schlaf nur erklärbar ist, wenn wir voraussetzen, daß wir bei dem schlafenden Menschen nur den
physischen Leib und den Ätherleib im Bette liegend haben, und daß sich mit dem Einschlafen ein eigentlich Geistiges, nämlich astralischer Leib und Ich, aus der Wesenheit des Menschen herausbe­wegt. Was geschieht dadurch, daß während des Schlafes das eigentlich Seelenhafte des Menschen gewissermaßen außer­halb des physischen Leibes und des Ätherleibes ist? Wir werden über diese Dinge noch genauer sprechen. Heute soll nur das Folgende angedeutet werden.
Indem das eigentlich Seelische aus dem physischen Leibe und seinem Beleber herausgeht, wird etwas hervorgerufen, was entgegengesetzt ist der wachenden Tätigkeit der Seele. In der wachenden Tätigkeit ist die Seele rege. Kein Glied bewegt sich, ohne daß es die Seele weiß. Am wenigsten werden Vorstellungen hervorgerufen, ohne daß sich die Seele des Instrumentes des Gehirnes bedient. Die Seele muß regsam sein im Wachzustande. Das Umgekehrte ist im Schlafe der Fall. Da können wir sagen:
Die Seele genießt ihre eigene Leiblichkeit im Schlafleben. Wenn wir nach gei­stiger Forschung vorgehen, haben wir dem Unterschiede
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nach, Seelentätigkeit und Seelengenuß im Wachsein und im Schlafzustande, und wir begreifen die Wechselbeziehung zwischen Seelenarbeit und -regsamkeit und Seelengenuß, der sich in die seelische Regsamkeit ergießen muß, wenn diese in entsprechender Weise fortbestehen will. Jetzt widerlegt uns nicht mehr der Rentier, dem seinen Nachmit­tagsschlaf hält, obgleich er gar nicht müde ist, sondern wir wissen, daß die Seele, wenn sie ihren Leib genießt, über­treiben kann, und daß man schlafen kann, wenn man gar nicht müde ist. Wir verstehen es, wenn wir wissen, wie in gewissen Konstitutionen in übertriebenem Maße der Genuß des Leiblichen erlebt werden kann.
All das wird man verstehen, wenn man den Schlaf vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus sich zu erklären weiß. Das heißt,
es gibt ein Gebiet, wo die Naturwissen­schaft unbeschränkt zu herrschen glaubt, und wo die Geistes­wissenschaft ihr nur insofern hineinzureden hat, als eben der Geist alles, auch die Naturvorgänge durchdringt. Dann aber beginnt ein Gebiet, wo gar nicht mehr das vorliegt, was die Naturwissenschaft erforschen kann, wo zwar Tat­sachen vorliegen, aber solche Tatsachen, die nur dann ge­sehen werden können, wenn das Sehen nicht ein sinnliches Sehen, sondern ein übersinnliches Schauen ist. Wenn die Geisteswissenschaft mit demselben Gewissenhaftigkeit vor­geht und sich gewöhnt, auf ihrem Gebiete so streng zu den­ken wie die Naturwissenschaft auf dem ihrigen, so kann sie gar nicht in Kollision kommen mit der Naturwissen­schaft. Damit aber steht die Geisteswissenschaft auf einem Boden, der in vieler Beziehung dem widerspricht, was sich im Laufe des Geisteslebens der Menschheit allmählich her­ausgebildet hat.
So sehen wir, wie diejenigen, welche als Vorläufer echter Geistesforschung angesehen werden können,
Goethe zum
#SE062-215
17:41
Beispiel, gegen das zu kämpfen hatten, was sich gegen eine geistesforscherische Betätigung ergab. Wir sehen es am klar­sten, wenn wir hinschauen, wie sich
Goethe einmal gewehrt hat gegen Kant. Kant ist es ja, der zunächst festzustellen suchte, wie das Wissen, welches sich in der neueren Zeit herausgebildet hat, an das Instrument des Gehirnes gebun­den ist, sich auf die äußere Erfahrung beschränken muß und nicht hineindringen kann in die Untergründe der Welt, mit denen unser geistig-seelisches Leben zusammenhängt. Daher die strenge Grenze bei Kant zwischen «Wissenschaft» und dem, was er den «Glauben» nennt; und höhere Gebiete sind für Kant nur zugänglich für den Glauben. Daher setzt er an die Stelle des Wissens über eine Welt der Ewigkeit oder des Göttlich-Geistigen einen Glauben, der auf dem «kategorischen Imperativ» bestehen soll. So dekretiert er das, was Wissen sein soll in der Geisteswissenschaft, als einen bloßen Glauben. Aber Goethe sagt in seinem schönen Aufsatze über «Anschauende Urteilskraft» mit Bezug auf Kant:
Kann man schon im geahnten Sinne sich hineinfühlen in eine geistige Region, in welcher das Göttlich-Geistige wur­zelt, aus der das Moralische entspringt, warum sollte der menschliche Geist, wenn er sich in diese geistige Region er­hebt, nicht auch das Abenteuer der Vernunft wirklich be­stehen? - Denn Kant nannte es ein «gewagtes Abenteuer der Vernunft», wenn der Mensch in Gebiete eindringen will, in denen es - nach Kant - ein Wissen nicht geben kann.
Es handelt sich für das abendländische Denken um die Frage:
Wie kommt man aus der Naturwissenschaft hinüber in die Geisteswissenschaft? - Daß man die Naturwissenschaft nicht zu bekämpfen braucht, sondern daß man sie voll an­erkennt, ja, ein treuer Anerkenner ihrer Erfolge sein kann, trotzdem man, ganz nach dem Muster naturwissenschaft­licher Forschung, das menschliche Wissen auf jene Gebiete
#SE062-216
17:48
ausdehnt, mit denen die Seele in ihren geistigen Untergrün­den in denjenigen Impulsen zusammenhängt, die ihr das Leben geben, auch wenn sie den physischen Körper ver­lassen hat und sich wieder anschickt zu einer Neugestaltung einer späteren Körperlichkeit.
Einer wahren Geistesforschung Aufgabe wird es sein, immer mehr und mehr von einem unberechtigten Bespötteln oder Widerlegenwollen der berechtigten Ansprüche der Na­turwissenschaft in unserer Zeit abzukommen. Das wird frei­lich davon abhängen, daß die Geistesforschung auch nur als berechtigt anzuerkennen ist, wenn sie bekannt ist mit dem Stande naturwissenschaftlicher Forschung der Gegenwart, und wenn sie daher nicht in dilettantischer Weise sich gegen das vergeht, was aus der naturwissenschaftlichen Er­ziehung dem Gegenwart heraus in berechtigter Art gefordert werden kann. Wie der Naturforscher aber nicht dabei stehenbleiben kann, daß er nur die innere Natur des Auges, des Ohres, des Wärmesinnes und so weiter untersucht, son­dern wie dem Mensch das, was die Sinne in sich zu erleben vermögen, hinausmichten muß auf die reiche konkrete Um­welt des Physischen, so muß das Seelische erkannt werden, indem die Seele durch Selbsterziehung - durch eine neue Art von Yoga-Schulung, wie sie das letztemal beschrieben worden ist, aber durch eine neue Art, die sich wesentlich von aller alten Art unterscheidet - sich zusammenlebt mit dem, womit sie im Geistigen zusammenhängt, und das dort erst beginnt, wo die naturwissenschaftliche Forschung ihre Grenze hat.
Da haben wir genau das Verhältnis, die Beziehung zwi­schen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft, haben aber auch die Möglichkeit eines wirklichen Bestandes und Friedens und gegenseitigen Verständnisses von Natur­wissenschaft und geisteswissenschaftlicher Forschung. Wenn
#SE062-217
17:50
das, was schon in den verflossenen Vorträgen in dieser Be­ziehung gesagt worden ist, mit dem zusammengehalten wird, was mir heute wieder skizzenhaft über das Verhält­nis von naturwissenschaftlicher und geisteswissenschaftlicher Forschung zu sagen gestattet war, so wird man auch Ver­ständnis gewinnen können für das Berechtigte der geistes-wissenschaftlichen Forschung, und auch Verständnis für die Möglichkeit der Geistesforschung, sich ebenbürtig in unserer heutigen Zeit neben die Naturwissenschaft hinzustellen. Und man wird hoffen können, daß die berechtigten Einwürfe, die berechtigten Bedenken, die heute noch auf Seiten der Naturforscher bestehen, allmählich schwinden, wenn die Naturforschem sehen werden, wie nicht bloß allerlei kon­fuses Zeug, wie auch nicht willkürliche Behauptungen und Aberglaube auf dem Felde der Geistesforschung figurieren, sondern wie die Geistesforschung wohlbekannt ist mit dem, was die naturwissenschaftliche Erziehung der Gegenwart fordert.
Geschieht ein solches, dann wird die Geistesforschung vor dem naturwissenschaftlichen Gewissen dem Gegenwart immer mehr gerechtfertigt erscheinen, und man wird dann auch aus dem, was sich innerhalb der Tatsachen des Geisteslebens ergeben wird, allmählich verstehen können, daß Geistes-forschung wirklich möglich und wirklich berechtigt ist und daß die Einwände gegen Geistesforschung eigentlich in ein Gebiet gehören, dem gegenüber man etwas Ähnliches sagen kann, wie
Goethe einmal in Bezug auf ein anderes Gebiet sagte, nämlich in Bezug auf das Sicherheben über allen Un­verstand und alle Unlogik.
Indem ich die Beziehung des Geistesfomrschers zu den­jenigen, welche als Feinde der geisteswissenschaftlichen For­schung auftreten, zusammenfassen will, möchte ich am Schlusse mit ein paar Worten vergleichsweise an etwas
#SE062-218
17:51
erinnern, was einmal
Goethe in Bezug auf etwas ganz an­deres gesagt hat. Goethe gedachte einer alten griechischen Lehre und Ausführung über die Bewegung, die aber viel-fach noch in die neuere Philosophie hineinspielte, eine Lehre, die da sagt: wenn sich irgendein Gegenstand bewegt, so kann man ihn doch in jedem Augenblicke betrachten, und in jedem Augenblicke, selbst in dem kürzesten Zeitpunkte, ist er in Ruhe. Er ist in Ruhe, wenn auch nur einen Augen­blick. So könnte es gar keine «Bewegung» geben, denn in jedem Zeitpunkte ist ein sich bewegender Körper in Ruhe, hat also keine Bewegung. So ist der zenonische Schluß dem Bewegung, und so spukte herauf das Griechentum bis in die neuere Zeit.
Goethe kam dieser Einwand gegen die Bewegung recht sonderbar vor, und er sagte einmal die schönen Worte:

Es mag sich Feindliches eräugnen,
Du bleibe ruhig, bleibe stumm;
Und wenn sie dir die Bewegung leugnen,
Geh ihnen vom der Nas herum.

Dieses Spruches muß ich gedenken, wenn in der neueren Zeit manches auftaucht, das da sagt: Geist, was ihr so «Geist» nennt, ist das Ergebnis mein materieller Regsamkeiten, stofflicher Vorgänge und Bewegungen; es geht der Geist aus dem Stoffe hervor. Wie die Bewegung - im Sinne des eben Gesagten - nur aus der Ruhe hervorgehe und nichts Wirkliches sei, so sei auch der Geist nichts Wirkliches neben dem Stoff.
Wenn man in dem Sinne, wie wir hier in diesen Betrach­tungen in die geistige Welt einzudringen versuchen, von dem Geistigen Erkenntnis zu gewinnen versucht und sich so recht in das Wesen dessen einlebt, was das Geistige ist, so darf man wohl das, was die geisteswissenschaftliche Forschung
#SE062-219
17:53
über den Geist in seinem Verhältnisse zu den Geg­nern und Feinden der Geisteswissenschaft zutage fördert, mit einer kleinen Veränderung der eben angeführten
Goethe Worte vielleicht in der Weise bezeichnen - und damit möchte ich heute zusammenfassen, was ich über das Verhältnis von Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft zu sagen habe-, daß man die rechte Gesinnung des wahren Geistesforschers im Verhältnis zu seinen Feinden folgendermaßen charakte­risiert:
Es mag sich Feindliches ereignen,
Du aber bleibe ruhig, bleibe heiter!
Und wenn sie auch den Geist verleugnen,
So grüble du nicht weiter,
Und gib ihnen zuletzt noch recht:
Es steht mit ihrem Geiste eben schlecht!

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HINWEISE

ÖIffentliche Vorträge - GA 62 Ergebnisse der Geistesforschung

#G062-1969-SE489 - Ergebnisse der Geistesforschung
#TI
HINWEISE
#TX
Die hier erstmals in einem Bande zusammengefaßten vierzehn Vor­träge wurden im Winterhalbjahr 1912/13 im Arthitektenhaus in Berlin gehalten. Sie sind in den Jahren 1941 und 1942 als einzelne Brosthüren in der Reihe «Ergebnisse der Geistesforschung» herausgekommen.
Zu Seite
182 das soll später beantwortet werden: in den Architektenhausvor­trägen vom Winter 1913/14, die im Band «Geisteswissenschaft als Lebeosgut», Dornach 1959, zusammengefaßt sind, besonders die Vorträge IV, V, VII und X.
#SE062-492
188 als damals Bücher erschienen wie z.B. «Die Wärme, betrachtet als eine Art von Bewegung» von John Tyndall, 1820-1893, irischer Physiker.

190 die großen Entdeckungen Schleidens und Schwanns: Matthias Jakob Schleiden, 1805-1881, Botaniker, «Die Pflanze und ihr Leben», 1848.
Theodor Schwann, 1810-1882, Anatom und Physiologe, «Mikro­skopische Untersuchungen über die Übereinstimmung in der Struk­tur und dem Wachstum von Tier und Pflanze», 1839.
Carl Gegenbaur, 1826-1903, «Grundriß der vergleichenden Ana­tomie», 2. Aufl. 1870.

192 Hermann Helmholtz, 1821-1894, deutscher Physiker und Natur-forscher, Erfinder des Augenspiegels. Vorlesungen über theore­tische Physik in fünf Bänden.

196 der «Esoterische Buddhismus: Alfred Percy Sinnett, «Esoteric Buddhism» (1883). Deutsch: «Die esoterische Lehre oder Geheim­buddhismus», Leipzig 1884.

197 H.P. Blavatsky, 1831-1891, «The Secret Doctrine», 1887-1897, deutsch: «Die Geheimlehre», Leipzig, o. J.

199 Paul Deussen, 1845-1919, Anhänger Schopenhauers, Herausgeber von Schopenhauers Werken. Übersetzer indischer Texte.

207 der Philosoph Cartesius: René Descartes, 1596-1650, siehe u. a. Rudolf Steiner, «Die Rätsel der Philosophie».

208 der englische Arzt Harvey: William Harvey, 1578-1657, ver­öffentlichte 1628 seine Schrift «De motu cordis et sanguinis», worin er sesne Entdeckung des großen Blutkreislaufes darstellt.
Marcello Malpighi, 1628-1694.

212 in einem der ersten Vorträge dieses Winterhalbjahrs: siehe den Vortrag vom 31.Okt.1912 (Vortrag I dieses Bandes).

215 Goethe sagt in seinem schönen Aufsatz über «Anschauende Urteils­kraft: in «Zur Morphologie», Ersten Bandes zweites Heft, 1820. Vgl. «Goethes Naturwissenschaftliche Schriften», herausgegeben von Rudolf Steiner, Erster Band, Dritte Auflage, 1949, Troxler­Verlag, Bern.

218 eine alte griechische Lehre: Zenon von Elea, um 500 v. Chr. Der zenonssche Schluß: Achilles kann die Schildkröte nicht einholen, denn wenn er an ihren Standort A gelangt ist, ist sie bereits in B angelangt usw.
#SE062-493
218 Es mag sich Feindliches eräugen. Die Worte sind 1822/23 geschrieben worden.

220 der einfache Görlitzer Schuster: Jakob Böhme, 1575-1624.

9542 parole 36 pagine

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