martedì 30 agosto 2011

19120831


SIEBENTER VORTRAG München, 31. August 1912


#G138-1986-SE120 - Von der Initiation -  Von Ewigkeit und Augenblick - Von Geisteslicht und Lebensdunkel
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SIEBENTER VORTRAG
München, 31. August 1912
#TX 20110829 22:19
Die gestrige Betrachtung konnten wir damit schließen, daß ein Hinweis gegeben wurde auf die Stellung des einzelnen Menschen zu dem, was Beschreibung der übersinnlichen Welt genannt werden kann, was aus den Forschungen, aus den Beobachtungen, aus den Erlebnissen der Initiation kommt. Und es ist darauf aufmerksam gemacht worden, daß sehr leicht das Urteil zustande kommen könnte, ein Wert und eine Bedeutung für das Seelenleben mit den Ergebnissen der Initiation könnte doch eigentlich nur für denjenigen verbunden sein, der selber die ersten Schritte zur Initiation gemacht hat und imstande ist, durch eigenes Schauen in das Erleben, in die Beobachtung der höheren Welten hineinzudringen. Es ist schon öfter betont worden, daß dies nicht so ist, daß man allerdings nur dann anschauen, beobachten, erkunden und erforschen kann, was in den höheren Welten vorgeht, wenn man das eigene Selbst, die eigene Seele so umgestaltet hat, daß man in jene anderen Welten hinein- blicken kann, die zwar ganz anders sind als unser Sinnensein, die aber mit unserem Sinnensein - wie gestern erwähnt worden ist - doch in dieser oder jener Beziehung zusammenhängen, vor allem aber als seine Grundlage anzusehen sind. Was dagegen das Begreifen, das Verstehen dieser anderen Welten betrifft, so wäre es ein falsches Urteil, wenn man behaupten wollte, zu dem Verstehen, zu dem Begreifen, zu dem Entgegennehmen dessen, was derjenige geben kann, der die ersten oder die weiteren Schritte zur Initiation gemacht hat, gehöre selber Erleben. Vielmehr muß immer wieder und wieder betont werden, daß jeder Mensch, der nur unbefangen sich dem hingibt, was von den eigentlichen Geistesforschern in den übersinnlichen Welten erkundet wird, der unbefangen ihre Beschreibungen, Erfahrungen und Mitteilungen aufnimmt und wirklich unbefangenes Urteil, unbefangene Verstandestätigkeit walten läßt, alles, was ihm gegeben werden kann, auch begreifen kann. Für das Sinnensein sind wir in einem ganz anderen Fall. Es ist durchaus berechtigt zu
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sagen, daß kaum ein Mensch aus einer Beschreibung heraus begreifen wird, was die Sixtinische Madonna ist oder was eine ferne, fremde Landschaft ist. Man wird sich, wenn man eine lebendige Phantasie hat, aus einer solchen Beschreibung eine Vorstellung bilden können, aber berechtigt bleibt doch der Ausspruch, daß der erst das, was im Sinnensein ist, begreift, der selbst zum Anschauen kommen kann, so daß für das Sinnensein das Begreifen dem Anschauen nachfolgen muß. Das ist für die höheren Welten durchaus nicht so. Da kann durch die Forscher, was sie erkunden, aus den höheren Welten herausgeholt werden, kann in die Formen und Begriffe menschlicher
Ideen gebracht werden und so der Welt gegeben werden. Da kann man dann selbstverständlich in materialistischen oder sonstigen Dogmen befangen sein, oder man kann überhaupt keinen Willen haben zur Unbefangenen Hingabe an das, was da mitgeteilt wird; dann wird man es nicht begreifen. Es kann durchaus sein, daß man gar keine Schuld daran hat, daß man es nicht begreifen kann, weil einem das bisherige Leben und die bisherige Erziehung nicht die Möglichkeit gegeben haben, sich unbefangen diesen Dingen hinzugeben. Aber jeder, der in der Lage ist, sich diesen Dingen unbefangen hinzugeben, unbefangen alles zusammenzuhalten, was gesunde Vernunft
und gesundes Urteil gibt, wird sich zuletzt sagen: wenn auch die Dinge zuerst noch so unglaublich scheinen, gerade gesundes, umfassendes und allseitiges Denken führt zum Begreifen derselben, wenn man auch noch nicht das Allergeringste aus den höheren Welten zu schauen vermag.
Wie ich Ihnen in diesen Tagen mitteilen konnte, daß der, welcher zu einem Schauen der geistigen Welt kommt, in seinem Innensein die Abbilder dessen trägt, was er selbst in seinem Innern hat, ja, zuerst geführt wird durch das, was er in sich zuerst als Bilder hat, so ist es mit dem Begreifen der Dinge der übersinnlichen Welten: das Begreifen geht dem Schauen voran und ist in keiner Weise beeinflußt vom Schauen, noch beeinflußt es selbst das Schauen. Das vorherige Begreifen braucht nicht im geringsten Maße zu beeinflussen, was den Menschen dann zum völlig unbefangenen, wahrheitsgetreuen Schauen bringt. Ein vorheriges Begreifen, ein Erfassen mit allseitiger
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Urteilskraft - zu dem allerdings unsere Zeit in den weitesten Kreisen durchaus keine Neigung hat - wird dagegen die Seele, das Gemüt vorbereiten, um auch in der entsprechenden Art in das Schauen eintreten zu können. Daher muß immer wieder und wieder gesagt werden: Wahrer Okkultismus, wahre Geisteswissenschaft, die es ernst und ehrlich meint, wird sich niemals zurückziehen vor der Aufforderung, man begreife, man verstehe unbefangen das, was gesagt ist. Man suche darin einzudringen mit dem gesunden Menschenverstand, mit der sich in alle Gebiete frei ergießenden Urteilskraft, und man wird es können. Mancherlei über diese Sachen finden Sie in der Schrift «Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen», in der manches zur Ergänzung dieser Vorträge enthalten sein wird. Aber insbesondere soll es erwähnt werden, daß ein Bedeutendes beigetragen werden kann zur Läuterung, zur Reinigung der Seele, wenn vor allen Dingen diejenigen, welche den Weg zur Geisteswissenschaft aus dem Lebensdunkel heraus suchen, objektiv zu verstehen, objektiv zu begreifen versuchen mit dem, was jedem Menschen, wenn er nur will, als eine gesunde Urteilskraft zur Verfügung stehen kann. Dieser Weg des gesunden Begreifens, des Ablehnens einer jeglichen Autorität und eines jeglichen Autoritätenglaubens gewinnt noch dazu ein besonderes Licht, wenn man eingeht auf gewisse Feinheiten der okkulten Beobachtung.
Aus dem ganzen Sinn und Geist dieser Vorträge ist ja hervorgegangen, daß es sich bei den Schritten, die zur Initiation gemacht werden, immer mehr und mehr für jeden Menschen darum handelt, daß er unabhängig wird in seinem Erleben von dem, wozu ihm sein physischer Leib als Werkzeug dienen kann, daß er zu erleben lernt in seinen höheren Leibern, in seinem elementarischen oder ätherischen Leibe, in seinem astralischen Leibe, auch in dem, was man seinen Ich- oder Gedankenleib nennen kann. Auf dieses Sich.Fähigmachen, um in seinen höheren Leibern wahrzunehmen, kommt es insbesondere bei allen Schritten der Initiation an. Dabei ist es aber notwendig, daß der Mensch etwas dazu tut, um sich freizumachen vom sinnlich-physischen Leibe, daß er bewußt alles dasjenige von sich abstreift, von sich abzieht, was ihn so mit der Welt in Zusammenhang
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hält, wie dieser Zusammenhang sich nur durch das Werkzeug des physischen Leibes ergibt. Das ist natürlich namentlich in einem Zeitalter, das so materialistisch ist wie das heutige, nicht für alle Menschen möglich, besonders für die, welche sich heute auch ein Urteil über die Weltenrätsel, über die Weltenerscheinungen zuschreiben, und die durch die sonderbare heutige Erziehungsweise zu dem Glauben verzogen werden, daß man in frühester Jugend schon ein umfassendes Urteil - nicht bloß ein Streben - über die Welterscheinungen gewinnen könne. Warum wird heute durch unreife, durch rein aus der Leidenschaft und Emotion herausgeborene Urteile in der Welt soviel Unheil angerichtet? Wenn man die Welterscheinungen über- schaut, dann sieht man, daß der Druckmarkt mit den unreifsten Dingen überschwemmt wird, die aus nichts anderem herausgeboren sind als aus Sympathien und Antipathien. Warum das? Man kann die Frage aufwerfen:
Hat es nicht früher auch Menschen gegeben, die den reinen Errungenschaften übersinnlicher Forschung mit Haß und Abscheu aus ihrem Lebensdunkel heraus gegenüberstanden wie in unserer Zeit?
Hat es nicht Dunkelmänner gegeben, wie es die heutigen Materialisten sind, die alle möglichen Mittel, welche Haß, Unwissenheit und Finsternis eingeben, anwandten? Ja, die hat es immer gegeben.
Aber in der Weise, wie sie heute wirken, haben sie nicht gewirkt. Warum nicht? Solche Dinge muß man sich auch manchmal ins Gewissen schreiben. Die Menschen waren da, die die höheren Welten und unbefangenes Eindringen in diese Welten gehaßt haben, weil eben das unbefangene Eindringen in die höheren Welten zuweilen für die Menschen recht unangenehme Tatsachen zutage bringt. Aber diese Menschen haben oftmals nicht schreiben und lesen gekonnt. Ihr Bildungsniveau entsprach dem Nichtschreiben- und Nichtlesenkönnen. Heute müssen die welche so denken, vermöge ihrer Bildung schreiben und lesen können, und das große Publikum hat kein Unterscheidungsvermögen, um das, was auf dem Büchermarkt erscheint, wirklich richtig auffassen zu können, und es ist auch nicht viel Wille vorhanden zu einem solchen Unterscheidungsvermögen, um erkennen zu können, daß hier sichtend und klärend das Urteil einer okkultistisch - geisteswissenschaftlichen
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Bewegung in unserer Zeit eingreifen muß. Man wird da manches lernen müssen, was den Menschen hart ist zu lernen. Einfach aus den Tatsachen, die sich aus der übersinnlichen Welt heraus ergeben, wird man manches lernen müssen.
So wird man zum Beispiel lernen müssen, daß - auch dann, wenn man in die höheren Welten eindringt durch gewisse partielle Schulung oder Zubereitung seines seelischen und sonstigen Organismus - noch mancherlei zurückbleiben kann in bezug auf jenen Zusammenhang mit der Außenwelt, der nur auf dem Umwege durch den physisch-sinnlichen Leib zustande kommt. Alles, was so in einem geistigen Schauer, wenn man die Grenze überschritten hat, die zwischen dem Sinnensein und dem Geistessein so fest gezogen ist, von gewissen berechtigten Schwächen des Sinnenseins zurückbleibt, hüllt uns in Finsternis und Maja, wenn wir es erleben beim höheren geistigen Schauen. Nur wer unablässig mit sich zu Rate geht, wie er das, was er im Sinnensein haben muß, weil er ein Wesen der Sinneswelt ist, für jene Zeiten, da er geistig schauen muß, völlig ausschalten kann, und wie er es dazu bringen kann, daß beim geistigen Schauen nichts von dem hereinspielt, was ihn in der Sinneswelt umgibt, nur der kann wirklich rein und majalos die geistige übersinnliche Welt schauen.
Nehmen wir einen bestimmten Fall, ohne daß dabei auf irgend etwas angespielt werden soll. Irgend jemand, der die Schritte zur Initiation durchmachen will oder schon durchgemacht hat, habe ein persönliches, auf unmittelbare persönliche Gefühle, persönliche Emotionen beruhendes Verhältnis zu einem anderen Menschen. Nehmen wir an, in einem solchen Verhältnis eines geistigen Erschauers, eines erst zu Initiierenden oder schon mit gewissen Schritten der Initiation Ausgestatteten wäre es so, daß er von Mensch zu Mensch ein bestimmtes persönliches Verhältnis hätte, ein Verhältnis, das auf Zuneigung beruht, auf solcher Zuneigung, welche im Sinnensein geschlossen wird, sagen wir auf einer zutraulichen Liebe, die im Sinnensein erwacht, die von Leib zu Leib spielt - im höheren Sinne, nicht nur im niederen Sinne, denke ich dabei. Nehmen wir an, so etwas wäre vorhanden und ein solcher geistiger Schauer würde
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nun etwas erforschen wollen von der Persönlichkeit, zu der er eine persönliche Zuneigung hat, die sich im Sinnensein gebildet hat, und nehmen wir an, er wäre nicht in der Lage, alles vdn sich abzustreifen, was von im Sinnensein erschaffener Liebe zu der betreffenden Persönlichkeit da ist, dann ist es fast ganz unmöglich, die Wahrheit in bezug auf das übersinnliche Sein einer solchen Persönlichkeit zu erfahren. Oh, es ist notwendig, auf Schritt und Tritt zu versuchen - und wenn man noch so sehr liebt und noch so sehr persönliche Zuneigung hat im Sinnensein -, alles abzustreifen für die Zeiten, wo man das Übersinnliche Dasein betrachten will. Es ist möglich, daß man eine solche persönliche Zuneigung hat und nicht abstreift, daß man in der Weise, wie es im Sinnensein ist, die betreffende Persönlichkeit gern hat. Dann stellen sich einem solchen geistigen Schauer zum Beispiel über Vergangenheit und Zukunft dieser Persönlichkeit Bilder vor Augen, die unter allen Umständen falsch sein müssen, dann kann eine ganze Fülle von Maja auftauchen. Darum kann der, welcher es ernst und verantwortungsvoll mit dem nimmt, was der Welt auf dem Felde geistiger Weisheit gegeben werden soll, nicht vorsichtig genug sein, vor allen Dingen etwas der Welt zu verkünden, was im Umkreise des Familiären, des unmittelbar Bekannten stattfindet. Man kann sich überall sichern in der Weise, daß, wenn auf okkulte Ergebnisse hingewiesen wird, die sich auf etwas beziehen, das den unmittelbar persönlichen Umkreis des Untersuchers betrifft, diese im höchsten Maße demjenigen zweifelhaft erscheinen sollten, der sie entgegennehmen soll.
Das ist nicht etwas, was mit Anspielung auf diese oder jene Tatsache gesagt werden soll, sondern was gesagt werden soll, weil es eine objektive Tatsache für jeden Okkultisten ist. Damit hängen aber Dinge zusammen, welche durchaus, man möchte sagen, in höhere Gebiete hinaufspielen. Damit hängt zusammen, daß der, welcher in den übersinnlichen Welten forschen will, wenig geeignet ist, eine gewisse Grundvorstellung richtiger Art in bezug auf religiöse Fragen zu erhalten, wenn er mit seinen Vorurteilen, mit seinen persönlichen Gefühlen irgendeiner besonderen Religionsgemeinschaft zugetan ist, wenn er eine Religionsgemeinschaft mehr liebt als die andere
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oder sich gar zum propagandistischen Träger einer Religionsgemeinschaft macht. Wer zur persönlichen Propaganda neigt, kann nicht zugleich objektiver Okkultist sein! Das ist ein Satz, der auch einmal in aller Schärfe ausgesprochen werden muß. Es sind Bedingungen da, die wir mit unserem Karma der abendländischen Kultur in Zusammenhang bringen dürfen, Bedingungen, welche es in einer gewissen Weise dem Abendländer, wenn er sich ein wenig bekannt macht mit den Grundanforderungen des übersinnlichen Lebens, doch nicht gar zu schwer machen, ein objektives Urteil zu gewinnen gerade über die Hineinstellung des größten Ereignisses in die Menschheitsevolution, das wir das Mysterium von Golgatha nennen.
Wodurch kommt denn in das religiöse Leben und in seine Auffassung so manches Lebensdunkel hinein?
Wodurch kommt das hinein, was nur mit dem Augenblick zu tun haben will und sich nicht zu Geisteslicht und Ewigkeit gerade im religiösen Leben erheben will? Das kommt davon her, weil mit alledem, was menschliche Egoismen sind - und nun nicht bloß Egoismen der einzelnen, sondern auch Egoismen der Stämme, der Rassen, der Völker -, dasjenige innig zusammenhängt, was sich auf das religiöse Leben bezieht. Von diesem Gesichtspunkte aus möchte ich Sie auf eine Erscheinung aufmerksam machen, denn notwendig ist es, daß man diese Dinge völlig unbefangen betrachtet.
Welche Rolle spielt das religiöse Leben bei einem Orientalen in bezug auf seinen Religionsstifter, wenn er den Zusammenhang seiner Rassen- oder nationalen Evolution in Betracht zieht?
Untersuchen Sie einmal, ob ein Orientale oder irgendein Nichtabendländer so leicht geschichtlich denken kann über den geschichtlichen Verlauf, in den er hineingestellt ist, ohne dieses geschichtliche Leben an- zuknüpfen an Krishna, Buddha, Mahomet, Konfuzius oder dergleichen? Überall sehen wir ganz selbstverständlich das, was im religiösen Leben sich abspielt, mit dem verbunden, was im profanen äußeren Leben geschieht und in den Gemütern der Leute fließt. Man kann sich eine Geschichtsschreibung eines Buddhisten zum Beispiel nicht denken, ohne daß er in den Mittelpunkt derselben den Buddha stellt. Das sei nicht als eine Kritik gesagt, sondern weil es für diese
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Menschen richtig ist, die solchen Kulturentwickelungen angehören. Jetzt gehen wir ins Abendland und sehen nicht auf Dogmen, sondern auf Tatsachen. Ich greife heraus einen anerkannten Geschichtsschreiber des Abendlandes: Leopold von Ranke, der in aller Welt bekannt ist durch seine Objektivität, seine ruhige Würdigung, seine ganz besondere Art, sich objektiv zu den Dingen zu stellen. Ranke hat manches Kapitel der geschichtlichen Entwickelung geschrieben. Doch von Ranke ist etwas sehr Merkwürdiges bekannt geworden. Einem Freunde gegenüber hat er sich darüber geäußert, daß er doch den geschichtlichen Verlauf so dargestellt hat, daß er nirgends in Betracht zieht den Christus und die Tatsachen, die sich unmittelbar an den Christus anschließen! Ranke hat sich bemüht, durch seine Objektivität eine Geschichte des Abendlandes zu schreiben, ohne daß er den Christus hat hineinspielen lassen. Und es hat ihm manche schwere Gewissenspein im Alter gemacht, daß er sich sagen mußte: Ja, wenn nun doch in das Geschehen jene Taten hineinfließen würden, über die keine Dokumente und Urkunden vorhanden sind, ist dann diese Geschichte wahr? - Nicht darum soll das hier angeführt werden, um auseinanderzusetzen, ob sie wahr oder falsch ist - denn ich halte sie in hohem Maße für berechtigt -, sondern weil es eine der besten Geschichten eines der anerkannten Geschichtsschreiber im Abendlande gibt, die Geschichte 5Q geschrieben haben, daß man den Christus herausgelassen hat, daß man den Christus nicht in die Historie mit hineingenommen hat. Das ist eine fundamental wichtige, eine bedeutsame Tatsache! Wohin hat die abendländische Kultur geführt? Die abendländische Entwickelung hat dazu geführt, daß hier nicht immer zu einem Wesen aufgeschaut wird, das wie eine Mittelpunktfigur der ganzen Geschichte dastehen würde, wenn man daran anknüpfen würde. Wissenschaft hat nicht dazu geführt!
Warum kam das? Beleuchten wir diese Tatsache von einem anderen Gesichtspunkt aus.
Wo haben die großen Religionsstifter gelebt, welche die großen Initiierten waren, die ihren Völkern aus ihren Völkersubstanzen heraus das gaben, was sie brauchten?
Ist es denkbar, daß zum Beispiel Hermes aus einer anderen Volkssubstanz heraus auf seine Epoche
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gewirkt hätte, oder ist es denkbar, daß Buddha in einer anderen Weise gewirkt hätte als aus der Rasseneigentümlichkeit heraus, in die er hineingestellt war und in diese Rasseneigentümlichkeit hinein seine Kräfte gesendet hat? Und jetzt wenden wir den Blick zu dem, den wir keinen Initiierten nennen, sondern den wir kennen als die Persönlichkeit, auf welche die Welten-Initiation, die kosmische Initiation gewirkt hat. Gehört er irgendeinem Volke an? - In einem unbekannten Winkel der Welt, fern der großen Reiche, ist er geboren. Da spielten sich die Ereignisse ab. Und da man die Evangelien wie die anderen Urkunden des Neuen Testamentes als historische Urkunden bezweifeln kann, so kann man sagen: Von allen diesen Ereignissen wird nichts bezeugt durch irgendein historisches Dokument. Und die, welche sich zu ihm als seine Jünger und Schüler gefunden haben, haben sich zu ihm gewendet ohne Unterschied von Stamm, Rasse, Geschlecht und so weiter. So ist der Unterschied! Während sich vorher die Völker zu ihren Rassen-Initiierten gewendet haben, haben sie sich hier zu einem gewendet, der keinem Volke angehört - ja, der sogar gerade seine größten Kulturtaten bei einem Volke verrichtet hat, bei dem er nicht gelebt hat. Das ist der große Fortschritt aus dem Lebensdunkel zum Geisteslicht, den man nicht verkennen sollte, wenn man es ehrlich meint mit der Evolution der Menschheit. Das sind Dinge, die durchaus in Betracht kommen, Dinge, auf welche diejenige Wissenschaft kräftig hinzuweisen hat, die aus der wirklichen Betrachtung der übersinnlichen Welten entnommen werden kann.
Aus mancherlei von dem, was ich Ihnen sagen durfte, sehen Sie, daß es darauf ankommt, etwas von jenem Urteil zu verstehen, das des Johannes Thomasius Doppelgänger sagt - im «Hüter der Schwelle» -: Das Denken hat eine läuternde Kraft. Diese läuternde Kraft des Denkens wirkt aber auch so, daß sie wirklich aus dem Lebensdunkel in das Geisteslicht herausführt, daß sie wirklich von dem Augenblick zur Ewigkeit hinwegführt. Man will nur nicht gern dem Denken seine läuternde Kraft zugestehen. Denn es ist etwas Eigentümliches um die okkulte Natur dieses Denkens. Eine materialistische Wissenschaft glaubt, daß der Mensch etwa mit seinem Gehirn denke.
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Er denkt nicht mit seinem Gehirn; das ist einfach ein Irrtum. Und wenn Sie den ganzen Sinn dessen kennenlernen, was in der Schrift «Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen» gesagt ist, so werden Sie auch begreifen, daß der Vorgang des Denkens, die Tätigkeit des Denkens, die Verbindung und Lösung von Ideen nicht im physischen Leibe abläuft, sondern im ätherischen oder elementarischen Leibe. In Wahrheit denkt auch der Mensch, der im gewöhnlichen Leben steht, mit seinem elementarischen oder ätherischen Leibe, nur bewirkt das Stehen im gewöhnlichen Leben, daß der Mensch kein Wissen haben kann von jener Tätigkeit, die in ihm vorgeht, wenn er denkt, aber nur im ätherischen Leibe vorgeht. Im Grunde genommen denkt der Mensch fortwährend, und fortwährend ist der ätherische Leib in Bewegung, und diese Bewegung bedeutet denken. Aber was kommt von alledem zum Bewußtsein, was so im ätherischen Leibe vorgeht?
Es kommt nur das zum Bewußtsein, was davon gespiegelt wird. Sie müssen sich ein gewisses Verhältnis des elementarischen Leibes zum physischen Leibe in folgender Art vorstellen.
Nehmen Sie an, Sie gingen in diesem Saale längs dieser Fensterreihe entlang. Nun denken Sie sich, überall an den Wänden zwischen den Fenstern hingen Spiegel. Indem Sie an jedem Spiegel vorbeigehen, zum Beispiel dreimal, sehen Sie Ihr Antlitz; wo kein Spiegel ist, sehen Sie von Ihrem Antlitz nichts. Wenn Sie wieder weitergehen zum nächsten Spiegel, sehen Sie es wieder. Da ist wieder ein Spiegel, der wirft Ihnen das Bild Ihres Antlitzes zurück. Ihr Antlitz ist immer vorhanden auf dem ganzen Wege, aber Sie sehen es nur, wenn es sich spiegelt. Der Ätherleib ist in fortwährendem Gedankenfluß.
Aber wann nur wird dieser Gedankenfluß Wahrnehmung?
Wenn das, was im physischen Leibe ist, das Gehirn, dasjenige spiegelt, was im ätherischen Leibe vorgeht. Was sonst immer da ist und wovon der Mensch gewöhnlich nichts weiß, das wird gespiegelt vom Gehirn, das wie ein Spiegelungsapparat aufzufassen ist. Und in all den Fällen, wo das Leben gespiegelt wird, wird es bewußt. Daher muß der physische Leib da sein, damit der ätherische Leib, der eigentlich denkt, von seinem Denken etwas wissen kann. Aber es denkt nicht
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das Gehirn, und es denkt nicht der physische Leib. Sowenig als das, was im Spiegel erscheint, Sie sind, so wenig ist das, was der Mensch wahrnimmt im Gehirn, sein Denken, denn dieses Denken sitzt im elementarischen oder ätherischen Leibe. Und wenn der Mensch die ersten Schritte zur Initiation machen will, ist es im Grunde genommen so, wie wenn Sie vor der Spiegelung überall vorbeigingen und versuchten in sich selbst zu sein - und dann fähig würden zu empfinden, wie Ihre Form ist, so daß Sie sich dann von innen heraus wahrnehmen würden.
So ist das Hinaufrücken vom Sinnensein zum Geistessein. Während der Mensch sonst nur das wahrnehmen kann, was in seinem Spiegelungsapparat vorgeht, was er als die Spiegelung in seinem Gehirn sieht, kommt er durch die Initiation zum direkten Erleben und Erfühlen im elementarischen Leibe. Wenn er aber zu diesem inneren Erleben und Erfühlen kommt, dann kommt er zum Beispiel mit einer ganz anderen Welt in Berührung: mit der Welt des Wesenhaften. Dann erweitert sich sein Sein, sein Erleben, sein Erfühlen über die objektive Welt hinüber. Aber was er dann erlebt, ist eine Welt geistigen Seins, das ist eine Welt, die er in bezug auf den Umfang des Erlebten auch im Sinnensein erleben kann. Aber da erst kann er dann hinaufsteigen, um im geistigen Sein etwas zu erfassen von dem, dessen Abbild nur im Sinnenbilde vorhanden ist. Und dann kann er begreifen, daß die Impulse der Initiierten nicht bloß aus dem Erden- wissen geflossen sind, sondern daß den großen Initiierten die größten Impulse, die moralischen Impulse und so weiter deshalb zukommen und mit so gewaltiger Kraft wirken, weil sie das, was sie haben, nicht bloß von der Erde nehmen, sondern von dem mitnehmen, was über die Erde hinausgeht. Denn sobald man über die Erde hinaus- kommt, kommt man auch zu dem, was mit dem Erdensein über die Erde hinaus verbunden ist. Und kommt man durch die Initiation vom Erdensein zum kosmischen Sein, dann kommt man dazu, daß, wenn man einen Initiierten wie zum Beispiel Buddha von diesem Gesichtspunkte aus studiert, man sagt: Er hat in vielen Inkarnationen als Bodhisattva auf der Erde gelebt. Und wer in dieser Beziehung den Buddhismus verstehen gelernt hat, der ist notwendigerweise
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ebenso gläubig wie ein Buddhist und weiß, daß in der Persönlichkeit des Gotama Buddha diese Individualität zum letzten Male in einem physischen Leibe lebte, in dieser Inkarnation aber der «Buddha» wurde und dann hinaufgestiegen ist in die geistigen Welten zum geistigen Wirken, so daß der geistige Blick hingelenkt werden kann auf den Übergang der Buddha-Individualität vom Erden- sein zum Geistessein, zu Zusammenhängen mit dem Geistessein. Und wenn man nun diese Individualität zurückverfolgt, so sieht man zwar, wie der Bodhisattva durch viele Inkarnationen geht, aber man kommt dann in eine frühere Zeit zurück, für welche man nicht mehr sagen kann: Wir haben es mit einer Individualität zu tun, die auf der Erde lebt. Denn da muß man sie auf einem früheren Wohnplatz verfolgen, und es stellt sich die Wandlung dieser eigenartigen Individualität so dar, daß sie hinauswächst über das Erdendasein. Wir sehen den Buddha zu einer bestimmten Zeit herabkommen von einem anderen Planeten unseres Sonnensystems, wo er vorher gewirkt hat, sehen ihn dort wirken und sich für seine Erdenlaufbahn vorbereiten. Wir verfolgen ihn dann als Bodhisattva und zuletzt als Buddha während seiner irdischen Laufbahn weiter bis zu dem Punkt, da er aus dem Bodhisattva ein Buddha geworden ist, und finden, daß sein Wirken während der Erdeninkarnationen allerdings mit der Erde zusammengewachsen war, daß er aber in ein großes kosmisches Ganzes hineinwächst. Wir sehen ihn hinaufsteigen zu einem anderen Planeten unseres Planetensystems, zum Mars, und dort eine neue Mission unternehmen, die sich anschließt an das, was seine Erdenmission war. Und wunderbar ist es zu verfolgen, wie sich auf diese Weise ein Ganzes herausstellt. Zuerst sehen wir den Buddha wirksam auf einem anderen Planeten, dann kommt er auf die Erde, und man muß sagen: Diese Individualität des Initiierten Gotama Buddha wirkte eine Weile auf der Erde, dann aber, wenn man sie weiter verfolgen will, muß man zu einem anderen Planeten hinaufsteigen. So bekommt man eine geschlossene Linie. Für Buddha ist es möglich zu sagen, daß er von einem anderen Planeten heruntergestiegen ist, und daß er nach seinem Wirken auf der Erde wieder hinaufgestiegen ist zu einem anderen Planeten, dessen Bevölkerung
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für die Erdenmenschheit wenig Sinn hat, um dort weiterzuwirken, weil dieses Weiterwirken gerade einen Sinn ergibt.
So würde man bei vielen Initiierten finden, wie sie aus dem Kosmos das hereintragen, was bei der Erde selbst mit dem Kosmischen in Zusammenhang steht, und man würde dadurch die kosmische Wandlung der Initiierten ins Auge fassen. Wenn man überall den Dingen auf den Grund zu kommen versucht, dann sieht man zum Beispiel auch etwas, was uns das Lebensdunkel aus einer wirklichen okkulten Betrachtung heraus aufhellt.
Es ist sonderbar, wenn manchmal die Frage aufgeworfen wird:
Ist es nicht ungerecht, daß eine solche Individualität wie der Christus etwas Besonderes in die Welt gebracht hat?
Und wenn das der Fall ist - so möchten manche sagen -, dann würden ja die, welche nach dem Christus gelebt haben, etwas ganz Besonderes vor der Welt voraus haben! Sogar Theosophen haben diese Frage aufgeworfen! Aber es sind ja dieselben Seelen, welche in der Zeit nach der Erscheinung des Christus leben, wie die, welche vorher da waren, so daß von Ungerechtigkeit dabei nicht die Rede sein kann. Nur eine Ausnahme ist in dieser Beziehung zu verzeichnen, und eine solche scheint der Buddha zu sein. Er hat eine Inkarnation durchgemacht, die in der vorchristlichen Zeit verlaufen war, hat also nicht auf irgendeine Art mitgemacht, was durch das Ereignis von Golgatha auf die Erde gekommen ist. Wenn wir nun dem dort nachgehen, wo sich uns ein Dunkel ergibt, wo wir nicht verstehen können, wie doch eine Seele in einem bestimmten Zeitpunkt Abschied nimmt von der Erde, auf der Erde nicht miterlebt das Mysterium von Golgatha - wer meine früheren Vorträge gehört hat, wird wissen, daß der Buddha es in anderen Welten miterlebte, aber es handelt sich hier um das irdische Miterleben -, wenn wir uns das alles vor die Seelenaugen halten und dem nachgehen, dann stellt sich heraus, daß der Buddha auf den Planeten, wo er in seiner vorirdischen planetarischen Tätigkeit gewirkt hat, von der Zentralindividualität des ganzen Planetensystems geschickt war, von dem Mittelpunktsgeist, von dem, was wir den kosmischen Christus nennen. In uralten Zeiten war der Buddha aus- gesendet worden, um auf einem anderen Planeten zu wirken, um
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dann - infolge dieses Wirkens - auf der Erde zu wirken. Und während die Erde der Planet ist, der zum Schauplatz des Mysteriums von Golgatha geworden ist, ist Mars der Planet, auf dem der Buddha ein ähnliches Ereignis zu vollbringen hatte nach dem, was er auf der Erde zu wirken hatte.
Diese Dinge liegen scheinbar weitab und scheinen dem zu widersprechen, wenn gesagt wird, man könne mit dem gesunden Menschenverstand das begreifen, was aus der Initiation herausgeholt wird. Man soll aber nur einmal alles zusammennehmen, was die Geschichte bietet, und alle Zusammenhänge auffassen, dann wird man sehen, daß der äußere Verlauf der Geschichte eine Bestätigung alles dessen bietet. Und wenn jemand sagt, daß darin keine Bestätigung dieser Dinge liegt, so wendet er nur die gesunde Urteilskraft nicht genügend an. Das tun ja allerdings viele Menschen in unserer Zeit.
Ich wollte mit alledem, was gerade in diesem Vortragszyklus gesagt worden ist, auch davon eine Vorstellung hervorrufen und wollte schon durch die Dramen zeigen, wie in der Tat ganz anders, gewaltig und groß die Welten sind, in die wir eintreten, wenn wir die Pforte zu den übersinnlichen Welten durchschreiten, und ich wollte eine umfassendere Vorstellung davon hervorrufen, als es durch bloße Theorien und Dogmen geschehen kann. Ich wollte manches nicht bloß durch Wortcharakteristiken darstellen und beschreiben, sondern ich wollte eine Empfindung von dem hervorrufen, was hinter der Schwelle ist, wo der Hüter der Schwelle steht. Wenn jemand in unserer heutigen Zeit das Geistesleben überblickt, so geht ihm vielleicht besonders in die Seele herein, was über den Hüter der Schwelle zu sagen ist. Der Hüter steht an der Schwelle, weil die im gewöhnlichen Sinnensein drinnenstehende Menschenseele nicht reif ist zu erleben und zu erfahren, was in den übersinnlichen Welten vorgeht. Er steht zum Schutze da. Das ist ebenso wahr, wie es wahr ist, daß die in die Zukunft hinein lebende Menschenseele mehr und mehr wird erfahren müssen von den übersinnlichen Welten.
Warum steht der Hüter da? Weil die Menschenseele, wenn sie unreif den Schritt in die übersinnlichen Welten hinein machen würde - was niemals auf einem gerechten okkultistischen Wege geschehen
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kann -, sich unendlicher Furchtsamkeit, unendlichem Schrecken verfallen glauben würde, weil die Menschen aus ihrer Kleinheit, aus ihrer Unreife, aus ihrer Liebe und ihrem Hang zur Sinneswelt nicht ertragen würden, was alles mit dem Eintritt in die übersinnlichen Welten zusammenhängt. Kann man doch nicht einmal denen gegenüber, die fortgeschritten sein wollen, mit dem kommen, was Anspruch erhebt an unsere Zeit! Von der Stätte aus, von der wir bis jetzt noch die übersinnlichen Wahrheiten verkünden dürfen, mußten wir darauf hinweisen, wie ein übersinnliches Ereignis mit dem übersinnlichen Leib des Menschen im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts eintreten wird, indem die Menschen - wie durch ein Naturereignis - den wiedererscheinenden Christus finden werden. Darauf konnten wir hinweisen. Aber dieser wiedererscheinende Christus wird nicht auf Schiffen über Meere oder in Eisenbahnen fahren, wird auch nicht im Luftballon fahren, sondern er wird im Individuellen des Menschen - in dem, was von Menschenseele zu Menschenseele geht, und je nachdem, wie die Menschenseelen selbst beschaffen sind - mit den Mitteln erkannt werden, die im Ätherischen gegeben sind. Was wir so sagen dürfen, wie die Erscheinung des wiedererscheinenden Christus sein werde, erweist es sich schwach gegenüber dem, was rein aus der übersinnlichen Welt heraus an die Menschenseele herankommen wird. Denn die Menschen lieben es, mit sinnlichen Augen zu sehen den Großen, der da kommen soll; sie lieben es, sich vorzustellen, daß er im Aeroplan fährt, daß er über die Meere fährt, lieben es, sinnlich greifen und fassen zu können den, der da kommen soll.
Warum ist das? Weil es sie in Angst versetzt, wirklich mit den übersinnlichen Welten in Berührung zu kommen. Dem Okkultisten stellen sich auch solche Dinge, wie sie geschehen, als maskierte Furcht und Angst vor dem Wahren dar. Das sei ohne Emotion gesagt, nur als eine Hinstellung des Objektiven. Da wird dann der Okkultist, der den Hüter an der Grenze zwischen Sinnensein und Geistessein erkennt, merken, daß die, welche draußen im gewöhnlichen Leben stehen, es nicht fassen können, daß überhaupt ein Anfang gemacht werden soll mit dem Schreiten in die übersinnliche Welt. Denn furchtsame Persönlichkeiten sind
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sie im Grunde genommen alle. Ihre Furchtsamkeit ist ihnen unbekannt, aber sie maskiert sich ihnen als die besondere Art von Wahrheitssinn, als ein materialistischer Wahrheitssinn. Als ein gewisser Haß, eine Wut, ein Entbranntsein der Kleinheit gegen die andern, die übersinnlichen Welten, erscheint sie bei denen die sich entgegenstellen der Erkenntnis der übersinnlichen Welt und der über- sinnlichen Wesenheiten. So mag es kommen, daß auf der einen Seite die stehen, welche die übersinnlichen Welten erkennen wollen, und auf der anderen Seite die, welche nichts davon wissen wollen, oder die sagen werden: die objektive Wissenschaft sagt nichts von den übersinnlichen Welten, denn man kann sie nicht beweisen. Und dasselbe ist es, was auch andere Menschen abhalten wird, hinzugehen zu dem Hüter der Schwelle, nämlich die populären Nachtreter der Wissenschaft, welche da sagen, daß sie die übersinnlichen Welten ablehnen, weil es bei ihnen Wahrheitssinn, persönliche wissenschaftliche Überzeugung sei. Es ist aber die Furcht, die sie nicht an den Hüter der Schwelle herankommen läßt, und es ist die ganze Kraft dieser Furcht dahinein maskiert, was sich heute als ein Kampf auftun möchte gegen das Herankommen dessen, was aus den übersinnlichen Welten als das Geisteslicht gegenüber dem Lebensdunkel kommen soll. Das ist eine Vorstellung, welche der empfindet, der den Hüter an der Schwelle des Geistesseins kennt und der da weiß, welche Bedeutung die übersinnlichen Erkenntnisse für das ganze Geistesleben der Gegenwart haben.
Warum sitzen Sie hier? Weil ein Strahl des Geisteslichtes in Ihre Seele gezogen ist, der Ihnen sagt, daß übersinnliches Wissen die Menschenseele ergreifen muß. Und weil immer lebendiger und lebendiger geworden ist, was dieser Strahl des Geisteslichtes sagt, deshalb vermehrt sich die Zuschauerschaft und Zuhörerschaft bei unseren Veranstaltungen. Wird man dem natürlichen Sprechen des Geisteslichtes zu den Seelen freien Lauf lassen, so wird es einstrahlen können in die Seelen. Wird man bei den Gegnern der übersinnlichen Erkenntnis draußen siegen, dann wird sich vielleicht das Geisteslicht für eine Weile verdunkeln müssen, wird sich zurückziehen müssen, gezwungenerweise, das heißt es müßte zurückgezogen werden,
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um diesen törichten Ausdruck zu gebrauchen. Dann wird die Welt eine Weile den Zusammenhang zwischen dem Lebensdunkel und dem Geisteslicht entbehren müssen. Allerdings ist es auch wieder notwendig, daß die, welche etwas von dem Geisteslichte wissen sollen noch etwas lernen: daß sie lernen, mit Wahrhaftigkeit auf dasjenige zu schauen, was schon hier in der äußeren Welt aus der geistigen Welt geboten wird. Wer sich heute noch blenden läßt von dem, was pro und contra in bezug auf übersinnliche Erkenntnis gesagt wird, wer nicht in der Seele den festen Impuls aus der übersinnlichen Welt sucht, der nur aus der übersinnlichen Welt selber kommen kann, der wird nicht diesen Impuls finden können.
Ich habe es öfter gesagt, was an Literatur nunmehr vorhanden ist, was durch die Gnade der Meister der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen in manchem Literaturwerke gegeben werden durfte, das enthält im Grunde genommen das, wovon man sagen darf, daß es in Gnade den Menschen mitgeteilt werden durfte. Und wenn ich von diesem Augenblicke an nichts weiter schreiben und sprechen könnte: wenn man nur das Vorhandene ausbaut - wenn ich auch selber nicht dabei sein könnte -, wenn man sucht, was mit allem gemeint ist, so wird man finden was man braucht. Und damit ist - wenn ich jetzt am Schlusse dieser Vorträge von dem Zusammenhange des persönlichen Karma mit dem Karma dieser Geistesbewegung sprechen darf - auch die Möglichkeit gegeben daß in einer gewissen Beziehung das nicht mehr ausgelöscht werden kann, was - nicht als «Steinerische Richtung», denn die gibt es nicht, sondern als objektiver Okkultismus in die Welt gekommen ist. Mag noch soviel von Gegnerschaft herankommen, das kann sich nicht beziehen auf das Auslöschen des Okkultismus für die Zukunft, denn es wird doch bleiben, was da ist. Dafür sehe ich denn doch einen Beweis darin, daß unsere Zeit eine spirituelle Bewegung braucht und daß doch eine Spanne Zeit gegeben ist, wo durch die Gnade unserer spirituellen Hüter dieses Geistesgut in die Sinneswelt hat herabgebracht werden können. Mögen sich Gegner ergeben! Vielleicht wird gerade durch diese Gegnerschaft das Nötige getan! Und verzeihen Sie den Ausdruck: Gar mancher, der heute willig das theosophische
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Geistesgut hinnimmt, der davon beglückt ist: gegenüber dem, was er in der Gegenwart sehen sollte, ist er doch unaufmerksam, da hat
er doch die Schlafmütze auf! Da verpflichtet sich mancher nicht gegenüber der Wahrheit zu der Unterscheidung, was die alleinige Wahrheit sein soll. Vielleicht wird gerade ein klein wenig Verfolgung, die auch nicht schaden kann, dazu beitragen, daß mancher, der die Schlafmütze nicht nur über den Kopf, sondern auch über Augen und Ohren gezogen hat, sie sich dann vom Kopfe herunterziehen wird. Vielleicht wird auch das notwendig sein.
Wie aber die Dinge gehen mögen: jetzt, wo wir am Ende dieses Zyklus stehen - wo so manches an uns herangetreten ist, notwendigerweise, zwangsweise herangetreten ist, was im Grunde genommen widerwärtig ist -, jetzt wollen wir, wie wir es sonst immer tun, daran denken, daß wir wieder einiges von dem spirituellen Leben aufgenommen haben. Jetzt gehen wir wieder auseinander, einer dahin, der andere dorthin, aber das Geisteslicht, nach dem wir alle streben und suchen innerhalb des Lebensdunkels, das läßt uns zusammensein überall, wo wir auch örtlich getrennt sein mögen. Die Seelen, die hier sitzen, mögen sie ihre Zusammengehörigkeit fühlen im Nacherleben, im Nachmeditieren des Gehörten oder in bezug auf das, was sich an gegenseitiger Liebe gezeigt hat, im Nachleben. Physisch waren wir zusammen, physisch werden wir nicht immer so zusammensein können. Übersinnlich sind wir zusammen. Lernen wir übersinnlich zusammensein, damit wir das Dasein der übersinnlichen, der überphysischen Welt beweiskräftig machen können! Wenn wir solche Gefühle mitnehmen, nachdem wir solange zusammen waren, dann werden die Seelen das mitnehmen, was Theosophie als das Beste den Menschen mitgeben kann: die Liebe, die aus der spirituellen Wahrheit selber herauskommt. Und wenn auch zwischen jetzt und derjenigen Gelegenheit, bei der wir wieder so zusammensein möchten, das eine oder andere geschehen mag: das kann doch geschehen unter allen Umständen, daß sich unser physisches Zusammensein in das rechte spirituelle Zusammensein bei örtlichem Auseinander verwandeln werde, damit wirke, lebe und gedeihe in uns das spirituelle Geistesgut. Wir haben doch auch Menschen
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der allverschiedensten Denkweisen in unserer Mitte gehabt, aber auch solche Menschen, über deren Erscheinen wir uns immer auch dann freuen, wenn sie etwa gegensätzliche Meinungen in unsere Mitte hineinbringen. Doch nicht um Meinungen und um Gegensätze der Meinungen handelt es sich, sondern um ehrliches, aufrichtiges Wahrheitsgefühl, um, man möchte sagen, ein Verschworensein zur Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit, zur Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit schon im Sinnensein. Daß ich dieses sage, betrachten Sie nicht als etwas, was notwendig erfolgen muß aus dem Thema unseres Vortragszyklus. Was aber notwendig ist, das ist, daß wir auf mancherlei Gebieten das Wahrheitssuchen in unserer Zeit, überhaupt in unserer Gegenwart, haben erleben können.
Und wozu sich im Anfange des Vortragszyklus für mich selbst weniger Gelegenheit gefunden hat, das sei hier am Ende berührt: der
Dank gegenüber denjenigen Persönlichkeiten, die vor allen Dingen auch als offizielle Persönlichkeiten innerhalb unserer unoffiziellen Veranstaltungen erschienen sind. Ich kann nicht alle im einzelnen nennen. Sie haben gestern selber gehört die freundliche Einladung
für den nächsten Kongreß der europäischen Sektionen der Theosophischen Gesellschaft unseres lieben Generalsekretärs der Skandinavischen Sektion, und es haben einige von Ihnen vielleicht auch die Worte des Generalsekretärs der Ungarischen Sektion vernommen. Diesen Persönlichkeiten, worauf wir besonders hinzuweisen haben, ist der Gruß schon an dem ersten Vortrage dargebracht worden, und die, welche ungenannt bleiben mußten, sollen wissen, daß sie in unseren Herzen das aufrichtigste Willkommen gefunden haben, und daß wir ihr Hiersein als eine Bekräftigung dessen auffassen, daß sie doch noch nicht der Anschauung sind, daß wir so schlimme Menschen sind, wie es jetzt beginnt in der Welt dargestellt zu werden. Wie wir also auch im nächsten Jahre beisammen sein mögen, wie sich die Dinge auch gestalten mögen, fassen wir das diesjährige Zusammensein als den Keim zu etwas auf, was uns vielleicht durch alles, was da kommen mag, doch nicht genommen werden kann. Was Ihre Seelen selber aus freiem inneren Erleben als Nachklang empfinden können, womit Sie zurückblicken auf diese Tage von
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München, das ist es, woran ich in diesem Augenblicke appellieren möchte, eines jeden Freundes einzelne Seele herzlich begrüßend zum Abschied und zum Wiedertreffen in dem Sinne, wie sich Leute, die sich durch Erkenntnis lieben gelernt haben, immer zusammenfinden und zur rechten Zeit immer wieder treffen müssen.
#G138-1986-SE157 - Von der Initiation -  Von Ewigkeit und Augenblick - Von Geisteslicht und Lebensdunkel
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HINWEISE
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Der Vortragszyklus schloß sich an die Münchner Festaufführungen des Sommers 1912 an. Begonnen hatten diese Festspiele 1907 am 19. Mai mit der Uraufführung des von Edouard Schuré rekonstruierten «Heiligen Drama von Eleusis». 1909 folgte am 22. August die Uraufführung von dessen Drama «Die Kinder des Luzifer», und 1910 wurde am 15. August das erste Mysteriendrama Rudolf Steiners «Die Pforte der Einweihung» uraufgeführt. In den folgenden Jahren schlossen sich die Uraufführungen der drei anderen seiner Mysteriendramen an: 1911, 17. August «Die Prüfung der Seele»; eingeleitet am 13. August mit der Wiederholung des «Heiligen Drama von Eleusis»; 1912, 24. August «Der Hüter der Schwelle»; 1913, 22. August «Der Seelen Erwachen»; siehe «Vier Mysteriendramen», GA Bibl.-Nr. 14.
Anläßlich der Festspiele hielt Rudolf Steiner folgende Vorträge:1907 2 Vorträge, in «Bilder okkulter Siegel und Säulen. Der Münchner Kongreß Pfingsten 1907 und seine Auswirkungen«, GA Bibl.-Nr. 284, sowie den Zyklus «Die Theosophie des Rosenkreuzers», GA Bibl.Nr. 99. 1909: «Der Orient im Lichte des Okzidents. Die Kinder des Luzifer und die Brüder Christi», GA Bibl.-Nr. 113. 1910: «Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte», GA Bibl.-Nr. 122. 1912: «Von der 1nitiation. Von Ewigkeit und Augenblick, von Geisteslicht und Lebensdunkel», GA Bibl.-Nr. 138. 1913: «Die Geheimnisse der Schwelle», GA Bibl.-Nr. 147. 1914 kam es durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges nicht mehr zu den bereits angekündigten Aufführungen und Vorträgen; auch nicht mehr zur Niederschrift des geplanten fünften Mysteriendramas.
Textunterlagen: Alle Vorträge dieses Bandes wurden von Walter Vegelahn aus Berlin mitstenographiert. Dem Druck liegt die von ihm vorgenommene Übertragung in Klartext zugrunde. Sein Originalstenogramm liegt nicht vor.
Der Titel des Vortragszyklus wurde von Rudolf Steiner gegeben.
Zu den Ausdrücken «Theosophie» und «theosophisch»: Da Rudolf Steiner zur Zeit dieser Vor-träge noch innerhalb der Theosophischen Gesellschaft wirkte, bediente er sich der Ausdrücke «Theosophie» und «theosophisch», aber immer schon im Sinne seiner anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft. Aufgrund einer später von ihm gemachten Angabe wurden in den Ausgaben von 1930 und 1959 die Ausdrücke «Theosophie» und «theosophisch» in «Anthroposophie» und «anthroposophisch» geändert. Für die vorliegende Ausgabe wurden aus historischen Gründen wieder die ursprünglich gesprochenen Ausdrücke eingesetzt.
Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit der Bibliographie-Nummer angegeben. Siehe auch die Übersicht am Schluß des Bandes.
zu Seite
11    Rekonstruktion des Mysteriums von Eö~leusis: Von Edouard Schure` in «Sanctuaire d`Orient», Paris 1898, autorisierte Ubersetzung («Die Heiligtümer des Orients», Leipzig 1911) von Marie von Sivers und in freie Rhythmen gebracht durch Rudolf Steiner. Einzelausgabe «Das Heilige Drama von Eleusis» durch Marie Steiner-von Sivers, Dornach 1939.
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11    li>ir begannen - vor einem recht kleinen Kreis: Siehe «Aus dem Leben von Marie Steiner- von Sivers», biographische Beiträge, zusammengestellt von Hella Wiesberger, Dornach 1956.
12    Herman Grimm, Kassel 1828 - 1901 Berlin. Siehe Rudolf Steiner «Mein Lebensgang», GA Bibl.-Nr. 28. Auch im Vortragswerk wird immer wieder auf Grimm hingewiesen.
20    was heute nicht hierhergehört: Bezieht sich auf die Schwierigkeiten, die sich damals zwischen der Zentralleitung der Theosophischen Gesellschaft in Adyar und Rudolf Steiner ergeben hatten und die bald darauf zur Gründung der unabhängigen Anthroposophischen Gesellschaft führten. Diese Gründung wurde in der Versammlung während dieser Festwochen am 26. August 1912 beschlossen.
21    «Kalender»: Siehe «Der anthroposophische Seelenkalender und der Kalender 1912/13», «Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe», Heft Nr. 37/38, Frühjahr-Sommer 1972.
22    Freiin Imme von Eckardtstein, Lune`ville 1871 - 1930 Dornach. 1. von Eckardtstein schuf auch für die Dornacher Inszenierung unter Leitung von Marie Steiner alle Kostüme für die vier Mysterien&amen Rudolf Steiners.
Maler Volkert, Linde, Haßund... Steglich: Von dem Maler Volckert konnten keine näheren Angaben ermittelt werden. Hermann Linde (Lübeck 1863 - 1923 Arlesheim) wurde 1904 Mitglied der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft, kam 1913 zur Grundsteinlegung des ersten Goetheanums nach Dornach und war mit anderen Malern bei der Ausmalung der großen Kuppel tätig. Fritz Haß (geb. 1864) aus München malte ein Porträt von Rudolf Steiner, zu dem er ihm einige Male gesessen hat. Es wurde 1912 in die Ausstellung der Sommer-Sezession in München aufgenommen. Der Maler William Steglich (1866 - 1918) war Däne und übernahm den Vorsitz des im Jahre 1910 begründeten Zweiges in Kopenhagen.
23    Zwischen tage: Die Aufführungen fanden statt: Sonntag, 18., Eleusis; Dienstag, 20., Die Pforte der Einweihung; Donnerstag, 22., Die Prüfung der Seele; Sonnabend, 24., Der Hüter der Schwelle. - Die Vorträge von Carl Unger fanden am 19., 21. und 23. August statt; das Thema war: Auf dem Wege zur Geisteswissenschaft.
Dr. Ing. Carl Unger, Bad Cannstatt bei Stuttgart 1878 - 1929 Nürnberg. In der damaligen Zeit einer der wirksamsten Vertreter der Anthroposophie Rudolf Steiners. Siehe Carl Unger, «Schriften« I und II, Stuttgart.
A.    W Sel/in, Ludwigslust, Mecklenburg-Schwerin 1840 - 1933 München, Direktor der Hanseatischen Kolonisationsgesellschaft, Hamburg. Siehe «Erinnerungen aus dem Berufs- und Seelenleben eines alten Mannes», Konstanz 1920.
27    Goethe... «Verweile doch> du bist so schön!»: Letzte Worte des sterbenden Faust. Siehe Goethes «Faust», 2. Teil.
29    wir haben so oft mit Eh,furht zurückgewiesen: Siehe z. B. «Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen», GA Bibl.-Nr. 109.
32    ätherischer Leib: Siehe z. B. die in der 1912 erschienenen Schrift «Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen» in acht Meditationen dargestellten einzelnen geisteswissenschaftlichen Grunderlebnisse (zweite Meditation), GA Bibl.-Nr. 16.
62    Bekannt ist dir: Worte der Maria im 7. Bild von «Der Hüter der Schwelle».
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62/63 die christliche Überlieferung drückt diesen Tatbestand dadurch aus, dass sie sagt: Siehe Jesaja 6, Vers 1-3.
64 in einem kleinen Buche: Vgl. Hinweis zu Seite 32.
70    im «Hüter der Schwelle»: 8. Bild.
80  in dem Drama «Der Hüter der Schwelle»: 2. und 8. Bild.
82    eine Welt, welche gewöhnlich die devachanische Welt genannt wird: In der theosophischen Terminologie verweisen die Bezeichnungen Devachan- oder Mentalwelt auf dasselbe, was Rudolf Steiner mit dem deutschen Ausdruck «Geisterland» bezeichnet, das in eine niedere und eine höhere Region gegliedert wird.
die Welt der höheren Hierarchien, die wir kennengelernt haben: Siehe «Die Geheimwissenschaft im Umriß», CA Bibl.-Nr. 13, und die Vorträge «Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt. Tierkreis, Planeten, Kosmos», GA Bibl.Nr. 110; «Die Evolution vom Gesichtspunkte des Wahrhaftigen», GA Bibl.-Nr. 132; «Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen», GA Bibl.-Nr. 136.
83 Man könnte auch sagen, es sei der niedere Mentalplan: Vgl. Hinweis zu Seite 82.
84    die Welt der Hierarchien, die wir von anderen Gesichtspunkten aus öfters charakterisiert haben: Vgl. 2. Hinweis zu Seite 82.
91    Bhagavad Gita: Siehe die beiden Vortragszyklen «Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe», GA Bibl.-Nr. 142; «Die okkulten Grundlagen der Bhagavad Gita», GA Bibl.Nr. 146.
107    Ludwig Deinhar~ Deidesheim, Rheinpfalz 1847 - 1917 München, Ingenieur und Industrieller. «Das Mysterium des Menschen im Lichte der psychischen Forschung. Eine Einführung in den Okkultismus», Berlin 1910.
111 Kann man also sagen: In «Der Hüter der Schwelle», 10. Bild.
127    Leopold von Ranke, Riehe/Reg.bez. Merseburg 1795 - 1886 Berlin.
128    des Johannes 1homasius Doppelgänger: In «Der Hüter der Schwelle», 3. Bild.
130    Bodhisattva: TheosoPhisch-indische Rangbezeichnung für einen Menschheitslehrer, bevor er die Buddhaschaft erreicht hat.
131    wir sehen den ....... von einem anderen Planeten: Siehe Vortrag Helsingfors 13. April 1912 in «Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen», GA Bibl.-Nr. 136, in dem der Zusammenhang des Buddha mit dem Planeten Merkur dargestellt ist.
Wir sehen ihn (Buddha) hinauftteigen zum Mars: Von Rudolf Steiner öfters dargestellt, z. B. im Vortrag Kristiania 11. Juni 1912 in «Der Mensch im Lichte von Okkultismus, Theosophie und Philosophie», GA Bibl.-Nr. 137; Neucha`tel, 18. Dezember 1912 in «Das esoterische Christentum», GA Bibl.-Nr. 130; Berlin 22. Dezember 1912 in «Das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt im Verhältnis zu den kosmischen Tatsachen», GA Bibl.-Nr. 141.
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132    wer meinefeüheren Vortrfge gehört hat: Siehe z. B. «Das Lukas-Evangelium», GA BibI.Nr. 114.
136    Ich habe es öfter gesagt... Meister der Weisheit und des Zusamrnenklanges der Empfindun. gen: Näheres siehe in «Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914», GA Bibl.-Nr. 264.
137    Wie aber die Dinge gehen mögen: Vgl. Hinweis zu Seite 20. Siehe die Darstellung der Vorgänge in den «Mitteilungen für die Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft», herausgegeben von Mathilde Scholl.
138    Einladung für den nächsten KongreflderEuropäischen Sektionen der 1heoscphischen Gesellschaft: An diesem Kongreß wurde nicht mehr teilgenommen, denn mit Schreiben vom 7. März 1913 aus Adyar schloß Annie Besant als Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft die Deutsche Sektion aus der Theosophischen Gesellschaft aus.
ist der Gruflschon an dem ersten Vortrag da,gebraoht worden: Ist in der Nachschrift nicht festgehalten worden.

Zum Sondervortrag
140    Der Vortrag war ursprünglich nicht vorgesehen - vielleicht haben die schon im Hinweis zu Seite 20 angetönten Auseinandersetzungen mit der Zentralleitung der Theosophischen Gesellschaft dazu Veranlassung gegeben - und wurde deshalb nicht chronologisch eingereiht, sondern an den Schluß gesetzt.
141    die spirituellen Leiter unserer Bewegung: Siehe Hinweis zu Seite 136.
143    Walther Rathenau, Berlin 1867 - 1922 Berlin, wurde ermordet, Staatsmann und Wirtschaftspolitiker. «Zur Kritik der Zeit», S. Fischer-Verlag, Berlin.
146    Herman Grimms... Biographie Michelangelos: «Leben Michelangelos», 2 Bände, Hannover 1860-63.
Er hat dann auch begonnen, ein Leben Raffaels zu schreiben: «Das Leben Raphaels von Urbuni, von Vasari. Übersetzt und kommentiert von Herman Grimm», Berlin 1872; 2. Auflage unter dem Titel «Das Leben Raphaels», Berlin 1886. Sein Werk «Raphael als Weltmacht» erschien 1886.
Ein kurzes Fragment: In «Fragmente». Zweiter und letzter Teil, Berlin und Stuttgart 1902.
147    vier Bilder: Die genannten vier Bilder waren im «Hüter der Schwelle» (1. Bild: Vorsaal zu den Räumen des Mystenbundes) angebracht. Für die Inszenierung des Dramas auf der Goetheanum-Bühne in Dornach wurden sie von William Scott-Pyle (1888 - 1938) ausgeführt. Wiedergegeben in der Bildbeilage zu Heft Nr. 43/44 (Weihnachten 1973) der «Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe». Siehe auch die Vorträge Rudolf Steiners Köln, 8. Mai 1912 und München, 16. Mai 1912 in «Erfahrungen des Übersinnlichen. Die Wege der Seele zu Christus», GA Bibl.-Nr. 143.
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148    Konrad Burdacb, Königsberg 1859 - 1936 Berlin, Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin, Hauptvertreter der geistesgeschichtlichen Methode in Sprach- und Literaturforschung. Von 1887 - 1902 Professor in Halle. Seine Studie «Faust und Moses» erschien in «Sitzungsberichte der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften». Erster Teil: 2. Mai 1912; zweiter Teil: 11. Juli 1912.
149    zu Eckermann: Sonntag, den 6. Dezember 1829. Siehe hierzu Herman Grimm «Raphael als Weltmacht», Hinweis zu S. 146.
150    «Gottes ist der Crient . . .»: Goethe im «West-östlichen Divan» (Buch des Sängers. - Talismane).
zu einem Kapitel des «Wilhelm Meister»: Siehe «Wilhelm Meisters Wanderjahre» (Zweites Buch, zweites Kapitel). Die angeführten Worte sind von Rudolf Steiner frei wiedergegeben.
153    Ale:cander von Humboldt, Berlin 1769 - 1859 Berlin, Naturforscher. Siehe «Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung», Stuttgart und Tübingen 1847 (2. Band S. 44-49).
154    Wilhelm von Humboldt, Potsdam i767 - 1835 Tegel bei Berlin, Gelehrter und Staatsmann. Siehe hierzu seinen Brief an August Wilhelm Schlegel vom 21. Juni 1823 (wiedergegeben in «Wilhelm von Humboldt im Verkehr mit seinen Freunden», Berlin o.J.).
155    in den einleitenden Bemerkungen: Herman Grimm, Fragmente: Erster Band, Berlin und Stuttgart, Verlag W. Spemann, 1900: «Von den Anfängen eigener schriftstellerischer Betätigung ab ging mein Sinn dahin, meinen Grundgedanken nachgehend die Geschichte der europäischen Volksentwicklung zu schreiben. ... Es war meine Absicht, die in der Berliner Universität im Laufe von fünfzig Semestern gehaltenen Vorlesungen zu- nächst zu einem Buche zu gestalten, das die Geschichte des geistigen Wachstums der Deutschen enthielte, aber es wird mir zweifelhaft, daß ich dazu kommen werde.» Berlin, September 1899.
Frau Balde: Das «Märchen von der Phantasie» erzählt sie im 6. Bild von «Der Hüter der Schwelle».
156    Edouard Schur6 «L>Evolution divine»: «L`Evolution divine du Sphinz au Christ» war im Februar 1912 mit einer Vorrede von Rudolf Steiner erschienen. Die Deutsche Übersetzung «Die göttliche Entwicklung von der Sphinz bis zum Christus» durch J. Hardt erschien Leipzig 1922.

PERSONENREGISTER

#G138-1986-SE163 - Von der Initiation -  Von Ewigkeit und Augenblick - Von Geisteslicht und Lebensdunkel
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PERSONENREGISTER
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(H = Hinweis)

Alkibiades (um 450 - 404 v. Chr.)    Linde, Hermann (1863-1923)
 14     22 H
Äschylos (525 - 456 v. Chr.)    Lykurg (9. Jh. v. Chr.)
 14, 155     15
Buddha, Gotama (560 - 480 v. Chr.)    Mahomet (570 - 632)
 40 H, 42, 126ff., 131 H, 132f.     126
Burdach, Konrad (1859 - 1936)    Michelangelo Buonarroti (1475 - 1564)
 148 H, 149     146, 147
Cäsar, Cajus Julius (100 - 44 v. Chr.)    Novalis (Friedrich von Hardenberg)
    13, 14, 15    (1772-1801)147
Dante (1265 - 1321)    Raffael Santi (1483 - 1520)
 41, 89, 110     146ff.
Deinhard, Ludwig (1847-1917)    Ranke, Leopold von (1795-1886)
 107 H, 108     127
    Rathenau, Walther (1867-1922)
Imme von Eckardtstein, Freiin Imme von     143 H, 144
 (1871-1930)22H
Eckermann, Johann Peter (1792 - 1854)    Schure, Edouard (1841 - 1929)
 149 H     11 H, 12, 19, 26, 156 H
    Sellin, A. W. (1840-1933)
Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832)     23 H, 24
 27 H, 40, 110, 149, 150 H, 152    Shakespeare, William (1564-1616)
Grimm, Herman (1828-1901)     110
 12 H, 13, 145, 146 H, 154    Sophokles (496-406 v. Chr.)
     14, 155
Haß, Fritz (geb. 1864)    Steglich, William (1866- 1918)
 22 H     22 H
Homer (9. Jh. v. Chr.)
 14, 40, 110,155    Unger, Carl (1878-1929)
Humboldt, Alexander von (1769- 1859)     23 H
 153 H, 154
Humboldt, Wilhelm von (1767- 1835)    Volckert
 154 H     22 H
Konfuzius (551 - 478 v. Chr.)    
Zarathustra (6. Jh. v. Chr.)
    126    40

lunedì 29 agosto 2011

19120830B


SONDERVORTRAG München, 30. August 1912


#G138-1986-SE140 - Von der Initiation -  Von Ewigkeit und Augenblick - Von Geisteslicht und Lebensdunkel
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SONDERVORTRAG
München, 30. August 1912
#TX 20110829 20:33
Der einzelne Mensch, welcher durch die Empfindungen und Sehnsuchten seiner Seele den Drang verspürt, an die theosophische Bewegung heranzutreten, wird - vielleicht ohne daß er sich dessen immer im vollen Umfange bewußt ist - die Befriedigung dessen suchen, was persönlich sein Herz begehrt, was ihm persönlich Ruhe über die großen Rätselfragen des Daseins bringen kann, über diejenigen Fragen, von denen er fühlt, daß er ohne ihre Beantwortung nicht mit dem Leben in der Epoche, in die er durch seine gegenwärtige Inkarnation hineingestellt ist, fertig werden kann. Wenn der einzelne dann da oder dort innerhalb des Geisteslebens seiner Epoche dasjenige findet, was er entgegennehmen kann, um zu diesen Befriedigungen seiner bangen und für ihn notwendigen Seelenrätsel zu kommen, dann sollte er sich aber auch bemühen, zu einem Verständnis davon durchzudringen, daß solches Geistesleben, das sich in irgendeine Epoche hereinstellt, auch für die einzelne Seele nur wirklich das bringen kann, was diese einzelne Seele in der richtigen Weise mit dem Geistigen verbindet, ohne daß diese Richtigkeit der einzelnen Seele immer bewußt wird, wenn solches Geistesleben im Einklange steht mit der Gesamtevolution der Menschheit und Rechenschaft abzulegen vermag vor der Gesamtevolution der Menschheit. Es mag da oder dort eine geistige Bewegung auftreten, einzelne Seelen mögen glauben, für sich dasjenige, was sie brauchen, in solchen Bewegungen finden zu können. Es kann das, was die Seele also bekommt, und wovon sie selbst glaubt damit befriedigt sein zu können, aber wertlos sein für die wirkliche Entwickelung der Seele, für die wirklichen Kräfte, welche die Seele suchen muß, wenn nicht dasjenige, was ihr als geistiges Leben begegnet, die volle Verantwortung übernehmen kann gegenüber der geistigen Führung und geistigen Leitung der Menschheit in irgendeiner Epoche, wenn nicht diese geistige Bewegung vor diejenigen Mächte hintreten kann, welche die Führung des Geisteslebens der Menschheit haben, und sich vor diesen
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Mächten verantworten kann, indem sie von diesen Mächten sozusagen ausgesprochen erhält: Ja, es geschieht mit der geistigen Bewegung dasjenige, was die Zeit verlangt, was die geistigen Kräfte verlangen, welche in die Zeit hereinragen. - Der einzelne Theosoph mag wohl ab und zu auch das Bedürfnis haben Ausschau zu halten, wie das, was er entgegennimmt, zu dem gesamten geistigen Leben steht oder sich auf den verschiedensten Gebieten äußert, was aber vielleicht mehr die Sehnsucht ausdrückt als das Bedürfnis, von der Zeit die Lösung der Rätselfragen zu erwarten, die durch die Geisteswissenschaft gewonnen werden soll. Die theosophische Seele mag, wenn sie auf dasjenige blickt, was sie mit einiger Befriedigung aus der Geisteswissenschaft heraus empfängt, gar manchmal unbefriedigt oder vielleicht auch unsympathisch auf das blicken, was uns überall als Geistesleben in unserer Zeit so umgibt, daß dieses Geistesleben vermeint, auch mit den höchsten Daseinsfragen, den höchsten Rätseln des Menschendaseins zu tun zu haben. Manches, was da draußen auftritt und ringt nach der Lösung der Daseinsrätsel, nach der Beantwortung der Fragen des Daseins, mag als materialistisch, oberflächlich, ungenügend von mancher Seele empfunden werden, welche die Geisteswissenschaft aufnimmt. Unbefangener Beobachter ist in diesem äußeren Leben aber so mancher, der von der Geisteswissenschaft nichts weiß, so mancher, der auch nicht einmal ahnen kann, was in dem, was wir Geisteswissenschaft nennen, lebt, und der aufrichtig und ehrlich nach der Wahrheit in unserer Epoche ringt, dessen Seele eben ehrlich und aufrichtig nach den Daseinsrätseln hin die tiefste Sehnsucht empfindet. Nicht mit einem oberflächlichen, alles nivellierenden Blick sollen wir unsere Mitwelt, das was außer uns steht, überschauen, sondern mit einem unterscheidenden
Blick, denn nur dadurch können wir die Möglichkeit gewinnen, in der richtigen Weise an das anzuknüpfen, was da ist. Es kann natürlich nicht in einem einstündigen Vortrage vieles von dem erwähnt werden, woran die, welche die spirituellen Leiter unserer Bewegung sind, heute anknüpfen müssen, was sie voll berücksichtigen müssen. Deshalb kann nur einzelnes herausgehoben werden, und an einzelnen Exempeln soll gezeigt werden, worin draußen in der Welt die
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Rätselfragen pulsieren, zu deren Beantwortung, zu deren Befriedigung Geisteswissenschaft sich anschicken will.
Wenn Sie die Welt betrachten, so werden Sie insbesondere finden, daß suchende Seelen - Seelen, denen sich die Daseinsrätsel so recht ins Herz hineindrücken - sich sagen:
Wessen bedürfen wir heute, was müssen wir fragen, wo können uns Aussichten über die Ziele des Lebens herkommen? - Seelen, so empfindend, finden sich zahlreich namentlich unter denen, die sich aus der praktischen Technik, der Praxis des Lebens, der Praxis der Arbeit herausarbeiten. Nicht einmal unter den der Philosophie Geneigten sind so viele, die in bangster Weise so denken, als unter den Lebenspraktikern, die ihre Hände unter der Mechanisierung des Lebens abmühen, die dafür aber nach dem hinblicken, was oft die Seele erfüllt, wenn sie nach den Rätseln des Lebens fragen muß. Wir müssen wohl hinhorchen auf solche Seelen, denn wir müssen uns vorstellen, daß die Geisteswissenschaft einst zu antworten hat, Rechenschaft abzulegen hat den leitenden Mächten der Welt gegenüber. Solche Seelen aber gehören zu den besten suchenden Seelen der Gegenwart, und es kann eine Epoche kommen, wo sie herantreten an die Führer des geistigen Lebens, und wo diese auf die Lebensrätsel antworten müssen, die sich unter dem Druck der praktischen Interessen des Lebens herausgebildet haben. Wir brauchen uns nur nicht selber zu blenden, müssen nur den Sinn für das haben, was im Leben vorgeht, und es wird uns überall entgegentreten, wo die wahren Stimmen der Seelensucher sind.
Wer in der letzten Zeit entweder an Buchhandlungen vorbeigegangen ist oder sich an den Bahnhofsbuchhandlungen umgesehen hat, was dort ausgelegt war, und nicht nur hingegangen ist mit dem Bestreben, nur das sich auszusuchen, was er sich kaufen will, der wird überall deutlich ausgelegt gefunden haben ein Buch, das er vielleicht, wenn er Theosoph ist, nicht mit viel Interesse lesen kann, wenn er nur daran denkt, die eigenen Seelenbedürfnisse zu befriedigen, das er aber mit Interesse lesen wird, wenn er sich sagt: wie müssen sich die Dinge stellen, wenn wir mit Antworten auf die Fragen nach den Lebensrätseln den suchenden Seelen entgegenkommen wollen?
#SE138-143 20:49
Da lag ein Buch aus von einem im praktischen Leben ausgezeichneten Mann, und las man die ersten Seiten, so konnte man sich überzeugen, daß er einen guten Überblick Über unser Zeitalter hat, daß unsere Zeit aufrückt zu der Mechanisierung des äußeren Lebens, daß die Kräfte menschlicher Arbeit immer mehr und mehr hineingedrängt werden in die maschinenmäßige Arbeit. Es ist das Buch «Zur Kritik der Zeit» von Walther Rathenau. Es ist ein Buch eines unsere Zeit kennenden Menschen, den derjenige auch kennenlernen sollte, der in der Geisteswissenschaft mitsprechen will. Es ist darin dargestellt, wie in unserer Zeit alles mechanisiert wird, und warum das so kommen mußte. Für umfassende Begriffe wird das größtenteils unrichtig dargestellt, ja, man wird vielleicht mit keinem Ausdruck darin übereinstimmen können, aber darum handelt es sich nicht. Sondern darum handelt es sich, was die suchenden Seelen in unserer Zeit sagen, und welches die Kräfte sind, mit denen sie suchen, besonders wenn es ein Mensch des praktischen Lebens ist, wie es der Verfasser dieses Buches ist. Ich möchte Ihnen zu Beginn unserer Betrachtung etwas aus einer Stelle dieses Buches vorlesen, die mir wie aus dem Zentrum der Seelenstimmung der Seelen Europas und Amerikas gesprochen erscheint. Man hört darin förmlich, was unzählige Seelen nicht aussprechen können, was in ihnen Fragen anregen kann, wenn man eine solche Persönlichkeit versteht, wo sie aus sich heraus von der Zeit und der Zeitenseele spricht und sagt:
«Sie - die Zeit - sucht ihre Seele und wird sie finden» - trotzdem können Sie in dem ganzen Buche nicht einen einzigen Anhaltspunkt finden, wie die Zeit ihre Seele finden mag, nur Sehnsucht, der Trieb nach etwas Unbekanntem - «freilich gegen den Willen der Mechanisierung. Dieser Epoche lag nichts daran, das Seelenhafte im Menschen zu entfalten; sie ging darauf aus, die Welt benutzbar und somit rationell zu machen, die Wundergrenze zu verschieben und das Jenseitige zu verdecken. Dennoch sind wir wie je zuvor vom Mysterium umgeben; unter jeder glatten Gedankenfläche tritt es zutage, und von jedem alltäglichen Erlebnis bedarf es eines einzigen Schrittes bis zum Mittelpunkt der Welt.» In diesem Buche wird nirgends angedeutet, wie dieser Schritt gemacht werden soll von den uns umgebenden
#SE138-144 20:54
Mysterien bis zum Mittelpunkt der Welt.
«Die drei Emanationen der Seele: die Liebe zur Kreatur, zur Natur und zur Gottheit konnte die Mechanisierung dem Einzelleben nicht rauben; für das Leben der Gesamtheit wurden sie zur Bedeutungslosigkeit verflüchtigt. Menschenliebe . . .» - das sagt ein Praktiker der Gegenwart, der sich mit nüchternem Blick seiner Zeit so entgegenstellt, wie er sich ihr entgegenstellen kann, der durch Jahrzehnte selbst angegriffen hat, was in Europa und darüber hinaus die Fäden des ökonomischen Lebens sind, und der selber daran mitgearbeitet hat - «Menschenliebe sank zum kalten Erbarmen und zur Fürsorgepflicht herab, und bedeutet dennoch den ethischen Gipfel der Gesamtepoche; Naturliebe wurde zum sentimentalen Sonntagsvergnügen; Gottesliebe, überdeckt vom Regiebetriebe mythologisch-dogmatischer Ritualien, trat in den Dienst diesseitiger und jenseitiger Interessen und wurde so nicht bloß unedlen Naturen verdächtig.» Weiter sagt Rathenau Worte, auf die der, welcher den Geistesbedürfnissen der Zeit entgegenkommen will, mit gutem Willen entgegenkommen will, hinhören muß, wenn sie auch partiell unrichtig sind, denn sie drücken das aus, was berechtigt aus den Seelen herausströmt und in zukünftigen Zeiten immer mehr aus den Seelen herausströmen wird: Empfindungen, gegen die sich keiner, der Geisteswissenschaft treibt, auflehnen darf, ohne daß ihn das Karma der Zeit treffen wird. «Es gibt wohl keinen einzigen Weg, auf dem es dem Menschen nicht möglich wäre, seine Seele zu finden, und wenn es die Freude am Aeroplan wäre. Aber die Menschheit wird keine Umwege beschreiten.» Das ist Bedürfnis der Zeit. Das können wir hören, wie die Zeit es ablehnen wird etwas entgegenzunehmen, was unmittelbar zu den Tiefen der Seele, was übersinnlich zu den Tiefen der Seele sprechen wird. Diese Zeit wird sagen:
«Es werden keine Propheten kommen und keine Religionsstifter, denn diese übertäubte Zeit läßt keine Einzelstimme mehr vernehmlich werden: sonst könnte sie heute noch auf Christus und Paulus hören. Es werden keine esoterischen Gemeinden die Führung ergreifen, denn eine Geheimlehre wird schon vom ersten Schüler mißverstanden, geschweige vom zweiten. Es wird keine Einheitskunst der Welt ihre Seele bringen, denn die Kunst ist ein Spiegel und ein Spiel der Seele, nicht ihre Urheberin.»
#SE138-145 20:57
Man möchte sagen: So hat sich vor einigen Monaten ein Mann vernehmen lassen.
Und was haben wir seit zehn Jahren getan?
Wir haben uns bemüht, Antwort zu finden auf das, was so aus der Zeit heraus als ihre Kräfte sich spinnt. Und weiter sagt er:
«Das Größte und Wunderbarste ist das Einfache. Es wird nichts geschehen, als daß die Menschheit unter dem Druck und Drang der Mechanisierung, der Unfreiheit, des fruchtlosen Kampfes die Hemmnisse zur Seite schleudern wird, die auf dem Wachstum ihrer Seele lasten. Das wird geschehen nicht durch Grübeln und Denken, sondern durch freies Begreifen und Erleben. Was heute viele reden und einzelne begreifen, das werden später viele und zuletzt alle begreifen: daß gegen die Seele keine Macht der Erde standhält
Daß gegen die Seele keine Macht der Erde standhält! Das bedingt unser Vertrauen, daß wir in die Zukunft hineinwachsen mit dem, was wir haben, und uns im Einklang wissen mit den Besten der Zeit, die nichts von uns wissen oder gar nichts wissen wollen. Aber wir wollen uns nicht verleiten lassen gegen das, wonach unsere Zeit dürstet, irgend etwas zu unternehmen, denn wir wissen, die Führung der Menschheit ist höheren, spirituellen Mächten überlassen, und das, was sich in der Menschheit äußert, kommt von diesen spirituellen Mächten, auch wenn es selbst anders erscheinen mag als das, was wir selbst wollen, wenn es nicht durch irgendwelche Willkür, sondern so erzeugt erscheint, daß es wie mit elementarer Gewalt aus dem Zentrum der Seelen mit dem Impuls der Zeit hervorkommt. So spricht zu uns unsere Zeit.
Wie sprechen diejenigen Erscheinungen, die unsere Zeit herbeigeführt haben?
Ich möchte zunächst von etwas ausgehen, wohin sich meine Gedanken im Verlaufe dieses Vortragzyklus schon einmal lenkten. Unter den mancherlei Persönlichkeiten, die mir in der Zeit entgegengetreten sind, als ich noch nicht innerhalb der Theosophischen Gesellschaft war, war - wie ich vor einigen Tagen erwähnt habe - auch der Kunsthistoriker Herman Grimm, der mit allem, was er im einzelnen leistete, nichts anderes wollte, als sich bewußt in die Bedürfnisse unserer Zeit hineinzustellen. Sehr Merkwürdiges konnte man mit ihm
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erleben. Herman Grimm hat sich in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts herangemacht, eine Biographie Michelangelos zu schreiben. Wer sie heute in die Hand nimmt; wird sie, wenn er nicht von Vorurteilen befangen ist, als das Beste finden, was über Michelangelo geleistet worden ist. Herman Grimm hat in langer Arbeit sich bemüht, ein gerundetes Bild des Wirkens und Schaffens Michelangelos zu vollenden. Es ist ihm auch gelungen, ein Bild dieser Zeit zu schaffen. Er hat dann auch begonnen, ein Leben Raffaels zu schreiben. Es gehörte zu den beständigen Geständnissen, die man aus Herman Grimm heraushören konnte, daß es ihm gegenüber Raffael ganz anders erging. Michelangelo konnte er so beschreiben, daß er ein fertiges Bild dieser Persönlichkeit hinstellen konnte, Raffael nur so, daß es für ihn selbst nimmermehr genügte. Warum? Herman Grimm war ein Mensch, der bei allem, was er begreifen wollte, immer die ursprünglichen Ursachen suchte, und bei Raffael konnte er eben die ursprünglichen Ursachen nicht finden. Wenn er irgendwie mit etwas über Raffael fertig war, dann mußte er finden, daß die Sache doch wieder höchst unvollkommen gelöst war. Dennoch setzte er immer wieder an, auch kurz vor seinem Tode noch einmal, um ein Leben Raffaels zu schreiben, doch es ist nicht fertig geworden. Ein kurzes Fragment darüber ist dann in seinen nachgelassenen Fragmenten erschienen. Herman Grimm selber sagte sich etwa: «Ob es mir diesmal anders gelingen wird, wenn ich noch so lange leben werde, irgend etwas zustande zu bringen, was für mich sich deckt mit dem, was man über Raffael wissen möchte?» Es war kurz vor seinem Tode, als er wieder damit anfing, denn es war das Fragment, dem gegenüber er die Feder aus der Hand gelegt hat und gestorben ist. Es ist nur ein Fragment, als er selber noch dazu gekommen war, ein «Leben Raphaels» zu schreiben. Ich selber mußte, als ich diese Worte in seinem Nachlaß las, eines Momentes gedenken, da ich mit ihm in einem kleinen Kreise einmal zusammen war und gesprochen habe, wie ich es wollte, von den geistigen Angelegenheiten der Menschheit. Ich hatte Herman Grimm sehr lieb und werde ihn immer gleich lieb haben. Er war eine Persönlichkeit, streng eingeschlossen in das Geistesgebiet, das er sich zubereitet
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hatte, und er hatte eine Antwort auf das, was ich so gerne hätte ein- fließen lassen. Sie bestand in folgendem: es war eine bloße Handbewegung des Ablehnens gegenüber dem, was sich in die Insel seines Geisteslebens etwa hätte von außen her hineinbewegen können von dem, was nicht von ihm mit den Kräften, die man in seiner Zeit haben konnte, aufgenommen werden konnte. Wer mit ihm umzugehen wußte, der verstand ihn und seine Hand, wie sie um die Tischecke herum in ablehnender Bewegung sich befand. Für mich war diese Handbewegung die Grenze zwischen dem, bis wohin ein Geist geht, der mit den geistigen Elementen seiner Epoche dieselbe neu beleben will, und dem, was als neue Kräfte in unsere Zeit einfließen muß. Das war im Jahre 1892.
Warum - ich möchte alles andere jetzt nur in Ihren Seelen anregen - konnte Herman Grimm aus den geistigen Elementen, die in seiner Seele lebten, mit dem Leben Raffaels nicht zustande kommen? Geben Sie sich die Antwort mit alle dem, was für das Geistesleben einer Zeit notwendig sein wird, die so etwas wie das Leben Raffaels wird verstehen wollen. Damit sage ich nicht, daß das Leben Raffaels etwas Höheres sein muß als zum Beispiel das Leben Michelangelos, sondern ich stelle nur ein Faktum für die Menschenseele vor Sie hin. Versuchen Sie sich eine Antwort zu geben. Man kann sie sich geben, wenn man den Blick schweifen läßt über das erste Bild, das unser drittes Mysteriendrama, «Der Hüter der Schwelle», eröffnet. Da finden Sie vier Bilder: Elias, Johannes der Täufer, Raffael, Novalis. Mit dem, was im Laufe unserer jahrelangen geisteswissenschaftlichen Arbeit hat zutage treten können, so daß es plausibel, beweiskräftig erscheinen konnte, haben wir uns bemüht zu zeigen, wie eine gleiche Seelen-Individualität - sich wiederinkarnierend - von Elias zu Johannes dem Täufer hinübergeht, in Raffael wiedergeboren wird, dann in Novalis wiedererscheint. So phantastisch das heute erscheinen mag, so wahr wird man es in einer gar nicht so fernen Zukunft finden, daß man mit dem Begreifen der Welt scheitern wird, wenn man nicht zu Hilfe nehmen wird die Idee der Reinkarnation der Menschenseele und das Karma, das durch die verschiedenen Erdenleben hindurchgeht, was man die spirituellen Zusammenhänge
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der Welt nennt. Der erst wird Raffaels Leben beschreiben, der von dem Leben ausgeht, das durch die Geisteswissenschaft erkannt wird. Überall tritt drängend und fragend in unserer Zeit an die Menschenseele heran der Zusammenhang des geistigen Lebens in aller Welt, setzt Fragen hin wie die:
Wie kommt es, daß plötzlich im menschlichen Leben Gedanken auftreten wie aus eigener Seele entspringend, die in fern davon liegenden Zeiten da waren und nun wieder auftreten? - Man kann in die Art hineinschauen, wie das geistige Leben wirklich wirkt, wie es in den aufeinanderfolgenden Epochen die Gedanken immer wieder erscheinen läßt, wenn man die geistigen Gedankengänge kennt, welche die Geisteswissenschaft zu enthüllen vermag.
Es ist in den letzten Wochen ein höchst Bedeutsames im deutschen Geistesleben erschienen. Es wird Ihnen sonderbar erscheinen, daß ich es für bedeutsam halte. Aber ich muß es für bedeutsam halten, denn es ist symptomatisch bedeutsam. Ich habe, als ich in Weimar mit Goethe beschäftigt war, viele Persönlichkeiten kennengelernt, die mit der deutschen Gelehrsamkeit tonangebend zusammen- stehen. Unter den mancherlei Germanisten trat mir damals einer entgegen, von dem ich mir außerordentlich Bedeutsames auf seinem Felde versprechen konnte. Es ist Konrad Burdach, der damals Professor in Halle war, dann diesen Posten verlassen hat, um als Privatgelehrter weiterzuleben. Nun hat Konrad Burdach in den letzten Wochen in den Versammlungen der Berliner Akademie der Wissenschaften eine höchst interessante Abhandlung vorgelegt. Sie figuriert zwar zunächst nur unter den akademischen Schriften, doch ist darin eine bedeutsame Frage aufgeworfen - aber eine Frage, die man nicht mit den Mitteln Konrad Burdachs lösen kann, sondern die nur mit den Mitteln der Geisteswissenschaft beantwortet werden kann. Sie werden sich überzeugen, daß es einem Bedürfnis der einzelnen Seele sehr naheliegt, wenn sie über die Zusammenhänge des Lebens nachdenkt, sich zu fragen:
Wie steht das Faust-Gedicht der modernen Seele gegenüber?
 - Haben wir nicht in dem Faust den Lebenspraktiker unserer Zeit hingestellt, der - am Schlusse seines langen Lebens angelangt - vor allem ein praktisches Ideal vor sich hat?
#SE138-149 21:24
Schauen wir uns Goethe an in seinem praktischen Schaffen: wir können es verfolgen, wie er zu Eckermann, seinem getreuen Sekretär, spricht. Goethe ist genötigt, die spirituelle Entwickelung des Faust darzustellen. Ihm kommt der geistige Inhalt von Raffaels Madonna Sixtina in den Sinn; er konnte diesen erst in seiner späteren Lebenszeit erfassen, weil er ihn zum Beispiel beim ersten Besuch in Dresden noch nicht erfaßt hatte. Er wollte darstellen, wie zum Schluß Fausts Unsterbliches in die höheren Welten aufgenommen wird. Wir sehen, er ringt mit seinem Problem so, daß er einst zu Eckermann sagte: Es ist merkwürdig, wie dämonische Gewalten durch die Welt gehen und aus einem unbekannten Übersinnlichen Gestalten wie Raffael heraussprießen lassen, wie man nicht fertig wird mit Gestalten wie Raffael, ohne daß man sie erklären wird aus ihrem Hervorgehen aus dem Ubersinnlichen heraus. - Man kann ein Gefühl davon haben, wie Goethe gerungen hat von dem allmählichen Übergehenlassen der Entelechie, von dem allmählichen Übergehen der Gestalten in die höheren Welten, bis er dann fertig wird mit einem Menschen, den er zugleich als einen Lebenspraktiker für die kommenden Jahrhunderte hingestellt hat.
Konrad Burdach hat für die Philologie ein Merkwürdiges hingestellt. Wer seine Abhandlung liest, hat das Gefühl: es ist doch sonderbar, wie es der reinen Philologie gelungen ist, ein Parallelbild aus den früheren Jahrhunderten dem Faust an die Seite zu stellen. Es werden die alten Gestalten nur in moderner Form, als wenn sie Goethe gestaltet hätte, wieder hingestellt. Die ganze Moses-Geschichte wird in dieser Weise, als wenn es Goethe gedacht hätte, für seine Zeit hingestellt. Konrad Burdach will damit zeigen, wie in Goethes Denkweise alles einfließt, was sich um die Moses - Gestalt herumgegliedert hat.
So steht ein Mann vor der Pforte, hinter welcher die Übersinnliche Welt ist, die Antworten gibt auf die Frage:
Inwiefern sind Gedanken, sind spirituelle Mächte reale Kräfte, die durch die Zeit hindurchwirken und in den verschiedensten Zeiten angemessen diesen Epochen wieder hervortreten?
Überall wo wir hinblicken, pocht heute die Welt an die Pforte der übersinnlichen Welt. Unsere Pflicht
#SE138-150 21:31
ist es, zu unserem Verantwortlichkeitsgefühl gehört es, die Welt, wo sie ehrlich und aufrichtig, nicht aus der persönlichen Willkür heraus fragt, so zu hören, wie es den Empfindungen, den Gefühlen der Seelen angemessen ist. Dabei kommt nicht in Betracht, was wir uns selber einbilden, wie die wahre Entwickelung der Menschheit sein soll. Ablesen sollen wir aber an den wirklich besten und sehnenden Seelen, wie sie selber in die spirituelle Welt hineinkommen wollen, und zurückhalten das, was wir selber für uns als das Wichtige halten, um es denen geben zu können, die da suchen. Gegenüber einer solchen Kultur, wie die ist, aus der wir heraus arbeiten wollen, und in der viele auswärtige Freunde in Europa und Amerika mit uns deshalb zusammenarbeiten, weil sie wissen, daß es nichts mit Nationalität zu tun hat, schickt es sich nicht darüber zu streiten, was orientalisch, was okzidentalisch ist, in der ein tonangebender Geist gesagt hat: «Gottes ist der Orient, Gottes ist der Okzident!» Das sind Worte Goethes, die uns in der Seele leben, und aus denen heraus wir wirken. Aber in den Seelen - nicht bloß in den unsrigen, sondern auch in denen, auf die wir hören müssen - leben nicht nur unsere willkürlichen Gedanken, die uns vorschreiben, was wir den anderen zu geben haben, sondern in den Seelen leben Empfindungen, welche die Geister der Jahrhunderte geschaffen haben. Suchen wir eine der uns entgegentretenden Gruppen auf. Gehen Sie mit mir zu einer der Leistungen, die - wie die Goethes sind - ganz außerordentlich bezeichnend sind für das Empfindungsleben gegenüber der spirituellen Welt und gegenüber den Gestalten, die in der spirituellen Evolution der Menschheit wirken. Gehen Sie mit mir zu einem Kapitel des «Wilhelm Meister» von Goethe. Verfolgen wir es zusammen, wie er den Wilhelm Meister als den Repräsentanten der Menschheit bewußt hinstellen wollte. Da sehen wir, wie Wilhelm Meister an einem Schlosse ankommt, wie er von dem Führer des Schlosses geführt wird und ihm die Schönheiten des Schlosses gezeigt werden, unter anderem auch die Bildergalerie. In dieser ist auch enthalten, was den Entwickelungsgang der Menschheit durch die verschiedenen Epochen hindurch darstellen kann, und man sieht daran, wie sich die Menschheit aus uralten Zeiten immer weiter und weiter bis zur Zerstörung Jerusalems entwickelt hat.
#SE138-151 21:34
Man soll durch die aufeinander- folgenden Bilder begreifen, wie es durch die Kräfte, die in der Evolution der Menschheit wirken, bis zur Zerstörung Jerusalems gekommen ist. Der, welcher geführt wird, Wilhelm Meister, dessen Erziehung der Seele uns geschildert werden soll, fragt seinen Führer:
Warum ist hier der Gang der Menschheitsentwickelung bis zur Zerstörung Jerusalems dargestellt und gar nicht innerhalb dieses Ganges das, was kurz davor in die Entwickelung hereingefallen ist: das Leben des Christus mit alle dem, was er in Palästina vollbracht hat? - Da sagt der Führer zu Wilhelm Meister: Dieses in gleicher Weise darzustellen wie den übrigen Gang der Menschheitsentwickelung, verbietet uns das, was unser Heiligstes ist. Was du hier dargestellt siehst, ist dasjenige, was an Kräften in der Weltgeschichte wirkt und so wirkt, daß es in seinem Zusammenwirken die Menschengruppen, die Nationen angeht, nicht aber die Kräfte, welche im einzelnen ein- gegriffen haben in das Leben einzelner Menschen. Es wäre falsch, in diese Bilderreihe den Christus hineinzustellen, denn der Christus wendet sich intim an jede einzelne Seele, und jede einzelne Seele hat mit ihm fertig zu werden. Dann führt der Führer den Wilhelm Meister in ein zweites, geheimeres Gemach, wo dargestellt ist, was nicht im gewöhnlichen Sinne in den epochalen Gang der Menschheitsentwickelung hineingestellt werden kann. Da sind wieder Bilder: für sich ist dasjenige hingestellt, was anknüpft an das Mysterium von Golgatha. In Bildern ist dargestellt vor Wilhelm Meister alles, was an den Christus anknüpft, bis - ja, bis zum Abendmahl. Nicht ist dasjenige da, was sich an das Abendmahl nun als das eigentliche Mysterium von Golgatha anschließt.
Warum, fragt wieder Wilhelm Meister seinen Führer, ist hier in diesem geheimeren Kabinett das dargestellt, was bis zum Abendmahl hinführt, und nicht dasjenige, was sich daran anschließt? Er erhält die Auskunft, daß zunächst keine menschliche Seele in der Lage ist das, was sich daran anschließt, so darzustellen, daß es das menschliche Gemüt nicht verletzen könnte. Goethe empfand noch in seiner Zeit aus seinem Spirituellen heraus die Ohnmacht, das große Mysterium darzustellen, weil er wußte, man möchte sagen, auch aus noch unbewußtem Wirken, daß
#SE138-152 21:38
- die tiefsten Gefühle des Seelenlebens herausgeholt werden müssen, wenn man das Heiligste für die Seele erstreben und vor die Seele hin- stellen soll. So zeigt uns sein Wilhelm Meister, wie man eine zweifache Pforte des Esoterischen überschreiten soll, wenn man sich diesem Heiligen in seiner Seele nähern will.
Was ist damals in Goethes Seele zum Ausdruck gekommen?
Es ist zum Ausdruck gekommen, daß, wenn in der neueren Kultur sich die Seele innerhalb ihrer selbst richtig erfaßt, diese neuere Kultur in die Seele ein Heiligstes, ein Hehrstes hineinlegt, das Goethe fühlen mußte. Was seiner Zeit noch nicht gegeben war, um dieses Heiligste darzustellen, muß aber kommen. Es muß mit ganz anderen Mitteln in den Seelen wirken. Wer die Verantwortlichkeit gegenüber dem fühlt, was in der Zeit solche Empfindungen gezeitigt hat, der steht nun der spirituellen Welt gegenüber mit vollem Verantwortlichkeitsgefühl und glaubt diesem Verantwortlichkeitsgefühl nur dienen zu können, wenn er nichts anderes tut, als die Seelen darauf hinzuweisen, wie in unserer Zeit die Epoche reif wird, daß die Seelen, wenn sie zum spirituellen Leben heranwachsen, dasjenige erringen werden, was für den Blick des Wilhelm Meister sich erst nach zweifachem Überschreiten der Pforte zu den höheren Geheimnissen erschließen soll. So wäre die Atmosphäre, die aus dem geistigen Leben der Zeit in unsere Seelen strömt, wenn wir von dem Christus-Geheimnis sprechen wollten, das sich uns enthüllen soll, sprechen wollten von der Intimität, die zwischen der Seele und dieser gewaltigen Macht der Weltentwickelung bestehen wird, wenn jede einzelne Seele reif wird, daß der aus der geistigen Welt heraus neu sich offenbarende Christus intim jeder einzelnen Seele sich nähern wird.
Wir wußten, daß wir nicht anders handeln durften, als dem Führer des Wilhelm Meister zu folgen. Der führt zuerst zu dem, was die Epochen charakterisiert, dann zu dem, was in der geheimeren Kammer abgeschlossen ist, um dann zu dem besondere allerheiligste Vorbereitungen zu treffen, was für jede einzelne Seele, wenn wir die zweite Pforte überschritten haben, nicht anders als in freier Entschließung zu den Seelen sprechen darf. Wenn wir absehen von dem, was sonst aus den Zeiten zu den Seelen spricht, so kann man,
#SE138-153 21:40
wenn nicht ein äußeres Verhängnis oder dergleichen wirkt, eine Menschenseele nicht auf das aufmerksam machen, was sie erleben oder erwarten soll, sondern auf das, was durch die Gnade der geistigen Führung der Menschheitsentwickelung in die Seelen sich hineinleben wird. Wir fühlen da zusammenwirken das, was das Geistesleben vorbereitet hat und dann zu dem Geistesleben unserer Zeit geworden ist. Da stehen wir und fühlen unsere Verantwortung gegenüber denen, welche die echten suchenden Seelen waren, und fühlen, wie wir das verantworten können, was wir getan haben. Wir lernen aber auch, daß wir nicht aus unserer Willkür heraus sagen: so soll man es, oder so muß man es machen!
Denn warum sollte nicht auch dieses oder jenes so oder so begründet werden?
Nein, wir fühlen uns verpflichtet das zu tun, was die schöpferischen Kräfte der Zeit von uns verlangen, nicht, was wir selbst verlangen oder verlangen können. Wir fühlen uns verpflichtet weiter zu schaffen im Sinne derer, die vor uns gesprochen haben, und sagen: Wir wollen nichts anderes heilig halten, als was ihr heilig hieltet und herbeisehntet. Aber wir wollen treu sein dem, was für euch durch die spirituellen Mächte geflossen ist. Dann werden Sie dieses verstehen und nicht auf viele Fragen, die sich vielleicht in diesen Tagen die einzelne Seele hat aufwerfen können, sagen, hier sei etwas unharmonisch verflossen, sondern Sie werden sich sagen: diese Menschen konnten nicht anders handeln, aber sie wußten auch, was sie taten.
Alles drängte zu dem umfassendsten Geistesleben hin, dass die Geisteswissenschaft der Welt geben wird, wenn wir die vergangenen Zeiten in Betracht ziehen. Schauen Sie nicht auf das, was von irgendwelchen willkürlichen Bestrebungen der Zeit herausfließt, sondern schauen Sie auf das, was die Zeiten selbst als Notwendigkeiten bringen. Fragen Sie nicht, wie der oder jener, der glaubt auf dem festen Boden der Naturwissenschaft zu stehen, über die Rätsel der Zeit und der Menschenseele denken will, weil er nicht übersehen kann, was in Betracht kommt. Fragen Sie die Großen, welche längst hingestorben sind, die mit Objektivität zu unserer Seele sprechen. Fragen Sie einen Menschen, der so unendlich viel für die Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts getan hat wie Alexander von Humboldt, der in seinem
#SE138-154 21:50
«Kosmos» ein so umfassendes Bild der Naturentwickelung geben wollte, fragen Sie ihn, wo er hinausdenken wollte über das, was den Naturerklärer interessiert, wo für ihn die tiefsten Rätsel aller Naturfragen berührt sind. Und seine Antwort ist: Das ist der hundertvierte Psalm Davids! - Dieser selbe Alexander von Humboldt aber war wieder eine sehnsüchtige Seele, eine Seele, die - ganz im Besitze der naturwissenschaftlichen Kultur ihrer Zeit - aus dem 19. Jahrhundert heraus den Blick auf das richtete, was aus dem inbrünstigen Fühlen der spirituellen Welt herausgeflossen ist, wie es in dem hundertvierten Psalm Davids zutage tritt. Fragen Sie jetzt, wie vieles von dem, was dort in dem hundertvierten Psalm in hymnenartiger Weise zur Menschenseele spricht, in konkreter Ausgestaltung - wie es für unsere Zeit notwendig ist - in der Geisteswissenschaft zu finden ist! Wenn wir das beachten, dürfen wir sagen:
Was antwortet uns die Seele Alexander von Humboldts auf das, was wir tun? - Sie würde uns so antworten, daß sie uns sagte: Ersehnt haben wir das, was ihr versucht, und wir ahnten, daß es kommen muß! - Und Wilheim von Humboldt, der Bruder Alexanders, der große Sprachforscher, der letzte derjenigen Zeit, als in Europa die große Dichtung bekannt wurde, von der ich gestern gesprochen habe, die Bhagavad Gita, dieser große Geist, sprach ungefähr so, daß er sagte, er habe schon genug gelebt, nachdem in sein Leben hereingefallen ist die Bekanntschaft mit der Bhagavad Gita.
So hat sich das 19. Jahrhundert in denjenigen Seelen, die am meisten suchend waren, vorbereitet, dasjenige objektiv und unbefangen zu empfangen, was über den ganzen Erdkreis hin der Menschheit an spirituellen Schätzen gegeben ist. So hat es sich vorbereitet, um nicht in Einseitigkeit zu verfallen.
Ich wollte Ihnen nicht theoretische Auseinandersetzungen geben. Ich halte theoretische Auseinandersetzungen immer für sehr einseitig, selbst wenn sie die allerbesten sind. An Beispielen wollte ich Ihnen zeigen, wie die Tatsachen sind, und wie die Seelen unter der Gewalt realer Tatsachen empfinden. Ich möchte zurückkommen auf etwas, was Herman Grimm vorgeschwebt hat, wovon er mir sprach auf einem Wege von Weimar nach Tiefurt, was in seiner Seele lebte
#SE138-155 22:00
wie ein Gebäude, das er aufführen wollte, und wovon er selber in den einleitenden Bemerkungen zu seinen nachgelassenen Fragmenten so spricht, daß es ihm immer vor der Seele geschwebt hat, und daß alle seine einzelnen Arbeiten aus dem herausgeströmt sind, was so in seiner Seele lebte.
Was war es, das ihm immer vorschwebte?
Es war nichts geringeres als eine Entwickelungsgeschichte der Menschheit, die er darstellen wollte als eine Geschichte der Entwickelung der nationalen Phantasie der Menschheit aller Völker und Zeiten. Das war ihm das zu Schaffende. Er wollte untersuchen, wie zum Beispiel in Griechenland die schöpferische Macht der Phantasie gewirkt hat, wie sie einen Horn er, einen Äschylos, einen Sophokles an seine Stelle hingestellt hat, wie sie durch die Zeiten gegangen ist bis in die neue Zeit herauf und überall hingestellt hat, was dargestellt werden soll. Ein Mann schritt neben mir her, der den Glauben an die Wahrheit der Phantasie, das Schöpferische der Phantasie hatte, aber eine Welt war rings herum, die keine Anlage hatte, an dieses Schöpferische der Phantasie, an die Abstammung der Phantasie von dem Wahrheitvater zu glauben! Die Empfindung, welche Sie jetzt in dem dritten Mysterienspiel «Der Hüter der Schwelle» wiederfinden, wo Frau Balde wie ein Gespenst in den himmlischen Reichen erscheint - aber wie ein umgekehrtes Gespenst, denn sonst kommen Gespenster aus der übersinnlichen Welt, Frau Balde aber blickt hinauf und erscheint dort ebenso, wie die übersinnlichen Wesen herunterschreiten auf die Erde - diese Empfindung drängte sich damals in meine Seele und gestaltete sich als das Schicksal der Phantasie. An dieses Schicksal der Phantasie wird man denken müssen, wenn man auf das eingehen will, was Herman Grimm vorschwebte, ohne daß man etwas weiß über die Abstammung der Phantasie von dem Wahrheitvater. Niemals ist das zustande gekommen, was Herman Grimm vorgeschwebt hat. Er fühlte dunkel, daß da etwas zustande kommen würde, wenn es ihm gelänge, was er wollte. Aber - es ging nicht.
Warum ging es nicht?
Es ging deshalb nicht, weil einem die Phantasie, wenn man sie nur im allgemein-menschlichen Sinne als schöpferische Weltenmacht betrachten will, fortwährend entschlüpft. Man empfindet immer, wie die Macht, die man Phantasie
#SE138-156 22:10
nennt, zwar von der Wahrheit abstammt, aber nicht selbst zur Wahrheit, sondern nur zur Maja hinführen kann, und wie hinter allem, wohin die Phantasie führt, die spirituelle Welt steht, der gegenüber Herman Grimm jene abwehrende Handbewegung machte.
In den letzten Tagen trat diese Empfindung mir wieder vor die Seele gegenüber dem Manne, der aus der Phantasie heraus den Gang der Menschheitsentwickelung schildern wollte, daß ich mir sagte: Er hat das Ideal gehabt, aus dem Geistesleben, aus den spirituellen Mitteln, die ihm seine Zeit gab, Befriedigendes über die Weltenrätsel zu finden. Aber was er aus seiner Zeit heraus erlangen, was er in ehrlicher, aufrichtiger Weise in seine Seele aufnehmen konnte, das gab ihm die Lösung nicht. Und weil er ehrlich war, unterließ er sie! Daraus ersehen wir, wie unsere Zeit nach dem verlangt, was die Weltenrätsel enthüllen kann, was Aufklärung über die schaffenden Kräfte und schaffenden Mächte geben kann, die hinter den sinnlichen Erscheinungen stehen und die Signatur der Sinneserscheinungen bewirken.
Warum trat mir das in der letzten Zeit vor die Seele?
Ich habe mich nie gescheut, auch das Persönliche, wenn das Persönliche objektiv ist, zu erwähnen, und jeder mag darüber denken, wie er will. Ich bestrebe mich, das Persönliche ganz objektiv zu betrachten. Es trat mir vor die Seele, weil es sich mir ganz von selbst verglich, was ein Geist wollte und nicht konnte, und was nun in einer gewiß schönen Weise zustande gekommen ist durch das Buch unseres verehrten Edouard Schuré «L`Evolution divine». Lesen Sie es und nehmen Sie sich vor, es so zu lesen, daß Sie in die spirituelle Macht eindringen, die hinter allem Sinnenschein steht, die aber auch in dem Gang der Epochen als die schöpferische Phantasie gewirkt hat. Und Sie werden sehen, wie unsere Zeit auf das zu antworten beginnt, was heiße, sehnsüchtige, manchmal nicht einmal vollbewußte Fragen unseres Geisteslebens waren. Dann werden Sie in Ihrer Seele die Antwort finden, was Geisteswissenschaft sein soll, aber auch die Antwort, wie Geisteswissenschaft sein soll.
Wie wir denken müssen, damit ein harmonisches Zusammenwirken im Geistesleben der Gegenwart sich einstellen könnte, das war mir ein Bedürfnis im Verlaufe des heutigen Vormittages Ihnen zu sagen.
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