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GEISTESWISSENSCHAFTLICHE GESICHTSPUNKTE ZUR ERZIEHUNGSFRAGE Leipzig, 12. Januar 1907


#G097-1968-SE288 - Das Christliche Mysterium
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GEISTESWISSENSCHAFTLICHE GESICHTSPUNKTE
ZUR ERZIEHUNGSFRAGE
Leipzig, 12. Januar 1907
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Als vor drei Jahrzehnten die theosophische Bewegung begründet wurde, handelte es sich von Seiten der führenden Persönlichkeiten nicht darum, eine neue Lehre einzuführen, wodurch die Wißbegierde befriedigt würde, sondern vor allem darum, weiteren Kreisen eine geistige Einsicht zugänglich zu machen, durch die man die wichtigen Fragen des praktischen Lebens mit Hilfe geistiger Erkenntnisse lösen kann. Eine von diesen Fragen, an denen sich zeigt, wie die Geistes­wissenschaft in das praktische Leben eingreift, bildet auch das Thema dieses Vortrages,
die Erziehungsfrage.
Die Erziehungsfrage kann nur richtig im Zusammenhang mit der intimeren Kenntnis der menschlichen Wesenheit behandelt werden. Durch die Menschenerkenntnis, die in des Menschen übersinnliches Wesen eindringt, ergeben sich jedem, der es mit dieser Frage ernst nimmt, grundlegende Erziehungsprinzipien. Zu diesem Zwecke müs­sen wir von einer Betrachtung des Wesens des Menschen ausgehen. Die Frage nach dem Wesen des Menschen liefert die Grundgedanken zur Beantwortung der Erziehungsfragen.
Was die äußeren Sinne am Menschen erfassen können, ist für die Geistesforschung nur ein Glied der menschlichen Wesenheit. Diesen
physischen Leib, das physische Wesen hat der Mensch gemein mit der ganzen übrigen Natur. Als zweites Glied der menschlichen Wesenheit findet die okkulte Forschung durch das geistige Auge den Ätherleib oder Lebensleib. Er ist ein Organismus, feiner als der physische Leib, aber in allen Organen und Teilen gleich diesem gebildet. Es ist jedoch vielleicht besser, wenn man ihn als eine Summe von Kraftströmungen auffaßt, als den Architekten des physischen Leibes. Der letztere ist gleichsam aus dem Ätherleib herauskristallisiert. Wie sich durch Ab­kühlung aus dem Wasser das Eis entwickelt, so hat sich der physische Leib aus dem Ätherleib herausgebildet. Diesen Ätherleib oder Lebens-leib hat der Mensch gemeinsam mit allen lebenden Wesen.
Das dritte Glied der menschlichen Wesenheit ist
der Astralleib, der
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Träger von allen niederen und höheren seelischen Eigenschaften des Menschen, der Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz und allen Willensimpulsen. Dieses dritte Glied, das durch die Heraus­bildung der höheren Wahrnehmungsorgane geschaut werden kann, hat der Mensch gemeinsam mit der ganzen Tierwelt. Es umgibt den Menschen wie eine Art Wolke, die den physischen Leib und Ätherleib zugleich durchsetzt. Dieses Wesensglied ist in fortwährender Be­wegung und spiegelt alles ab, was im Menschen vorgeht. Die Be­zeichnung Astralleib ist verschiedentlich angefochten (DISCUSSA) worden. Aber wie der physische Leib durch seine physischen Stoffe mit der ganzen Erde verbunden und von ihr abhängig ist, so steht der Astralleib mit der ganzen die Erde umgebenden Sternenwelt in Beziehung, und alle die Kräfte, welche das Schicksal und den Charakter des Menschen wesentlich bedingen, haben Zusammenhang mit jener Welt.
Einer der neueren Geister,
Goethe der tief hineingeschaut hat in die Zusammenhänge zwischen der Natur und dem geistigen Menschen und seinen Zusammenhang mit dem Kosmos, sagt:

Wie an dem Tag, der dich der Weit verliehen,
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
Bist also bald und fort und fortgediehen
Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.
So mußt du sein, dir kannst du nicht entfliehen,
So sagten schon Sibyllen, so Propheten;
Und keine Zeit und keine Macht zerstückeit
Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.


Wegen seiner Beziehung zur Sternenwelt wird also das dritte Glied der menschlichen Wesenheit der Astralleib genannt.
Das vierte Glied hat der Mensch nicht gemeinsam mit andern Wesen, es ist das, was den Menschen die Kraft gibt, Ich zu sich selbst zu sagen. Ich ist das geheimnisvolle Wort, das jeder nur zu sich selbst sagen kann, in dem Worte Ich spricht die Seele ihren göttlichen Ur-funken aus. Mit dem Ich beginnt der Gott im Inneren des Menschen zu sprechen. In den jüdischen Geheimschulen nannte man das Ich den unaussprechlichen Namen Gottes, und ein Schauer der Ehrfurcht
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ging durch die Menge, wenn der Eingeweihte den für die Außen­stehenden unaussprechlichen Namen aussprach:
Jahve - Ich bin der ich bin.
Diese vier Glieder bilden die Vierheit in der menschlichen Natur. Diese Vierheit ist in allen Menschen vorhanden. Sie entwickelt sich von der Kindheit zum Mannesalter heran, aber dies geschieht durch-aus differenziert, und wir mussen daher jeden Teil im Menschen ge­sondert betrachten.
Veranlagt ist schon alles im Embryo, aber die Entwickelung geht ganz verschieden vor sich.
Der Mensch kann sich nicht ohne eine Umgebung entwickeln, er kann nur gedeihen, wenn er von andern Wesen und Gliedern des Kosmos umgeben ist. So muß der mütter­liche Organismus den Menschen bis zu einer gewissen Reife um-schließen. Was bei der physischen Geburt vor sich geht, wiederholt sich, denn bei der physischen Geburt wird noch nicht der ganze Mensch geboren, sondern so wie der sich entwickelnde Menschen-keim vom physischen mütterlichen Organismus umschlossen wird, so ist der Mensch nach der physischen Geburt von einem geistigen Organismus umgeben, welcher der ganzen Geistwelt angehört. Das Kind ist umgeben von einer Ätherhülle und von einer Astralhülle und ruht darin, wie das Embryo im Mutterschoß.
Im siebenten Lebensjahr, um die Zeit des Zahnwechsels, löst sich vom Ätherleib eine Ätherhülle los, wie sich bei der physischen Geburt der mütterliche Organismus vom physischen Körper des Kindes löst. Der Ätherleib wird frei, während sich vorher eine Wesenheit aus dem­selben Äther dem Ätherleibe anschließt und Strömungen von ihr auf das Kind übergehen, wie dies vor der physischen Geburt im Mutterleib geschieht. Nach und nach wird das Kind also zum zweiten Mal, und jetzt ätherisch, geboren. Nun ist noch immer das dritte Glied, der Astralleib, von einer schützenden Astralhülle umgeben. Diese Astral-hülle umgibt den Menschen bis zur Geschlechtsreife, bis zum vier­zehnten, fünfzehnten Jahre, und zieht sich dann zurück. So wird der Mensch zum dritten Mal geboren, die astrale Geburt findet statt.
Diese dreifache Geburt zeigt, daß wir jedes Wesensglied getrennt betrachten müssen, denn bei jedem neugeborenen Kinde ist nur das
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erste Glied, der physische Körper, freigelegt. Und wie es unmöglich ist, das Licht von außen durch den mütterlichen Organismus an das Kind heranzubringen, ebenso sollte es vermieden werden, Einflüsse von außen an den Ätherleib heranzubringen, ehe derselbe frei ge­worden ist von der Ätherhülle. Vor dem Zahnwechsel sollten keine Einflüsse an den Ätherleib herankommen, und vor der Geschlechts-reife keine an den Astralleib.
Bis zum siebenten Lebensjahre können wir erzieherisch auf den Menschen nur dann richtig wirken, wenn wir ihn vom Physischen her beeinflussen. Wie die Pflege der Mutter innig zusammenhängt mit dem Gedeihen des Embryo, so muß auch die Unantastbarkeit und Heiligkeit der Ätherhülle geschützt werden, wenn sich das Kind gedeihlich entwickeln soll. Bis zum Zahnwechsel ist nur der physische Körper für Wirkungen von außen empfänglich, daher kann bis dahin nur der physische Körper erzogen werden, und wenn in dieser Zeit etwas von außen an den Ätherkörper heran-gebracht wird, dann versündigt man sich am Ätherleibe des Kindes. Der Ätherleib ist beim Menschen der Träger alles dessen, was bleibend an ihm ist, der Träger von Gewohnheiten, Charakter, Gewissen, Ge­dächtnis, Temperamentsanlagen. Am Astralleib haftet die Urteilsfähigkeit, das vernunftgemäße Urteil über die Umgebung. So wie sich bis zum siebenten Jahre die äußeren Sinne des Kindes entwickeln sollen, so werden bis zum vierzehnten Jahre die Gewohnheiten, das Gedächtnis, das Temperament und so weitet freigegeben und dann bis zum zwanzigsten, einundzwanzigsten Jahre der kritische Ver­stand, das selbständige Verhältnis zur Umwelt.
Daher gibt uns die Geisteswissenschaft ganz bestimmte Regeln für die Erziehung des Kindes in diesen einzelnen Lebensepochen. So gehört zur Pflege des Kindes bis zum siebenten Jahre alles, was mit dem physischen Leib zusammenhängt. Darunter fällt die harmonische Ausbildung der Organe durch die Einwirkung auf die Sinne des Kin­des. Die Physis ist daher das Maßgebende, das zu Erziehende. Dem tragen wir dadurch Rechnung, daß wir dem Kinde alles bringen, was durch die Sinne heranbildend wirkt. Aristoteles sagt: Der Mensch ist das nachahmendste der Tiere. - Das Kind ist also ein Nachaumer, alles steht bei ihm unter dem Zeichen der Nachahmung dessen, was es hört
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und sieht. In
diesem Alter haben Gebote und Verbote wenig Be­deutung. Die größte Bedeutung aber hat das Vorbild, dadurch muß die Umgebung die Sinne des Kindes erwecken. Wie wir sind, das ist die Hauptsache, und bis in die Feinheiten hinein muß der Erwachsene sein eigenes Tun und Lassen beobachten. Er darf nichts tun, was das Kind nicht nachahmen darf, denn alles, was es sieht, das betrachtet es als etwas, was es selber tun und nachahmen darf. So überraschte ein gutgeartetes Kind seine Eltern damit, daß es Geld aus einer Kassette genommen hatte. Die Eltern waren entsetzt und glaubten, das Kind hätte einen Hang zum Stehlen. Auf Befragen stellte sich aber heraus, daß das Kind einfach nur nachgeahmt hatte, was es Vater und Mutter täglich hatte tun sehen. Auf Vorbild und Nachahmung beruht die Er­ziehung bis zum Zahnwechsel. Daher muß der Erzieher bis zum siebenten Jahre des Kindes in jeder Hinsicht Vorbild sein. Unrichtig wäre es auch, dem Kinde bis dahin die Bedeutung der Buchstaben einprägen zu wollen. Es kann nur ihre Form nachahmen, denn die Kraft zum Begreifen ihrer Bedeutung haftet am Ätherleib.
In diesen Jahren, in denen die Organe des Kindes entwickelt und gesunde Anlagen begründet werden sollen, ist auch alles höchst wichtig, was
an moralischen Dingen in der Umgebung des Kindes vorgeht. Es ist auch durchaus nicht gleichgültig, ob das Kind Schmerz und Leid oder Lust und Freude um sich her sieht, denn Freude und Lust begründen gesunde Anlagen im physischen Körper. Alles um das Kind herum sollte Freude und Lust atmen, und beides hervor­zurufen sollte der Erzieher bedacht sein, bis auf die Farbe der Kleider, der Tapeten und Gegenstände. Dabei ist sorgfältig die individuelle Anlage des Kindes zu berücksichtigen. Ein Kind, das zu Ernst und Stille neigt, sollte dunklere, bläuliche, grünliche Farben in seiner Um­gebung sehen, ein lebhaftes, lebendiges Kind gelbliche, rötliche Far­ben, weil dadurch die Fähigkeit der Sinne zur Erweckung der Gegen-farbe hervorgerufen wird. Die Organe, die jetzt heranentwickelt wer­den, müssen dadurch veranlaßt werden, ihre inneren Kräfte heraus-zubilden. Darum sollte man dem Kinde auch keine fertigen Spiel­sachen geben, wie Baukasten, Puppen und so weiter. Jedes Kind zieht eine selbstgemachte Puppe aus einem Stiefelknecht oder einer alten
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Serviette den ausgeputzten Wachsdamen vor
. Warum tut es das? Weil dadurch die Imagination geweckt wird, weil die Phantasie in Tätig­keit gesetzt wird und die inneren Organe anfangen zu arbeiten zur Freude und Lust des Kindes Wie lebendig und interessiert ist solch ein Kind bei seinem Spiel, wie geht es mit Leib und Seele in dem auf, was seine Imaginationen ihm vorspiegeln! Und wie lästig und un­vergnügt sitzt das andere da, bei dem die inneren Sinne in Untatigkeit verharren. Das Kind hat eirie sehr gesunde Einsicht für das, was ihm gut oder schädlich ist. Es steht in einem solchen Verhältnis zur Außen­welt, daß es abweist, was dem physischen Körper, zum Beispiel dem Magen, nicht bekommt, und Begierde zeigt nach dem, was demselben frommt. Und töricht wäre es, den gesunden Begierden, welche die Entwickelung fördern, entgegenzuarbeiten und das Kind zum Bei­spiel zum Essen von Nahrungsmitteln zu zwingen, welche die natür­lichen Instinkte austreiben. Jeder Anflug von Asketismus ist eine Aus­rottung der natürlichen Gesundheit.
Gegen
das siebente Jahr, im Verfolg des allmählichen Zahnwech­sels, lösen sich die Umhüllungen des Ätherleibes, und jetzt muß der Erzieher alles heranbringen, was den Ätherleib ausbildet, was auf den­selben entwickelnd wirkt. Aber er muß sich noch hüten, zu großen Wert darauf zu legen, daß die Vernunft und der Verstand ausgebildet werden. In dieser Zeit, zwischen dem siebenten und zwölften Jahre des Kindes, handelt es sich vorzugsweise um Autorität, Glauben, Vertrauen, Ehrfurcht. Wichtig für die ganze spätere Lebensentwickelung ist es, daß das Kind möglichst viele Momente erlebt habe wie den folgenden: Das Kind sieht mit einer gewissen heiligen Scheu zu einer verehrten Person auf, es hat Ehrfurcht im tiefsten Inneren, die ihm verbietet, irgendeinen Gedanken von Kritik oder Opposition ihr gegenüber aufkommen zu lassen. Da steht es eines Tages vor der Türe dieser verehrten Person und empfindet eine heilige Scheu, auf die Klinke zu drücken und das Zimmer zu betreten, das ihm ein Heiligtum ist. Diese Momente der Ehrfurcht sind Kräfte für das spätere Leben, und von ungeheurer Bedeutung ist, daß der Erzieher selbst dem Kinde Autorität sei. Die Menschen, die das Kind umgeben, die es sieht und hört, müssen seine Ideale sein. Aus der Geschichte und
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Literatur sollte sich jedes Kind einen Helden wählen, zu dem es mit Bewunderung und Ehrfurcht hinaufsieht. Es ist ganz falsch, wenn die materialistische Weltanschauung sich gegen die Autorität ausspricht und das Gefühl der Hingebung und Verehrung mißachtet. Wichtig ist, daß in dieser Zeit das Gedächtnis herausgebildet wird. Und zwar geschieht das zunächst am besten auf ganz mechanische Weise. Nicht die Rechenmaschine sollte benützt werden, sondern Zahlen und Ge­dichte und so weiter sollten gelernt und dadurch das Gedächtnis heranentwickelt werden.
In alten Zeiten erzog man in dieser Hinsicht das Kind sehr ver­nünftig. Die guten alten
Kinderlieder und Ammenlieder, bei denen es nicht auf die intellektuelle Bedeutung, sondern auf das Erwecken einer unmittelbaren Empfindung ankam, erscheinen heutzutage, wo das Verständnis dafür verlorengegangen ist, sinnlos. Aber es liegt gleichwohl ein tiefer Sinn darin verborgen. Es kam beim Vorsingen auf den Zusammenklang und die Harmonie für das kindliche Ohr an, daher die oft sinnlosen Reime. Wer zwischen sieben bis vierzehn Jahren im Ätherleib keinen festen Grundstock an Charakter, Ge­dächtnis und so weiter bekommen hat, ist falsch erzogen. Der Weg zur richtigen Erziehung ist in dieser zweiten Lebensperiode die Auto­rität. Was das Kind ahnt als innerste Natur des Menschen, der ihm Autorität ist, das bildet sein Gewissen, seinen Charakter, und sogar sein Temperament aus und wird zur dauernden Anlage bei ihm. Bil­dend auf den Ätherleib wirkt in diesen Jahren auch das Gleichnis und Sinnbild, überhaupt alles, was durch den Geist die Welt kenntlich macht. Daher in dieser Zeit der Segen der Märchenbücher und das Vorführen großer Persönlichkeiten und Helden in Sage und Ge­schichte. Wichtig ist auch der Turnunterricht, der ein Gefühl von Kraft, Gesundheit und Lebensfreudigkeit im Kinde hervorruft und daher ebenso organbildend wirkt wie Lust und Freude. Aber der Turnunterricht hat gerade jetzt große Mängel. Der Turnlehrer sollte seine Zöglinge nicht mit dem Blick des Anatomen betrachten, sondern darauf sinnen, durch welche Bewegungen des Leibes der Seele das Gefühl von erhöhter Kraft und dem Kinde der Genuß seiner Leiblich­keit bereitet werde. Der Lehrer muß sich intuitiv hineindenken in die
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fühlende Seele des Kindes und jede Turnübung so berechnen, daß sie das Gefühl der wachsenden Kraft erzeugt. Einen großen Einfluß bis in unseren Ätherleib und Astralleib übt jedes künstlerische Gebilde aus. Daher muß echtes, wahres Künstlerisches den Ätherleib durchdringen.
Gute Vokal- und Instrumentalmusik ist zum Beispiel von hoher Bedeu­tung, und das Kindesauge sollte viel Schönes um sich her erblicken.
Aber durch nichts ist der Religionsunterricht zu ersetzen. Die Bilder des Übersinnlichen prägen sich tief in den Ätherleib ein. Das Kind sollte nicht Kritik und Urteil über ein Glaubensbekenntnis lernen, sondern es muß Bilder von dem Unendlichen bekommen. Alle reli­giösen Vorstellungen müssen Bildervorstellungen werden; das Gleichnis wirkt kräftig ein auf den Ätherleib. Die größte Sorgfalt muß gelegt werden auf die Erziehung aus dem Lebendigen heraus.
Der kindliche Geist hat heutzutage zu viel mit dem Toten zu tun. Dem können im ersten Lebensjahrsiebent beispielsweise bewegliche Bilderbücher entgegenwirken. Alles sollte Handlung, Tat, Leben sein, das belebt den Geist und bewegt das Innere. Darum muß man das Kind nicht mit dem Baukasten bauen und mit fertigen Sachen spielen lassen, es muß lernen, das Lebendige aus dem Unlebendigen hervor­zubringen.
An dem sich entwickelnden Gehirn des Kindes erstirbt vieles, wenn es mit toten Verrichtungen wie Flechtarbeiten und dergleichen be­schäftigt wird. Ganze Anlagen bleiben dadurch unentwickelt. Das Spielzeug des Unlebendigen bildet auch nicht den Glauben an das Lebendige heran. Daher besteht ein tiefer Zusammenhäng zwischen der Kindererziehung und der Glaubenslosigkeit unseres Zeitalters.
Bei der Geschlechtsreife fallen die astralen Hüllen. Mit dem Gefühl für das andere Geschlecht tritt die persönliche Urteilskraft hervor. Von da an kann man an das Ja und Nein, an den kritischen Verstand appellieren. Erst vom zwölften Jahre an bildet sich die Urteilskraft heraus, doch bedarf dieser Prozeß geraumer Zeit. Kritiker von neun­zehn oder zwanzig Jahren können unmöglich ein wirklich zutreffendes Urteil haben. Äußerst wichtig ist es, wer dem jungen Menschen in diesem Lebensalter als Lehrer entgegentritt, um seine Lernbegierde und seinen Freiheitsdrang in die rechten Bahnen zu lenken.
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Diese Grundsätze ergeben sich aus der Geistesforschung und sind für die gesunde Weiterbildung des Menschengeschlechtes von größter Bedeutung. Die Theosophie kann durch dieselben in die wichtigsten Vorgänge des Menschenlebens praktisch eingreifen. So erfüllt diese geistige Weltanschauung den Erzieher mit einer Fülle von Einsichten, wie sie das Rätsel des heranwachsenden Menschen erfordert. Die Geisteswissenschaft soll nicht nur überzeugen, lehren, sie soll tun, handeln, eingreifen ins praktische Leben. Sie soll sich bewähren, sie soll in alle Handgriffe einfließen und ein gesundes Leben in leiblicher und geistiger Beziehung bewirken. Theosophie ist nicht nur eine richtige, sondern auch eine gesunde Wahrheit. Am besten können wir der Menschheit dienen und ihr soziale und andere Kräfte zuführen, wenn wir dieselben herausholen aus dem werdenden Menschen. Der werdende Mensch, der sich entwickelnde Mensch ist eines der größten Rätsel des Lebens, und der rechte Erzieher muß ein Rätsellöser sein in der praktischen Heranbildung des werdenden Menschen.
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